Die Kinder von St. Petersburg
Auf die Straße geprügelt
Zunehmende Gewalttätigkeit in russischen Familien führt zu einem wachsenden Heer obdachloser Kinder. Allein in St. Petersburg sollen es Zehntausende sein. Sie hausen in düsteren Kellern, von Bevölkerung und Öffentlichkeit weitgehend ignoriert.
AP
Russisches Straßenkind: Schnüffeln gegen Hunger, Kälte und Angst
Durchschnittlich einmal pro Woche werden in das St. Petersburger Krankenhaus "Dr. Rauchfuß" - benannt nach seinem Gründer, einem deutschen Arzt - minderjährige Patienten mit schwerer Gehirnerschütterung eingeliefert, Opfer von Misshandlungen in der eigenen Familie.
Fast immer besteht die erste Reaktion der Kinder aus Hass auf den eigenen Vater, so auch bei der sechsjährigen Marina: "Ich werde ihn umbringen" sagt das Mädchen in die Kamera. Doch die Kräfte der meisten von ihren Eltern geprügelten Kinder reichen gerade noch aus, dem verhassten Zuhause so schnell wie möglich zu entfliehen. Weit weg, wo die elterliche Gewalt sie nicht mehr erreicht. So produziert die steigende Gewalttätigkeit in russischen Familien eine immer größer werdende Zahl von Straßenkindern im ganzen Land. Laut Schätzungen des Innenministeriums leben zurzeit eine Million Minderjährige auf der Strasse, fast ein Drittel davon in St. Petersburg.
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Leben im Untergrund: Düstere Keller dienen den Straßenkindern als Unterschlupf
Russlands Präsident Putin hat zwar beteuert, sich des Problems anzunehmen, konnte aber auch keine konkreten Lösungen anbieten. Und so versucht jede Institution in der Heimatstadt des Präsidenten auf ihre Weise, das Heer der kleinen Obdachlosen einzudämmen: Die Polizei wie eh und je mit Razzien und so genannten Säuberungen, die amerikanische Hilfsorganisation "Doctors of the World" mit öffentlichen Waschanlagen und die betroffenen Kinder mit geheimgehaltenen Verstecken in düsteren Kellern am Rande der Metropole.
SPIEGEL-TV-Autorin Anna Sadovnikova hat die Strassenkinder von St. Petersburg beobachtet, war in Krankenhäusern und illegalen Notunterkünften und musste feststellen: Bevölkerung und Öffentlichkeit möchten das Schicksal der kleinen Obdachlosen am liebsten ignorieren, die Kinder werden weitgehend sich selbst überlassen.
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