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Das Hamburger Schanzenviertel: Überleben in der Partyzone

Die Hamburger "Schanze" - Szeneviertel, Shoppingmeile, Party-Hotspot. Wer dort lebt, gilt automatisch als cool. Die Generation der Hipster hat den Stadtteil im Zentrum der Hansestadt erobert und das Leben dort grundlegend verändert.

Sendetermin: Donnerstag, 15.01.2015, 00.15 - 00.45 Uhr, Sat.1

Verdrängt wurden all jene, die sich den angesagten Lebensstil nicht mehr leisten können und die Ballermanisierung vor der Haustür nicht mehr aushalten. Selbst alteingesessenen Kneipenbesitzern wird es zu teuer. Eines der jüngsten Opfer des Wandels: Gerrit Lerch, viele Jahre erfolgsverwöhnter Szenegastronom gibt seine beiden Bars am Schulterblatt auf. "Mein Vermieter freut sich jetzt, dass er Kasse machen kann. Dabei haben wir mit unseren Angeboten erst dafür gesorgt, dass das Viertel attraktiver wird", sagt er.

Wer bleibt, wehrt sich auf seine Art: Mit Flugblättern oder mit Steinwürfen in Schaufensterscheiben. Das Viertel, ein Musterbeispiel für Gentrifizierung, wie sie in vielen Großstädten zu beobachten ist: schicke Lofts für 20 Euro Miete pro Quadratmeter neben abgewetzten Altbauwohnungen für 6 Euro kalt. Hippe Büroräume für junge Start-up-Unternehmer neben Uralt-Werkstätten zum Messerschleifen. Und bei Nacht werden die Bürgersteige vor den Bars zur Partyzone. Mittendrin: die "Rote Flora". Das autonome Kulturzentrum steht auch heute, 25 Jahre nach der Besetzung, immer noch für einen letzten Rest Anarchie.

Direkt vor der Haustür kommt es immer wieder zu Straßenschlachten mit der Polizei, jüngst wurde das Viertel deshalb sogar zur Gefahrenzone erklärt. Belästigt fühlen sich die Anwohner in der "Schanze" allerdings hauptsächlich von Touristen und Partygängern. Und sie werden auch gern mal laut, wenn es ihnen zu laut wird. "Die Leute denken wohl, hier ist Disneyland, das irgendwann abgeschlossen wird. Dass hier Menschen leben, scheinen sie zu vergessen", so Henning Brauer vom Anwohnerverein "Standpunkt Schanze".

Anneliese Springborn (84) lebt seit 57 Jahren mittendrin. Heute erkennt die Rentnerin ihren Kiez nicht wieder: "Die Alten sind alle weggezogen, jetzt ist hier nur noch junges Volk". Die Linksaktivisten nennt sie Chaoten und die Kritzeleien an den Häuserwänden - für manchen Graffiti-Kunst oder Street Art - sind für sie schlicht Sachbeschädigung.

SPIEGEL-TV-Autorin Beate Schwarz über einen Stadtteil im Wandel.

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