Die Londoner U-Bahn Tube stories

Geschichten aus der Röhre: "Mind the gap"! Jeden Morgen verwandeln sich 415 Kilometer Stahlgleise in eine quirlige Welt. Morgens um halb sechs beleben sich die Schächte und Bahnsteige von 275 Stationen - die älteste U-Bahn der Welt erwacht.

Sendetermin: Montag, 23.06.2003, 23.15 - 23.55 Uhr, Sat.1

Ab in den Untergrund: die Londoner U-Bahn
DPA

Ab in den Untergrund: die Londoner U-Bahn

Der Londoner Untergrund saugt die Menschen förmlich zu Tausenden ein, um sie ein paar Kilometer weiter wieder aus den Waggons zu spucken. Die stählernen Schienenstränge laufen durch weit verzweigte Betonröhren, die größtenteils noch vor 1918 fertig gestellt wurden und denen die U-Bahn ihren Spitznamen "Tube" (Röhre) verdankt. Pendlerströme bewegen sich Richtung City, Rushhour in der englischen Metropole: Transport im Zwei-Minuten-Takt, täglich steigen 2,8 Millionen Menschen in die Bahn und hoffen, pünktlich anzukommen.

Für viele Londoner ist die Underground ein Ärgernis. Regelmäßig sorgt das 140 Jahre alte Verkehrsmittel für Negativschlagzeilen. Die Tube verfällt. Missmanagement, mangelnde Wartung und veraltete Technik machen die U-Bahn zu einem unzuverlässigen Transportmittel. Ausgefallene Züge und gesperrte Linien sind an der Tagesordnung und verursachen in der Rushhour immer wieder Chaos. So werden oftmals ganze Bahnhöfe geschlossen, weil eine einzige Rolltreppe ihren Dienst verweigert. Tragischer Höhepunkt der Pannenserie: das große Feuer in Kings Cross, 1987, bei dem 31 Menschen umkamen weil es an Notausgängen mangelte. Eine weggeworfene Zigarette setzte eine Holzrolltreppe in Brand. Seitdem herrscht Rauchverbot, und erst nach dieser Katastrophe wurde damit begonnen, alle 408 Holzrolltreppen durch sicherere Modelle aus Stahl und Aluminium zu ersetzen. London Underground - die Verwaltung des Mangels.

Die Zukunft der Tube ist inzwischen längst zum Politikum geworden und füllt die Kommentarspalten der Presse. Während die Öffentlichkeit darüber streitet, wie die U-Bahn vor dem Verfall zu retten ist, rücken jede Nacht Hunderte von Wartungstrupps aus, um das marode System am Laufen zu halten: eine Sisyphusarbeit. Was jahrelang versäumt wurde, kann in Nachtschichten kaum bewältigt werden. Insgesamt sind über 16.500 Menschen nötig, um den Betrieb der U-Bahn zu gewährleisten.

SPIEGEL TV-Autor Mate Spörl drehte mit seinem Team zwei Wochen im Untergrund der englischen Metropole. Er begleitete die schweißtreibende Arbeit von Rolltreppen-Reparaturtrupps und Gleisbauarbeitern in der Nachtschicht, blickte einem der letzten Stellwerker Londons während der Rushhour über die Schulter, besuchte skurrile Theatervorstellungen in längst vergessenen Geisterbahnhöfen, durfte als letzter die fahrerlosen Minizüge der "british mail" filmen, bevor diese ihren Betrieb einstellten, wurde von einem botanikverliebtem Zugführer in die Geheimnisse des "station gardenings" unterwiesen, patrouillierte mit der "London Transport Police" durch soziale Randlagen und erlebte den Kampf der U-Bahn-Musiker gegen das gestrenge Auftrittsverbot in der Tube.


Der schnellste Weg durch London führt durch die "Röhre"
Foto: GMS

Der schnellste Weg durch London führt durch die "Röhre"

UNTERWEGS MIT DER U-BAHN

Vorsicht im Gedränge

Am schnellsten kommt man in der Millionenstadt London mit der U-Bahn vorwärts. Zu den Stoßzeiten kann es allerdings eng werden. Im Gedränge sollten Fahrgäste auf ihre Taschen achten - es wird viel geklaut. Das U-Bahn-Netz der britischen Metropole umfasst elf Linien. Pläne hängen aus, sind aber auch an den Stationen kostenlos erhältlich. Das Netz ist in sechs verschiedene Zonen eingeteilt. Eine Tageskarte kostet - je nach Zonengültigkeit - zwischen 4,10 und 5 britische Pfund.

Das Londoner Fremdenverkehrsamt im Web:
www.visitlondon.com

Informationen zur Geschichte der Londoner Underground, Karten und Tickets gibt es auf der Offiziellen Website:
www.thetube.com


Unfälle sind keine Seltenheit
AP

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UNGLÜCKE

Tödliche Falle

In Untergrund-Bahnen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen - zuletzt im südkoreanischen Daegu im Februar 2003. Ein mutmaßlich psychisch gestörter Mann hatte eine Station in Brand gesetzt. Dabei waren mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen. Brände, Auffahrunfälle oder Giftgas - die Bahn kann zur tödlichen Falle werden. mehr...


Ist die U-Bahn pünktlich, sitzt vielleicht eine Frau am Steuer
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LONDONER U-BAHN

Frauen fahren pünktlicher

Ein Rezept gegen unpünktliche Züge haben Bahnhofsmanager der Londoner U-Bahn entdeckt: Frauen am Steuer.mehr...



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