Europa am Abgrund (3): Spanien: Reise durch ein fremdes Land

Europas Süden steckt tief in den Schulden. Die Krise ist seit Monaten Dauerthema in den Konferenzsälen der Mächtigen. Auf den Straßen in Griechenland, Italien und Spanien entlädt sich die Wut der kleinen Leute. In den Wohnzimmern der Menschen und in den Betrieben wächst die Sorge um die eigene Existenz.

Sendetermin: Montag, 21.01.2013, 23.00 - 23.30 Uhr, Sat.1

Wer trägt die Verantwortung für Schulden, Arbeitslosigkeit, Korruption und Chaos? Was nützen die Reformen? Wie geht es den Menschen in der Stadt und auf dem Land? Gibt es noch Hoffnung?

Fragen, die sich wie ein roter Faden durch die ersten drei Folgen der SPIEGEL TV Reportage im Jahr 2013 ziehen. Exklusiv für SPIEGEL TV sind Emigranten aus Griechenland, Italien und Spanien, die schon lange in Deutschland leben, zurückgekehrt in ihre alte Heimat.

Sie schildern die Krise aus der Perspektive der Betroffenen. Es ist ein trauriger Weltrekord: Nirgendwo sonst auf der Erde ist die Arbeitslosenquote höher als in Spanien. Jeder vierte Spanier hat derzeit keinen Job. Noch schlimmer ist die Lage unter jungen Leuten: 53 Prozent der unter 24-Jährigen sind arbeitslos.

Die spanische Schuldenlast: Unvorstellbar. Mehr als eine Billion Staatsschulden, dazu viele hundert Milliarden faule Kredite bei den Banken. Der Schuldenberg droht sein eigenes Volk zu erdrücken. Und hinter den Zahlen: Menschen. Schicksale. Geschichten von Größenwahn und verlorenen Illusionen. SPIEGEL-Autor Juan Moreno, in Spanien geboren, in Deutschland aufgewachsen, erzählt ein paar von diesen Geschichten. Morenos Eltern, Bauern aus Andalusien, waren in den Siebzigern nach Deutschland gekommen, sein Vater hatte Arbeit gefunden in einer Reifenfabrik in Hanau. Seine Familie gehörte zu der Gastarbeiterkarawane, die jeden Sommer mit dem vollgepackten Opel in die Heimat fuhr. Erst durch Frankreich, dann entlang am Mittelmeer bis ins Dorf der Eltern. Auf dem Rücksitz zwischen Koffern und Geschwistern: Juan Moreno.

Heute ist Moreno Journalist, Autor beim SPIEGEL, und er hat die Reise von damals noch einmal unternommen, auf der Suche nach den Ursachen für die Krise. SPIEGEL-TV-Autor Ralph Quinke begleitete Moreno auf seiner Tour durch ein Land, das ihm fremd geworden ist.

Albträume aus Beton

Zwischen Barcelona und dem Dorf seiner Eltern in der Provinz Almeria trifft der Reporter Familienväter, die aus purer Not zu Hausbesetzern wurden, weil sie ihre Wohnung verloren haben. Die die Kredite nicht mehr bedienen konnten, nachdem ihnen der Job gekündigt worden war. Vor einer Kirche in der Innenstadt von Valencia begegnet Moreno Spaniern, für die es um das buchstäblich letzte Hemd geht. Kleiderspenden sind derzeit ebenso begehrt wie kostenlose Essensrationen der Kirche. Die Zahl derer, die für eine warme Mahlzeit Schlange stehen, wächst von Tag zu Tag. Es ist der ehemalige Mittelstand, der jetzt an den unteren Rand der Gesellschaft gerutscht ist.

Offensichtlich allerorten: Der Größenwahn raffgieriger Provinzpolitiker, die Geld verschleuderten, das sie nie hatten, die nur sich selbst bereicherten und das Land in die Pleite führten. Fassungslos streift Moreno durch Albträume aus Beton, Geisterstädte, errichtet für Heerscharen betuchter Touristen, die nie kamen. Er besucht einen Flughafen, 150 Millionen Euro teuer, auf dem noch nie ein Flugzeug gestartet oder gelandet ist.

Spanien, heute ein Land am Rande des Abgrunds - und morgen einen Schritt weiter?

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