Zeugen des Untergangs: Die verschollenen Interviews von 1948

Michael A. Musmanno arbeitete nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als amerikanischer Richter bei den Nürnberger Prozessen gegen deutsche Kriegsverbrecher. Doch den hochrangigen Offizier ließ während seiner dreijährigen Zeit in Deutschland eine Frage nicht mehr los: der Verbleib von Adolf Hitler.

Sendetermin: Montag, 29.04.2013, 23.00 - 23.30 Uhr, Sat.1

Die Todesumstände waren nur unvollständig aufgeklärt worden und der Eiserne Vorhang, der sich zwischen die aufstrebenden Supermächte gelegt hatte, machte weitere Ermittlungen unmöglich. Schon kursierten zahlreiche Gerüchte, der Diktator habe überlebt und sich absetzen können.

Musmanno wollte nicht hinnehmen, dass die Menschheit über den Tod des Tyrannen nicht aufgeklärt würde, und begann auf eigene Faust zu ermitteln. Er studierte Tausende Dokumente und suchte und fand beinahe hundert Zeitzeugen, die Hitler nahe gestanden oder in den letzten Tagen vor seinem Selbstmord bei ihm gewesen waren. Ihre Berichte waren geprägt vom eben erst Erlebten und unverfälscht durch angelesenes Wissen.

Musmannos Fazit war klar, eindeutig und geeignet, jeden Zweifel über den Selbstmord des Diktators zu zerstreuen; die Erkenntnisse und Quellen des amerikanischen Richters bilden bis heute die Grundlage jeder Arbeit über Hitlers Untergang.

Alle verfügbaren Augenzeugen von Hitlers letzten Tagen wurden befragt

Zum Abschluss seines Aufenthaltes in Deutschland rief Musmanno dann noch einmal alle wichtigen Zeugen zusammen. Vor der Kamera ließ er zwanzig von ihnen ihre Aussagen wiederholen. Eva Brauns Schwester Ilse wurde interviewt, der ehemalige Reichsjugendführer Arthur Axmann, Hitlers Sekretärin Traudl Junge, der Zahnarzt des Diktators, die Haushälterin, der Fahrer, die Leibwächter - alle verfügbaren Augenzeugen von Hitlers letzten Tagen.

Nach seiner Rückkehr in die USA veröffentlichte Musmanno die Ergebnisse seiner Recherchen in dem Buch "Ten Days To Die", das ein Welterfolg wurde. Die Filme allerdings hielt er unter Verschluss.

Nach seinem Tod 1968 schienen diese außergewöhnlichen filmischen Quellen für immer verloren zu sein. Erst über 60 Jahre nach ihrer Entstehung gelang es nach aufwändigen Recherchen, die "Musmanno-Interviews" wiederzufinden. Mit Einverständnis der Erben von Michael A. Musmanno können sie in dieser Reportage von SPIEGEL-TV-Autor Michael Kloft Film zum ersten Mal gezeigt werden.

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