Studentische Fluchthilfe nach dem Mauerbau "Unternehmen Reisebüro"

Operation "Rose": In den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 beginnen Einheiten der Volks- und Bereitschaftspolizei damit, an den Berliner Grenzübergängen das Straßenpflaster aufzureißen.

Sendetermin: Samstag, 09.03.2002, 22.05 - 00.10 Uhr, VOX


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Der "antiimperialistische Schutzwall" vor dem Brandenburger Tor in Berlin
DPA

Der "antiimperialistische Schutzwall" vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Zusammen mit NVA und Kampfgruppen der DDR ziehen die Spezialeinheiten Gräben, errichten Barrikaden und riegeln mit Stacheldrahtverhauen die Sektorengrenze ab. Der Grund: Seit 1949 hatten sich bereits 2.850.538 Bewohner der DDR in den Westen abgesetzt. Etwa die Hälfte aller Flüchtlinge kam über Berlin. Dieser Weg war nun versperrt.

Als direkte Reaktion auf den Mauerbau gründeten Westberliner Studenten am Abend des 13. August im internationalen Studentenheim Eichkamp das so genannte Unternehmen Reisebüro. Es war die erste und eine der effektivsten Fluchthilfegruppen der sechziger Jahre. Zu ihren aktivsten Mitgliedern gehörten unter anderen Detlef Girrmann, Harald Spitzner, Bodo Köhler, Burkhart Veigel und Joachim Neumann. Dieter Thieme koordinierte die Aktivitäten der Gruppe in der Gebührenerlassstelle der Freien Universität.


Tödliches Bollwerk: Die Grenzanlagen in Berlin
DER SPIEGEL

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Die Geschichte der studentischen Fluchthilfe ist bis heute ungeschrieben. Für den Osten galten die engagierten jungen Leute als feindliche Terroristen, im Westen wurden ihre Aktionen, da teilweise jenseits der Legalität, als suspekt angesehen. Neben der Organisation von Protestdemonstrationen, Sprengstoffanschlägen auf die Grenzanlagen oder der Störung des S-Bahn-Verkehrs konzentrierten sich die Studenten auf die Durchführung von Fluchten und so genannten Schleusungen.

Während die Befestigungen an der Sektorengrenze immer weiter ausgebaut wurden, glückten Fluchtvorhaben nur noch mit List und Todesmut ? und durch die Unterstützung aus dem westlichen Ausland. Einige Flüchtlinge entkamen in selbst geschneiderten sowjetischen oder amerikanischen Phantasieuniformen, mit gefälschten Pässen, andere ließen sich unter Autos festbinden, hangelten sich an Starkstromleitungen über Stacheldraht oder durchwateten die Abwässerkanäle. Einige dieser unterirdischen Fluchtwege in der Kanalisation wurden regelrecht markiert, wie zum Beispiel die "Glockengasse 4711".


Ende September grub das "Unternehmen Reisebüro" den ersten Fluchttunnel. Er war 25 Meter lang und endete unter der Grabplatte eines Ostberliner Friedhofes. Die Anlage wurde zeitweilig zum bestgepflegten Einzelgrab in ganz Berlin. Dreiundzwanzig Menschen gelang innerhalb von 14 Tagen auf diese Art und Weise die Flucht.

Insgesamt verhalf das Unternehmen Reisebüro in den ersten sieben Monaten nach dem Bau der Mauer über 5000 Menschen zur Flucht. In den Jahren 1963/64 zogen sich die Aktivisten der ersten Stunde auf Grund der zunehmenden Kommerzialisierung der Fluchthilfe aus dem Geschäft zurück und bauten sich bürgerliche Existenzen auf. Über ihr damaliges Tun haben sie bis jetzt geschwiegen.

Für die geplante Dokumentation ist es gelungen, einige der damals bekanntesten Protagonisten dazu zu bewegen, von ihren Erlebnissen zu berichten. Darüber hinaus brachten intensive Recherchen bislang unveröffentlichte Amateurfilmaufnahmen ans Licht, welche die Aktivitäten des "Unternehmen Reisebüro" eindrucksvoll dokumentieren.







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