SPIEGEL-TV-Autor Michael Kloft
Die Frage nach einem passenden Beitrag zum 50. Jahrestag des Kriegsendes brachten den Dokumentarfilmer und seine Kollegen von SPIEGEL TV auf die Idee, bisher nicht gesendetes amerikanisches Farbfilmmaterial über den Zweiten Weltkrieg zu veröffentlichen. Es entstand der 1996 für den Adolf-Grimme-Preis nominierte Zweiteiler "Welche Farbe hat der Krieg - Deutschland 1945".
Auf Grund des großen Erfolges beschloss man, das umfangreiche Recherchematerial zum Thema für weitere Produktionen zu nutzen. In "Hollywood und der Krieg - wie Starregisseur John Ford den D-Day drehte" wurde 1998 zum ersten Mal Farbmaterial von der Invasion 1944 gezeigt. Auch für das "Dritte Reich in Farbe" (1999) konnte weitgehend unveröffentlichtes Material erschlossen werden.
Reportagen wie "Schuld und Sühne des Albert Speer" (1996) oder "Hitler in Wien - Lehrjahre eines Diktators" (1997) fesselten ein Millionenpublikum und haben bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Aufsehen erregte Klofts Dokumentation "Hitlers Hehler" - der Bericht über "Die Schweizer Banken und das Nazigold" war den Juroren beim New York Festival 1998 eine Bronzemedaille wert.
Klofts beharrliche, über fünf Jahre währende Recherche führte ihn in ausgesuchte Filmarchive rund um die Welt. In Deutschland, England, Amerika und Russland bekam er Kontakt zu Privatsammlern und damit Zugang zu bisher unveröffentlichten Amateurfilm-Aufnahmen. Die Ausbeute kann sich sehen lassen: Seine Collagen nazi-deutscher Alltags- und Kriegsszenen befremden und irritieren durch ihre ungewohnte Vielfarbigkeit. Wenn barbusige Walküren hochkonzentriert dem drohenden Absturz vom Umzugswagen trotzen oder Reichsorganisationsleiter Ley unbeholfen in die Kamera schielt, kann die Betroffenheit des Zuschauers durchaus in ein Lachen kippen.
Nichts erinnert in diesen Szenen an die heroische Überzeichnung der "Herrenmenschen", wie man sie aus Propagandafilmen, Wochenschauen oder den pathetischen Inszenierungen Leni Riefenstahls kennt. Die Farbaufnahmen rütteln zudem an bequemen Wahrnehmungsmechanismen: Stets hatte das historisierende Schwarz-Weiß auf Film und Foto zu jener fragwürdigen Distanz beigetragen, die Geschichte von Gegenwart, damals von heute und die Mitmacher von den "Nichtwissern" trennte. Michael Kloft ist es zu verdanken, dass der Zuschauer nun über einen - jedenfalls visuell - unmittelbareren Zugang zu der bisweilen gespenstischen Normalität des NS-Regimes verfügt.
Auch im nächsten Jahr wird Michael Kloft für SPIEGEL TV unterwegs sein: Bereits geplant sind ein Beitrag über Charlie Chaplin und Hitler sowie eine Reportage über die Strafvollzugsanstalt Moabit in Berlin-Tiergarten - eines der ersten deutschen Zellengefängnisse, das seit seiner Fertigstellung im Jahr 1849 viele "Besucher" gesehen hat und damit zu einem Stück Zeitgeschichte geworden ist.
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