Hintergrund: Die U-Boote der Marine seit 1955

Von Alexander Richter

Sechs verschiedene U-Boot-Klassen waren bei der Bundesmarine, die sich seit 1990 Deutsche Marine nennt, im Einsatz. Einige der Unterwasserjäger sind seit 27 Jahren im Dienst.

Typ 212
HDW

Typ 212

Nach ihrer Gründung im Jahr 1955 begann die Bundeswehr relativ schnell, U-Boote zu erproben und künftige Seeleute für den Unterwasserkrieg zu schulen. Die Ingeneure griffen zunächst auf die Technik aus dem Zweiten Weltkrieg zurück und stellten mit "Hai" und "Hecht" bereits 1957 zwei überarbeite Boote des Typs XXIII in Dienst, die fortan Klasse 240 genannt wurden.

Doch die Geschichte der "Hai" endete in einer Katastrophe. Der Weltkriegsveteran (Baujahr 1944/45) sank am 14. September 1966 in der Nordsee bei einer Überwasserfahrt in Richtung der schottischen Hafenstadt Aberdeen. Von den 20 Besatzungsmitgliedern überlebte nur ein Obermaat. Die ertrunkenen 19 Soldaten sind die einzigen deutschen U-Boot-Fahrer, die nach dem Zweiten Weltkrieg bei einem Unfall starben. Das Boot wurde wenig später gehoben, im selben Jahr außer Dienst gestellt und verschrottet. Das Schwesterboot "Hecht" folgte 1968.

1960 wurde mit der "Wilhelm Bauer" als einziges Boot der Klasse 241 ein weiteres U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg (Typ XXI) eingesetzt. Insgesamt 20 Jahre fuhr das Unterwassergefährt als Erprobungs- und Schulungsboot durch Nord- und Ostsee. Heute liegt es als Besucherattraktion im Museum von Bremerhaven.

Die ersten für die Bundesmarine gebauten U-Boote wurden vom Ingenieurkontor Lübeck (IKL) ab 1958 entwickelt und 1962 als Klasse 201 in Dienst gestellt. Ursprünglich sollten zwölf Einheiten vom Stapel laufen. Doch es stellte sich schnell heraus, dass dieser Typ nicht den Anforderungen entsprach. Neun Werftaufträge wurden annulliert. Und auch das Gastspiel von "U1", "U2" und "U3" als Boote der Klasse 201 währte nicht lange. Während "U3" ab 1967 nicht mehr von der Bundesmarine genutzt wurde, kamen die anderen beiden ungefähr zur gleichen Zeit in die Werft. Nach einer Umrüstung zur Klasse 205A fuhren "U1" und "U2" bis 1991 beziehungsweise 1992 unter der Bundesflagge.

Die kürzeste Dienstzeit in der Geschichte der Bundesrepublik hatte die Baureihe der Klasse 202. Bereits 1957 erhielt das IKL vom Verteidigungsministerium den Auftrag, kleine und wendige Jagd-U-Boote zu entwerfen. Ursprünglich sollten 40 dieser U-Boot-Jäger gebaut werden. Doch technische Schwierigkeiten und die Erkenntnis der Militärs, dass reine Unterwasserjäger keinen Sinn machten, vereitelten das Projekt größtenteils. Nur drei Versuchsboote sollten gebaut werden. Aber selbst diese Zahl wurde noch auf zwei reduziert. 1965 und 1966 liefen die "Hans Techel" und die "Friedrich Schürer" vom Stapel. Bereits am 15. Dezember 1966 kam für beide Jäger, die mit jeweils nur sechs Mann besetzt wurden, das Aus, die Verschrottung folgte unmittelbar.

Gemeinsam mit den ersten beiden Anläufen, nach dem Zweiten Weltkrieg eine U-Boot-Waffe aufzubauen, vergab die Bundesmarine noch zwei weitere Entwicklungsaufträge. Doch die Klassen 203 und 204 kamen nie über das Reißbrettstadium hinaus. Aber Ende 1962 wurde mit "U4" ein neuartiger U-Boot-Typ in die Bundeswehr eingeführt, der in modernisierter Form noch heute in Dienst ist.

Die Klasse 205 setzte auf die Erfahrungen der 201er auf. Im Prinzip entsprach die Bauweise der neuen Boote ihren Vorläufern. Sie waren allerdings 1,80 Meter länger. Der zusätzliche Platz war nötig geworden, um den gestiegenen Platzbedarf für zusätzliche Ausrüstung gerecht zu werden. Insgesamt neun dieser Unterwassergefährte wurden in den sechziger Jahren neu gebaut. Hinzu kamen noch die umgerüsteten "U1" und "U2".

Die Klasse 205 fuhr zehn bis zwölf Jahre für das erste U-Boot-Geschwader in Kiel. Während die ersten fünf Boote Ende der sechziger Jahre außer Dienst gestellt wurden, bekamen "U9" bis "U12", sowie die Oldtimer "U1" und "U2" von 1967 bis 1969 eine Runderneuerung zur Klasse 205A.

Bis auf die letzten beiden Unterseejäger der A-Ausführung schickte die Marine die Boote nach Ende des Kalten Krieges, Anfang der neunziger Jahre, in den Ruhestand. "U11" und "U12" wurden nochmals modernisiert und sind heute - wie mittlerweile alle U-Boote - bei der Flottille in Eckernförde stationiert.

Typ 206
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Typ 206

1973 lief das erste von 18 U-Booten der Klasse 206 in Kiel vom Stapel. 22 Mann Besatzung sind für das - im internationalen Vergleich - relativ kleine Boot nötig. Als vorläufig letztes deutsches U-Boot wurde "U30" 1975 der Marine übergeben. Die neuen Unterwassergefährte bekamen eine verbesserte amagnetische Außenhaut, die Schutz vor Magnetminen gewährleisten soll. Auch die Feuerleitanlagen und elektrische Anlagen waren gegenüber ihren Vorläufern leistungsfähiger. Moderne Aktiv- und Passiv-Sonaranlagen sollte die Kampfkraft der 206er stärken. Die Abschussrohre wurden dem neuen drahtgelenkten DM2A1-Torpedo angepasst. Die Klasse 206 konnte so mehrere Ziele mit bis zu drei dieser ferngelenkten Torpedos gleichzeitig beschießen.

Zwölf der Klasse-206-Boote sind nach zahlreichen Umbaumaßnahmen zur Klasse 206A immer noch im Dienst. Bei ihnen wurde beispielsweise der unter Wasser verräterische Geräuschpegel entscheidend reduziert. In der letzten großen Umrüstungsphase Mitte der neunziger Jahre wurden die Unterwasserjäger mit dem neuen Torpedo "Seehecht" ausgestattet.

Experten rechnen diese Waffe zu den modernsten ihrer Art. Der "Seehecht" ist ebenfalls drahtgelenkt und mit einem schwerem Sprengkopf versehen. Er kann seine Ziele selber suchen und orten. Auch kann er in die Vertikale abtauchen, so dass feindliche U-Boote, die in größeren Tiefen fahren, ebenfalls mit dem freilenkbaren Torpedo beschossen werden können.

Typ 212
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Typ 212

2002 wird die Deutsche Marine eine technische Revolution erleben. In die Klasse 212 wird eine Brennstoffzelle eingebaut, die mit Wasserstoff betrieben wird und das Boot versorgungs-unabhängiger werden lässt. Diese Technik arbeitet geräusch- und abgaslos, wandelt den Wasserstoff direkt in elektrische Energie um und zeichnet sich durch einen hohen Wirkungsgrad sowie geringen Wartungsaufwand aus. Neben dem Gleichstrom fällt bei der Energieumwandlung als einziges Reaktionsprodukt destilliertes Wasser an.

Mit diesem System können die Boote der Klasse 212 über mehrere Wochen unter Wasser bleiben und sind weitgehend unabhängig von Außenluftzufuhr. Zusätzlich wird ein neuer Torpedotyp eingeführt. Auch die Schraubengeräusche wurden durch Neukonstruktion fast eliminiert. Mit ihren 1830 Tonnen Wasserverdrängung im getauchten Zustand sind sie wesentlich größer als Klasse 206A (498 Tonnen). Vorerst sind vier Boote des neuen Typs für die Deutsche Marine geplant.

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