Chronik: Die Geschichte der französischen Fremdenlegion

Für Heimatlose, Entwurzelte oder Kriminelle gilt das Motto der Fremdenlegion ebenso wie für unschuldige Abenteurer und überzeugte Frankophile: "Legio Patria nostra". In ihrer bewegten Geschichte hat die "neue Heimat" den Söldnern allerdings stets eine Menge abverlangt.

Eckard Michels hat sich mit Mythen und Realitäten des Söldner-Daseins auseinandergesetzt: "Deutsche in der Fremdenlegion 1870-1965" ist 1999 im Verlag F. Schöningh erschienen

Eckard Michels hat sich mit Mythen und Realitäten des Söldner-Daseins auseinandergesetzt: "Deutsche in der Fremdenlegion 1870-1965" ist 1999 im Verlag F. Schöningh erschienen

10. März 1831:

Louis Philippe, "König der Franzosen", ruft die "Légion étrangère" ins Leben. Die militärische Spezialeinheit soll vor allem der Durchsetzung französischer Interessen in Afrika und Asien dienen. Rekrutiert werden ausschließlich Freiwillige im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Die Legion nimmt am Eroberungsfeldzug in Algerien teil und gerät 1835 unter spanische Kontrolle.

1855:
Im Krim-Krieg erobern Franzosen und Briten Sewastopol und bringen damit die russische Vormachtstellung in Europa zu Fall. Die Söldner der neu gegründeten Legion kämpfen auf Seiten der "Grande Nation".

1863:
Auch in Mexiko, das seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber Spanien, Großbritannien und Frankreich nicht nachkam und daraufhin von den Kolonialmächten angegriffen wurde, kämpfen die Legionäre. Während sich Spanier und Briten nach einer Weile aus dem Land zurückziehen, dringen die Franzosen bis in die Hauptstadt Mexiko City vor, wo Napoléon III das mexikanische Kaiserreich proklamiert und den österreichischen Erzherzog Maximilian von Habsburg (Bruder von Kaiser Franz Joseph I.) zum Kaiser ernennt. Am 30. April verteidigen drei Offiziere und 66 Legionäre die Hacienda Camerone in der Nähe von Puebla gegen 2000 Mexikaner. Nur fünf Soldaten überleben die Auseinandersetzung, der ungleiche Kampf bis zum bitteren Ende wird zur Symbol-Schlacht für ganze Generationen von Söldnern.

1870:
Seit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 stellen die Deutschen die Mehrzahl der Söldner und kämpfen auch gegen die eigenen Landsleute. Zwischen 1871 und 1914 treten rund 38.000 Deutsche in die Legion ein.

1914 - 1918:
Nach schweren Verlusten im Ersten Weltkrieg werden die aufgelösten Regimenter zu einem "Regiment de Marche" vereint, das von dem berühmten Colonel Rollets, dem "Vater der Legion", angeführt wird. Deutsche Fremdenlegionäre kämpfen jetzt vor allem in Indochina und Nordafrika – ihr Einsatz in Europa wird bewusst vermieden.

1939 - 1945:
Das 13. Bataillon nimmt an der Invasion britischer, französischer und exilpolnischer Verbände auf das von den Deutschen besetzte Narvik (Norwegen) teil. Nach Frankreichs Niederlage gegen Deutschland 1940 treten viele Legionäre in die Armee des "Freien Frankreich" von General Charles de Gaulle ein. Nach dem Waffenstillstand übernimmt die Wehrmacht etwa 2000 deutsche Fremdenlegionäre in das Infanterie-Regiment 361, das in Nordafrika zur Bekämpfung der britischen 8. Armee eingesetzt wurden. Auf der Gegenseite kämpfte die 13. so genannte Halb-Brigade, ein Bataillon, das zur ersten Kerntruppe der freifranzösischen Streitkräfte gehörte.

Die heldenhafte Verteidigung von Bir Hakeim in Libyen (1942) bringt der Legion Ruhm ein. Nach der alliierten Invasion wird die Fremdenlegion neu organisiert: Drei Regimenter kämpften in Tunesien, drei weitere gehörten zur französischen 1. Armee (de Lattre de Tassigny), die später bis an den Rhein und an die Alpen vorstößt. Die Fremdenlegion verzeichnet insgesamt 9071 Gefallene und Vermisste für die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Ab 1945:
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg melden sich viele deutsche Kriegsveteranen zum freiwilligen Dienst in der Legion. Nachdem ihr Anteil auf fast 70 Prozent angewachsen ist, reduziert man die Zahl der Deutschen auf ein Viertel. Die Legion wird umorganisiert und in Französisch-Indochina, Korea, Algerien, Französisch-Westafrika und Nordafrika eingesetzt. Seit Beginn des Indochina-Kriegs 1945 sind die Regimenter der Legion vor Ort und müssen Verluste vor allem bei Phu Tong Hoa und Dien Bien Phu hinnehmen.

1954 - 1962:
Die Legion kämpft auf Seiten der französischen Besatzungsmacht im Unabhängigkeitskrieg von Algerien. Zunächst nur zu Sicherheitszwecken vor Ort, beteiligen sich die Söldner bald aktiv am Kriegsgeschehen: Die Legion sendet Interventionstruppen aus, nimmt an Großoperationen teil und kümmert sich um die Grenzverteidigung.

Ab 1962:
Die Einheiten der Fremdenlegion sind in Südfrankreich, Korsika, Djibouti, Madagaskar, Tahiti und Französisch-Guyana stationiert.

Seit Gründung der Fremdenlegion im Jahre 1831 lassen insgesamt 902 Offiziere, 3176 Unteroffiziere und über 30.000 Legionäre ihr Leben – für Frankreich.

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