Kurzbiografie Heinz Rühmann (1902-1994)


Riesenerfolg: Im Kinofilm "Der Hauptmann von Köpenick spielt " Rühmann den Schuster Wilhelm Voigt
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Riesenerfolg: Im Kinofilm "Der Hauptmann von Köpenick spielt " Rühmann den Schuster Wilhelm Voigt

1902:

Heinz Wilhelm Hermann Rühmann wird am 7. März um 2.30 Uhr in Essen als Sohn des Hoteliers Hermann Rühmann und dessen Frau Margarethe geboren. Kurz nach der Geburt zieht die Familie nach Wanne, wo der Vater die Führung der Bahnhofsgaststätte übernimmt.

1916: Nach der Scheidung der Eltern begeht der Vater Selbstmord. Die Mutter zieht mit Rühmann, seinem zwei Jahre älteren Bruder Hermann und der 1904 geborenen Schwester Ilse nach München.

1919: Rühmann verlässt nach der Mittleren Reife das Gymnasium und nimmt Schauspielunterricht bei Hofschauspieler Friedrich Basil.

1920: Erste Nebenrollen in den Theaterstücken "Rose Bernd" von Gerhart Hauptmann und "Die Büchse der Pandora" von Frank Wedekind in Breslau

1921/22: Zusammen mit Theo Lingen (1903-1978) spielt Rühmann am Residenztheater Hannover. Am Schauspielhaus Bremen tritt er zum ersten Mal in der Rolle des Billy Bartlett auf - die Rolle aus Avery Hopwoods Komödie "Der Mustergatte" wird er über 2000 Mal in seinem Leben geben

1923: Auf Grund finanzieller Schwierigkeiten während der Inflation schließt das Schauspielhaus Bremen seine Pforten - Rühmann geht zur Bayerischen Landesbühne. Hier lernt er Maria Bernheim kennen, die er am 9. August 1924 heiratet. Hermine Körner holt Rühmann an das Schauspielhaus München.

1925: Er wechselt an die Münchner Kammerspiele unter der Leitung von Otto Falckenberg. Als Komödiant feiert Rühmann erste Theatererfolge.

1926: Filmdebüt in dem Stummfilm "Das deutsche Mutterherz" von Regisseur Geza von Bolvary-Zahn

1927: In dem im Stil der Neuen Sachlichkeit gedrehten Film "Das Mädchen mit den fünf Nullen" spielt Rühmann einen Provinzjüngling. Im Laufe des Jahres geht er zu Max Reinhardt ans Deutsche Theater in Berlin.

1930: Mit "Die Drei von der Tankstelle" gelingt dem Regisseur Wilhelm Thiele ein großer Kinoerfolg - Rühmann erlebt seinen Durchbruch als Filmschauspieler. Mit darauf folgenden Produktionen wie "Einbrecher", "Bomben auf Monte Carlo" oder "Der Mann, der seinen Mörder sucht" wird er zum beliebtesten und bestbezahlten deutschen Filmschauspieler neben Hans Albers. Als Prototyp des Kleinbürgers spielt er in zahlreichen Komödien und Tragikomödien jene leisen und selten wagemutigen Figuren, mit denen sich die Mehrzahl der Zuschauer offenbar identifizieren kann.

1933: Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nimmt Rühmann eine politisch neutrale Haltung ein und versucht, sich mit dem NS-Regime zu arrangieren. Mit "Wenn wir alle Engel wären", "Der Mann, der Sherlock Holmes war" oder "Der Mustergatte" feiert er große Erfolge.

1936 bis 1938: Liebesbeziehung Rühmanns zu der Filmschauspielerin Leny Marenbach

1938: Am 19. November Scheidung von seiner jüdischen Frau Maria Bernheim. Die Trennung vollzieht sich in beiderseitigem Einvernehmen, Maria Herbot geht ins Exil nach Schweden, wo Rühmann sie auch weiterhin finanziell unterstützt. Noch im selben Jahr gibt der Schauspieler sein Regiedebüt mit dem Film "Lauter Lügen". In der Hauptrolle ist Hertha Feiler zu sehen, die er im Juli 1939 heiratet.

Heinz Rühmann war auch privat begeisterter Pilot mit eigenem Flugzeug und offiziellem "Luftfahrerschein für Flugzeugführer"
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Heinz Rühmann war auch privat begeisterter Pilot mit eigenem Flugzeug und offiziellem "Luftfahrerschein für Flugzeugführer"

1941: Im Frühjahr erhält Rühmann seine militärische Grundausbildung im Fliegerhorst Rechlin und wird als Pilot in die Wehrmacht eingezogen. Für Unterhaltungs- und Durchhalte-Filme wie "Quax, der Bruchpilot" wird er jedoch immer wieder vor die Kamera geholt. Für die Wochenschau lässt sich der passionierte Freizeit-Pilot als Kurierflieger auch für NS-Propaganda einspannen.

1942: Geburt des Sohnes Peter am 7. Juni in Berlin.

1944: Die Aufführung des Films "Die Feuerzangenbowle" wird wegen "Respektlosigkeit gegen Autoritäten" von den Nationalsozialisten verboten. Rühmann erreicht bei einem persönlichen Besuch im Führerhauptquartier die Freigabe der Komödie.

1940- 1945: Filme wie "Der Gasmann" (1941), "Hauptsache glücklich" (1941) oder "Die Feuerzangenbowle" (1944) machen Rühmann zu einem der berühmtesten und bestbezahlten Schauspieler des Dritten Reiches.

August 1945: Rühmann wird während der Entnazifizierung als nicht belastet eingestuft, das alliierte Spielverbot wird aufgehoben. Mit dem Stück "Der Mustergatte" begibt er sich auf Theatertournee durch die sowjetische Besatzungszone. Rühmann übersiedelt mit seiner Familie von Berlin nach München.

1947: Er gründet die Filmgesellschaft "Comedia". Produktionen wie "Der Herr vom anderen Stern" oder "Berliner Ballade" sind ambitioniert, bringen aber kein Geld in die Kassen - die "Comedia" muss 1951 Konkurs anmelden. Rühmann hat Millionenschulden.

1953: Mit "Keine Angst vor großen Tieren" gelingt Rühmann ein vielbeachtetes Comeback als Schauspieler. Mit dem Produzenten Kurt Ulrich von der Berolina schließt er einen Exklusiv-Vertrag ab.

1956: Triumphaler Erfolg und der Deutsche Filmpreis für den nach Carl Zuckmayers Tragikkomödie gedrehten Kinofilm "Der Hauptmann von Köpenick". Rühmann spielt den Schuster Wilhelm Voigt.

1957: In den Münchner Kammerspielen überzeugt Rühmann in dem Stück "Warten auf Godot" von Samuel Beckett.

1958 - 1968: Rühmann in anspruchsvollen Rollen: "Es geschah am helllichten Tage", "Der brave Soldat Schwejk" "Der Jugendrichter" und Dr. med. Hiob Prätorius.

1965: An der Seite von Vivien Leigh dreht Rühmann mit "Das Narrenschiff" seinen einzigen Film in Hollywood

1966: Er erhält das Große Bundesverdienstkreuz.

1968: Mit dem Stück "Tod eines Handlungsreisenden" von Arthur Miller beginnt Rühmann seine Arbeit fürs Fernsehen.

1970: Tod der zweiten Frau Hertha Feiler

1972: Rühmann erhält den Bundesfilmpreis.

1974: Heirat mit Hertha Droemer am 9. Oktober

ab 1977: Nach dem Kinofilm "Gefundenes Fressen" zieht sich Rühmann langsam ins Privatleben zurück.

1982: Seine Autobiographie "Das war's" erscheint.

1993: Letzte Kinorolle in dem Film "In weiter Ferne, so nah" von Wim Wenders (geb. 1945).

1994: Heinz Rühmann stirbt 3. Oktober in Aufkirchen am Starnberger See.



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