Schlepperballett: Kaiserwalzer der Kolosse

Zu den Höhepunkten des Hamburger Hafengeburtstages zählt das traditionelle Schlepperballett von Klaus Petersen. Ein letztes Mal ließ der Kapitän die Schiffe im Hafen tanzen. Sein Nachfolger heißt auch Petersen - verwandt sind sie aber nicht.

Tanz auf der Elbe: Ein halbes Dutzed Schlepper zeigten sich musikalisch
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Tanz auf der Elbe: Ein halbes Dutzed Schlepper zeigten sich musikalisch

Hamburg - In diesem Jahr war Dietrich Petersen noch der stille Beobachter neben dem Meister und Erfinder des Schlepperballetts. Denn von dem Kommandostand über den Landungsbrücken dirigierte Klaus Petersen ein letztes Mal die schwimmenden Tänzer beim Hamburger Hafengeburtstag. Der 80-Jährige gab seine Abschiedsvorstellung.

Zu ungarischer Geigenmusik und einem Wiener Walzer nach Johann Strauß drehten, rollten und stampften die PS-starken Schiffe im Hafen nach seinem Kommando. Mit voller Kraft pflügten sich die Schlepper durch das Wasser, so dass die Zuschauer in der ersten Reihe auf der Hafenpromenade nasse Füße bekamen. Eine Stunde dauerte die Tanzvorführung der Kolosse. Die Choreographie hatte Klaus Petersen wie jedes Jahr vorher in Form von Linien und Mustern auf Papier gezeichnet, damit die Schlepperkapitäne jede Bewegung später direkt vor Augen haben.

Seit 22 Jahren begeistert Kapitän Klaus Petersen mit seinem Schlepperballett die Besucher des Hamburger Hafengeburtstags. Die Idee entstand Ende der 70er Jahre. Als ihn Mitarbeiter einer Werft fragten, wie sie die Wendigkeit ihrer Schlepper einem großen Publikum demonstrieren könnten, war eine neue Tanzform geboren. "Ich meinte schon immer, dass es wie ein Ballett aussieht, wenn Schlepper ein großes Schiff manövrieren", sagt Klaus Petersen. Nachdem die Werft unter Petersens Leitung die Schlepper tanzen ließ, konnten 1980 auch die Besucher des Hafengeburtstages die Wendigkeit der Hamburger Hafenschlepper bestaunen. Seitdem hat Petersen immer weiter an der Choreografie gefeilt. Das Schlepperballett wurde zum Highlight des maritimen Volksfestes.

Sein Nachfolger Dietrich Petersen und Klaus Petersen sind weder verschwägert, noch verwandt, obwohl sie den gleichen Namen haben. Dafür sind sie alte Bekannte. Klaus Petersen war es, der einst als Ältermann der Hamburger Lotsenbrüderschaft den neuen Lotsen Dietrich Petersen einstellte. Auch nach Klaus Petersens Pensionierung riss der Kontakt zwischen den beiden nie ab. So lag es nahe, dass die Wahl auf den 56-jährigen Petersen fiel, als der ältere Namensvetter einen Nachfolger suchte. "Ich wollte, dass es jemand macht, den ich kenne, der zuverlässig und solide ist", erklärt Klaus Petersen. Denn obwohl ein Schlepperballett elegant und spielerisch aussieht, gehört einiges an Aufmerksamkeit und Können dazu, die zum Teil mehr als 1000 PS starken Kolosse fehlerfrei zu dirigieren. Dass Dietrich Petersen neben seiner Erfahrung als Lotse auch noch ein Ohr für Musik hat, kann dabei natürlich nicht schaden. Seit gut fünf Jahren singt er zusammen mit 27 weiteren Kapitänen im Lotsenchor "Shantys“. Sein musikalisches Hobby wird sich möglicherweise auch in seiner neuen Aufgabe niederschlagen. "Vielleicht tanzt das Ballett später auch mal zu Shantys. Ein Stück wie "Rolling Home“ würde doch gut passen, wenn die Schlepper dazu rollen und schaukeln", sagt der neue Ballettmeister.

Eva Bahner

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