Kurzbiografie Julius Streicher (1885 - 1946)

Die Millionenauflage des "Stürmer" machte Julius Streicher selbst zum Millionär. Wie viele seiner Parteigenossen hat er es verstanden, seinen fanatischen Antisemitismus in bare Münze zu verwandeln. Weder der Verlust seiner Parteiämter noch ein Redeverbot konnten die Veröffentlichung des Hetzblattes unterbinden. Sogar die offensichtliche Abneigung einiger NS-Größen wie Göring und Goebbels gegen den Berufspolemiker hatten keinen Einfluss auf dessen publizistische Tätigkeit.


Sturmangriff österreichischer Truppen an der Isonzofront (1915)
DPA

Sturmangriff österreichischer Truppen an der Isonzofront (1915)

12. Februar 1885

: Julius Streicher wird in Fleinhausen bei Augsburg als Sohn eines katholischen Volksschullehrers geboren


1904: Nach Besuch des Augsburger Lehrerseminars wird Streicher Lehrer

1907-1908: Dienst als Einjährig-Freiwilliger

1909: Hauptlehrer in Nürnberg

1914-1918: Teilnahme am Ersten Weltkrieg in bayerischen Einheiten

1918: Streicher wird Leutnant der Reserve

1919: Mitbegründer der nationalistisch-anitsemitischen "Deutsch-Sozialen Partei", die sich dem "Kampf gegen das internationale Judentum" verschrieben hat.

1921: Die 3000 Mann starke Partei wird geschlossen der NSDAP unterstellt

1923: Gründung des Streicherschen Hetzblattes "Der Stürmer", der mit plakativ antisemitischer Hetze, Skandalgeschichten, zotigen Texten und semi-pornographischen Bildern in den folgenden Jahren eine Auflage von bis zu einer halben Million Exemplare erreichte. Entlassung aus dem Schuldienst auf Grund seiner Teilnahme am Putsch vom 9. November 1923 und seiner Ausfälle gegen die Weimarer Republik.

Julius Streicher vor dem Internationalen Militärtribunal 1945
AP

Julius Streicher vor dem Internationalen Militärtribunal 1945

1924: Einzug Streichers als NSDAP-Abgeordneter in den bayrischen Landtag

1925: Streicher erhält den Auftrag, die NSDAP in Nordbayern aufzubauen

1929: Ernennung zum Gauleiter in Mittelfranken

1933: Nach Erlass der Judengesetze übernimmt er die Leitung des zu Tarnungszwecken aufgezogenen "Zentralkomitees zur Abwehr jüdischer Greuel- und Boykotthetze". Das Komitee plant antisemitische Aktionen und Boykotte. Streicher erhält ein Mandat als Reichstagsabgeordneter und wird zum SA-Gruppenführer befördert.

1939: An der Berliner Universität wird unter dem Rektorat eines Nationalsozialisten das "Streicher-Institut zur Erforschung der Judenfrage" eingerichtet. Der Judenhasser besitzt zu diesem Zeitpunkt bereits zehn eigene Zeitungen und ist durch die Millionenauflage des "Stürmer" und zweifelhafte Geschäfte zum Millionär geworden. Auf sein Betreiben werden jüdische Bürger enteignet und ihre Häuser und Geschäfte zu einem Bruchteil des eigentlichen Wertes an befreundete Nazis verkauft.

1940: Auf Grund negativer Äußerungen Streichers über NS-Prominente wird er seiner Parteiämter enthoben und mit Redeverbot belegt. Den "Stürmer" darf er auf Hitlers Befehl hin weiter publizieren. Der "Führer" hatte das Hetzblatt stets gemocht und behauptet, er lese es von der ersten bis zur letzten Zeile.

Nürnberger Prozess am 30. September 1946
AP

Nürnberger Prozess am 30. September 1946

1945: Nach dem totalen Zusammenbruch des NS-Regimes flieht Streicher in die Alpen und lebt einige Wochen unerkannt in einem österreichischen Dorf. Nach seiner Entdeckung durch amerikanische Besatzungstruppen wird er verhaftet und als Hauptkriegsverbrecher vor das Internationale Militärtribunal in Nürnberg gebracht. Man klagt ihn der Verschwörung gegen den Weltfrieden und des Verbrechens gegen die Menschlichkeit an und befindet ihn in Punkt zwei für schuldig. Der Urteilsspruch: Tod durch den Strang. Streicher hatte während des Prozesses kein Zeichen von Reue gezeigt und seine fanatisch antisemitische Haltung bewahrt. Er behauptete, von den Judenmorden erst in der Gefangenschaft gehört und sich ansonsten lediglich mit der Aufklärung beschäftigt zu haben.

16. Oktober 1946: Hinrichtung Streichers, der sich mit folgenden Worten verabschiedet: "Heil Hitler! Dies ist mein Purimfest 1946. Ich gehe zu Gott. Die Bolschewisten werden eines Tages Euch auch hängen."



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.