Exportware Sex Der ukrainische Frauenhandel

Der Skandal in einem Berliner Luxushotel brachte ihr Schicksal schlaglichtartig wieder ins Bewusstsein: Junge ukrainische Prostituierte, billig und willig, hatten deutschen Prominenten das Dasein versüßt - mit Sex und Koks.

Sendetermin: Montag, 01.03.2004, 22.45 - 23.15 Uhr, Sat.1



Prostituierte: Falsche Versprechungen und rohe Gewalt
DPA

Prostituierte: Falsche Versprechungen und rohe Gewalt

Nur einer der Prominenten, Michel Friedmann, stolperte über diese Affäre und verlor Job, Ämter und Glaubwürdigkeit. Neben der Empörung über Sex- und Drogensucht bekam auch das Schicksal der Frauen mediale Gestalt. Von Schlepperbanden wurde berichtet, von falschen Versprechungen und roher Gewalt.

Doch längst nicht alle Frauen, die im Westen als Prostituierte arbeiten, sind gegen ihren Willen hier oder haben nicht gewusst, worauf sie sich einlassen. In der Ukraine ist die Prostitution für junge Frauen notgedrungen zum fast gängigen Mittel geworden, um der Armut zu entrinnen. Das stellte SPIEGEL TV-Autorin Anna Sadovnikova fest, die mehrere Wochen in der ehemaligen Sowjet-Republik recherchierte. Sie traf Frauen, die sich prostituierten, um der tauben Mutter das dringend nötige Hörgerät zu finanzieren; Frauen, die ihren Körper verkauften, um sich die lebensrettende Krebsoperation leisten zu können; Frauen, die beinahe alles tun würden, um der Ukraine den Rücken kehren zu können. Sie beobachtete Polizisten bei ihrem aussichtslosen Kampf gegen die grassierende Prostitution, auch im Innern des Landes und sprach mit den Menschenhändlern, die bereitwillig ihre Praktiken schilderten.

Einschlägige Mafia am Werk

Der Handel mit der Ware Mensch ist straff organisiert. Die einschlägige Mafia spricht junge Frauen an, ermutigt sie zu Nacktaufnahmen und kommt so zu einer Art Video-Katalog, den man den Kunden im Westen vorführen kann. Bei Gefallen wird den Mädchen ein Engagement in Nachtclubs oder Bars angeboten - und jeder weiß, was das bedeutet. Anderen offeriert man Verträge, in denen ganz offen die Berufsbezeichnung "Prostituierte" genannt wird. Auch Honorar und Einsatzort sind in diesen - SPIEGEL TV vorliegenden - Papieren fest gehalten.

Über Tschechien schleust man die Frauen dann nach Österreich und von dort aus weiter in diverse westliche Länder bis hin nach Zypern. 106 Fälle von organisiertem Frauenhandel konnte die ukrainische Polizei allein im vergangenen Jahr aufdecken - das ist trotz alleim nur einen Bruchteil der tatsächlich abgewickelten Geschäfte. Schon jetzt stammen sieben Prozent aller Prostituierten weltweit aus dem Land zwischen Karpaten und Schwarzem Meer.


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