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Als Viktoria Chaplin wieder einmal im Nachlass ihres Vaters Charlie stöberte, fand sie per Zufall einige halb verrostete Filmbüchsen. Ein Koffer von Chaplins Bruder Sydney war in einem Kellerraum der Schweizer Villa des Starkomikers jahrzehntelang ungeöffnet geblieben. Auf den 16-Millimeter-Filmstreifen fand sich ein einzigartiges Dokument: Sydney Chaplin hatte 1939 die Dreharbeiten zum "Großen Diktator" mit seiner Amateurkamera begleitet - und er drehte in Farbe. Doch Victoria vergaß den ungewöhnlichen Fund. Erst viele Jahre später erinnerte sie sich des Films - anlässlich der Präsentation eines Buches über ihren Vater.
Das erstaunlich gut erhaltene Filmmaterial wirft ein Schlaglicht auf eines der ehrgeizigsten Projekte Chaplins: seine Abrechnung mit dem Naziregime Adolf Hitlers. Mit satirischem Genie hatte er den "Führer" nicht nur der Lächerlichkeit preisgegeben, sondern viel mehr das brutale Wesen des Diktators entlarvt. Nicht zuletzt Chaplins Spiel mit der Weltkugel, die unter den gierigen Blicken des Diktators zerplatzt, ist in die Filmgeschichte eingegangen.
SPIEGEL TV Autor Michael Kloft hat in Zusammenarbeit mit dem britischen Filmhistoriker Kevin Brownlow eine Dokumentation erarbeitet, die kein klassisches "Making of" ist, sondern eine filmische Auseinandersetzung mit zwei der einflussreichsten Männer des 20. Jahrhunderts. Beide haben auf ihre Weise das Bild der vergangenen Epoche geprägt, und doch waren die zwei so unterschiedlichen Leben auf erstaunliche Weise miteinander verknüpft.
Der Geburt nach nur vier Tage auseinander, hatte Hitler gerade seine Wiener
Zeit der Obdachlosenasyle überwunden, als Chaplin 1914 die unsterbliche
Figur des Tramp erfand. Als der Schauspieler 1918 in den USA für die
Zeichnung von Kriegsanleihen warb, erholte sich der Gefreite Hitler von
einer Kriegsverletzung. Der Besuch des Weltstars Chaplin in Berlin 1931
wurde von der Nazi-Presse besonders heftig gegeißelt. Hitler ließ Chaplins
Filme 1933 sofort verbieten.
Im April 1939 schrieb das britische Wochenmagazin "The Spectator" zum 50. Geburtstag der beiden Männer: "Beide spiegeln dieselbe Wirklichkeit wider - die Not des 'kleinen Mannes' in der modernen Gesellschaft. Beide sind Zerrspiegel, der eine zum Guten hin, der andere zum unsagbar Bösen." Die Schlussfolgerung lautet: "Aus dem Tramp ist ein Nazi-Stürmer geworden; nur der Schnurrbart ist der gleiche."
Als der Artikel erschien befand sich Chaplin schon mitten in den Dreharbeiten zu "Der Große Diktator". Für "Der Tramp und der Diktator" haben Kevin Brownlow und Michael Kloft unbegrenzten Zugang zum filmischen und schriftlichen Nachlass Chaplins erhalten. Zeitzeugen berichten von den schwierigen Dreharbeiten in Hollywood und von der Reaktion der Naziführung auf den unerwarteten Erfolg des Films - nicht zuletzt werden in dieser Dokumentation erstmals Ausschnitte aus dem farbigen Amateurfilm von den Dreharbeiten zu Chaplins Meisterwerk gezeigt.
Teil zwei der Dokumentation sehen Sie am:
Montag, den 25. Februar um 23.15 Uhr auf Sat.1
CHARLIE CHAPLIN UND DER FÜHRER

Experte für zeitgeschichtliche Dokumentationen: Michael Kloft
| Der Große Diktator - Daten zu Chaplins Filmklassiker | |
| Jahr: | 1940 |
| Länge: | 127 Minuten |
| Land: | USA |
| Farbe: | schwarz-weiß |
| Tonverfahren: | Mono |
| Format: | 35 mm (1.37:1) |
| Regie: | Charles Chaplin |
| Drehbuch: | Charles Chaplin |
| Kamera: | Roland Totheroh, Karl Struss |
| Schnitt: | Willard Nico |
| Musik: | Charles Chaplin, Meredith Wilson |
| Ton: | Percy Townsend, Glenn Rominger |
| Ausstattung: | J. Russell Spencer |
| Produktion: | Charles Chaplin für United Artists |
| Verleih: | United Artists |
| Premiere in New York: | 15. Oktober 1940 |
| Premiere in Deutschland: | 26. August 1958 |
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