Elitetruppe: Die israelischen Fallschirmjäger

Berühmt wurden sie durch die Eroberung der Jerusalemer Altstadt im Sechs-Tage-Krieg und die Geiselbefreiung von Entebbe. Die israelischen Fallschirmjäger kommen immer dann zum Einsatz, wenn schnelles Durchgreifen notwendig scheint.

Seit seiner Gründung 1948 muss sich der Staat Israel gegen die ihn umgebenden arabischen Staaten behaupten. Die Landesverteidigung ist erste Bürgerpflicht. Jeder Israeli - egal ob männlich oder weiblich - wird mit dem 18 Lebensjahr zum Wehrdienst eingezogen, Ersatzdienst gibt es nicht. Nicht gedient zu haben, gilt als ein schwerwiegendes Hindernis auch für die zivile Karriere.

Zu erkennen am roten Barett: Fallschirmjäger der israelischen Armee
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Zu erkennen am roten Barett: Fallschirmjäger der israelischen Armee

Im Sammellager der Wehrpflichtigen haben die Rekruten die Wahl, in welcher Waffengattung sie dienen wollen. Die Fallschirmjäger (hebr. Tzanhanim) gelten als Elitetruppe, vor ihrem Zelt ist die Schlange der Bewerber stets am längsten. Für die meisten kommt jedoch schon nach einem vierstündigem körperlichen Test und einem psychologischen Gespräch die Ernüchterung - sie müssen sich einen anderen Posten suchen, etwa bei der Infanterie, der Panzertruppe oder gar als wenig angesehener "Jobnik" hinterm Schreibtisch.

Für die wenigen Auserwählten beginnt eine extrem harte Ausbildung. Sie beginnt mit dem fünfmonatigen Infanterie-Basistraining. Der Tagesablauf ist immer gleich: fünf Uhr Wecken, Morgen-Inspektion, Marschtraining, Unterricht an den Waffen, Abend-Inspektion. Geschlafen wird nur noch im Zelt. Freizeit gibt es nicht mehr.

Die täglichen Ausdauermärsche beginnen mit zehn Kilometern in voller Montur. Als Höhepunkte folgen der 60-Kilometer-Verfolgungsmarsch, der 80-Kilomenter-Marsch "Rotes Barett" und der 100-Kilometer-Abschlussmarsch, der nach mehr als 20 Stunden ununterbrochenem schnellen Marschieren an der Klagemauer in Jerusalem endet.

Neben der intensiven Ausbildung an den verschiedensten Waffensystemen erhalten die Rekruten 60 Stunden medizinischen Unterricht. Anders als etwa bei den US-Marines kommt die Ausbildung ohne Erniedrigungen aus. Die berüchtigten Drill Instructor der amerikanischen Armee gibt es nicht. Der permanente Ausnahmezustand in Israel sorgt bei den Soldaten für eine enorme Motivation. Bei der israelischen Armee wird wenig Zeit fürs Stiefelpolieren oder für prunkvolle Paraden verwandt. Die ständige Bedrohung durch die Nachbarn und die Palästinenser zwingt zur Konzentration auf das militärisch Notwendige.

Ausdauermarsch durch die Wüste
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Ausdauermarsch durch die Wüste

Auf die Infanterie-Basisausbildung folgt eine einmonatige Fallschirmsprungausbildung in Tel Nof. Geübt wird auf dem fast 12 Meter hohen Sprungturm "Eichmann" - er hat die Form eines Galgens. Nach sieben Sprüngen aus dem Flugzeug, davon einem bei Nacht, erhalten die Rekruten die begehrten silbernen Fallschirmjägerabzeichen und das rote Barett - die sechsmonatige Ausbildung ist abgeschlossen. Es folgen zweieinhalb Jahre Dienst an den Brennpunkten des Nahost-Konflikts.

Die Kampfweise der Fallschirmjäger ist infanteristisch. Mit Mannschaftstransportpanzern oder Hubschraubern geht es an den Einsatzort. Der letzte Luftlandung mit Fallschirmen fand 1956 statt, durch die Hubschrauber sind sie überflüssig geworden. Für das Selbstverständnis der Truppe ist die Fallschirmausbildung jedoch nach wie vor von großer Bedeutung. Sie ist es, die die Fallschirmjäger von den Elitesoldaten des Heeres unterscheidet.

Nach der Ableistung der Wehrpflicht folgt der Reservedienst. Der Reservist unterscheidet sich vom aktiven Soldaten eigentlich nur dadurch, dass er im Jahr zehn bis 11 Monate Urlaub hat. Die Reservedienstzeit endet bei Männern im Alter von 55 Jahren, bei Frauen mit 35 Jahren.

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