Sein erster Nonstop-Alleinflug von New York nach Paris hatte Charles A. Lindbergh 1927 weltweit berühmt gemacht. Fünf Jahre später sorgte er mit einer privaten Tragödie für Schlagzeilen: Lindberghs kleiner Sohn wird direkt aus dem Haus des Nationalhelden in New Jersey entführt. Mit einer Leiter war ein Einbrecher in den zweiten Stock des Gebäudes eingedrungen, hatte den Säugling mitgenommen und eine Lösegeldforderung auf der Fensterbank hinterlassen. Obwohl die Summe bezahlt wurde, fand man das Kind 73 Tage später tot in einem Waldstück unweit des Grundstücks. Zwei Jahre darauf wurde der 35-jährige Tischler Bruno Richard Hauptmann der Tat für schuldig befunden und hingerichtet - er hatte bis zum Schluss vehement seine Unschuld beteuert.
1960: Der vierjährige Eric Peugeot, Sohn des Pariser Auto-Millionärs Raymond Peugeot, wird auf dem Spielplatz einer Golfanlage in der Nähe der französischen Hauptstadt gekidnappt. Die Entführer fordern die für den wohlhabenden Vater geradezu lächerliche Summe von 35.000 Dollar. Peugeot zahlt, sein Sohn kehrt unbeschadet nach Hause zurück. Die Erpresser werden 1962 festgenommen und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.
1971: Am 29. November wird der "Aldi"-Millionär Theo Albrecht entführt. Die Erpresser fordern sieben Millionen Mark Lösegeld für den König des deutschen Lebensmittel-Discount - und bekommen sie auch. Sie werden jedoch entdeckt und im Jahr 1973 vom Landgericht Essen zu jeweils achteinhalb Jahre Freiheitsstrafe verurteilt.
1974: Paul Getty III, der 17-jährige Enkel des US-Ölmilliardärs Paul Getty, wird in Rom von kalabresischen Mafiosi entführt. Die Lösegelderpresser trennen ihm die Hälfte seines rechten Ohrs ab, um den "aus Prinzip" zahlungsunwilligen Großvater zur Herausgabe der geforderten Summe zu bewegen. Nach zähen Verhandlungen kommt der junge Paul fünf Monate später gegen ein Lösegeld von zwei statt den geforderten 17 Millionen Dollar frei. Die Kidnapper werden niemals gefasst.
1976: Der Industriellen-Sohn Richard Oetker wird im Alter von 25 Jahren entführt und in eine Holzkiste eingesperrt, aus der er nach Zahlung von 21 Millionen Mark Lösegeld schwer verletzt befreit wird.
1980: Sabine, 13, und Susanne, 15, Kronzucker, Töchter des ZDF-Journalisten Dieter Kronzucker, sowie ihr 15-jähriger Vetter Martin Wächtler geraten in der Toskana in die Hände von Entführern. In einer Villa in Barberino Val d'Elsa überwältigen drei maskierte, bewaffnete Banditen zunächst die Erwachsenen, bevor sie die drei Kinder verschleppen. Die sofort eingeleitete Großfahndung wird von allen Seiten unterstützt: Sowohl Bonns Botschafter in Rom, Hans Arnold, als auch der italienische Innenminister Rognoni und Außenminister Colombo schalten sich ein. Renate Kronzucker wendet sich über das italienische Fernsehen RAI an die Kidnapper: "Ich gebe euch mein letztes Hemd, aber bringt mir meine Kinder wieder." Selbst Papst Wojtyla und Kardinal Benelli appellieren per TV an die Vernunft der Entführer. 68 Tage nach der Entführung werden Sabine, Susanne und Martin freigelassen, nachdem ihre Eltern 4,3 Millionen Mark an die Entführer gezahlt hatten. Als Hauptverdächtiger gilt der im Mai 1977 wegen "Entführung, Erpressung und vorsätzlicher Tötung" des Grafen Alfonso de Sayons bereits verhaftete, dann entflohene sardische Separatist, Ex-Hirte und Bankräuber Mario Sale, der sich - nach einem afrikanischen Zulu-König - den Decknamen "Chaka II" gab.
1983: Laura Calissoni-Bulgari bekommt einen Brief ihrer entführten Mutter zugeschickt, dem die abgeschnittene Ohrmuschel ihres Bruders Giorgio, 17, beigelegt ist. Zwei als Polizisten verkleidete Kidnapper hatten Mutter und Sohn des weltbekannten italienischen Juwelierhauses südlich von Rom entführt. Sie fordern fünf Milliarden Lire Lösegeld, rund neun Millionen Mark. Obwohl bereits alle Konten der Familie gerichtlich gesperrt sind, um eine mögliche Zahlung auszuschließen, entschließt sich die Familie die Summe unverzüglich bereitzustellen. Auch die Fahnder schätzen die Entführer als zu allem entschlossen ein.
Zweiter Verhandlungstag gegen den Reemtsma-Entführer Thomas Drach am 21. Dezember 2000: Jan Philipp Reemtsma und sein Anwalt Johann Schwenn im Landgericht Hamburg
1996: Am 25. März wird Jan Philipp Reemtsma, promovierte Literaturwissenschaftler und bis 1980 am Hamburger Reemtsma-Konzern beteiligter Gründer des "Hamburger Institut für Sozialforschung" vor der Tür seines Hauses in Blankenese niedergeschlagen und verschleppt. 33 Tage lang halten ihn seine Entführer im Kellerraum eines Hauses bei Bremen gefangen. Nach der Übergabe von 30 Millionen Mark Lösegeld kommt er frei.
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