Gesunken vor Kap Hoorn Das Rätsel der "Monte Cervantes"

Die "Titanic Südamerikas", wie der Hamburger Luxusliner in Argentinien genannt wird, erlebt 1930 mit über 1447 Menschen an Bord eine der rätselhaftesten Schiffskatastrophen des letzten Jahrhunderts.

Sendetermin: Samstag, 19.10.2002, 22.20 - 23.05 Uhr, VOX

Größter Schiffsfriedhof der Welt: die Region um das Kap Hoorn
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Größter Schiffsfriedhof der Welt: die Region um das Kap Hoorn

Das Wrack liegt in 115 Metern Tiefe im eisigen Wasser des größten Schiffsfriedhofs der Welt - in der Region Kap Hoorn. Gefährliche Strömungen und ständig wechselnde Winde sorgen für Wellen bis zu 15 Meter Höhe. Etwa 1000 Schiffe sind hier bereits untergegangen.

Der Luxusliner der größten Hamburger Reederei gehörte zu den modernsten Passagierschiffen seiner Zeit. Beim Auslaufen aus Ushuaia befiehlt Kapitän Theodor Dreyer, am Morgen des 22. Januar 1930, eine verhängnisvolle Kursänderung. Abseits der sicheren Routen läuft der Luxusliner auf ein Riff und sinkt.

Grausames Kap Hoorn: Heftige Stürme kosteten ungezählte Seeleute das Leben
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Grausames Kap Hoorn: Heftige Stürme kosteten ungezählte Seeleute das Leben

SPIEGEL TV Special rekonstruiert den Fall durch Aussagen Überlebender, historische Dokumente, Erkenntnisse von Wissenschaftlern und die Erforschung des Schiffswracks mit Spezialtauchern. Was geschah an Bord der "Monte Cervantes", was verbirgt sich hinter dem Mythos der "Titanic Südamerikas"? Die wichtigste Frage bleibt: Gelingen die Tauchgänge und gibt der größte Schiffsfriedhof der Welt eines seiner Geheimnisse preis?


Technische Daten der Monte Cervantes

BRT: 13.913
Länge: 152,5 m
Breite: 20,0 m
Tiefe: 11,5 m
Baujahr und Werft: 1927, Blohm und Voss
Heimathafen: Hamburg
Geschwindigkeit: 14,5 kn
Passagierzahl: 2492
Schwesternschiffe: Monte Olivia, Monte Pascoal, Monte Rosa, Monte Sarmiento

Der Untergang der "Monte Cervantes"


Auf der Fahrt vom Nordkap nach Spitzbergen geriet die "Monte Cervantes" bereits im Juli 1928 in eine brenzlige Situation: Bei der Durchquerung dichter Eisfelder schlug sie leck und wäre zweifelsohne gesunken, wenn nicht der zur Hilfe gerufene Eisbrecher "Krassin" das Luxusschiff mit seinen Pumpen so lange schwimmfähig gehalten hätte, wie die Besatzung brauchte, um die Löcher notdürftig abzudichten. An Bord befanden sich 1500 Passagiere, die rechtzeitig evakuiert werden konnten.

Übersichtskarte Argentinien
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Übersichtskarte Argentinien

Der nächste Schaden ließ nicht lange auf sich warten: Nur eineinhalb Jahre später krachte die "Monte Cervantes" auf einen nicht in den Seekarten verzeichneten Felsen im Beaglekanal, weit im Süden Feuerlands. Als sie begann, zu sinken, wurden die 1117 Passagiere umgehend in die Rettungsboote geschickt und später an Bord des argentinischen Dampfers "Vincente Fidel Lopez" in den sicheren Hafen von Ushuaia gebracht.

Der Wind und eine starke Strömung trieben das Passagierschiff derweil zwischen zwei Felsengruppen, wo der Kapitän es mit dem Heck auf Grund setzte. Das Vorschiff schwamm frei im Wasser, sank aber allmählich immer tiefer. Nachdem Helfer einen Teil der Ladung vom Schiff genommen, wartete man auf die Flut und versuchte dann, die "Monte Cervantes" abzuschleppen - vergeblich. Das Schiff setzte sich im Gegenteil unvermutet in Bewegung und kenterte.

Die an Bord verbliebenen Besatzungsmitglieder sprangen ins Wasser und wurden von einer Barkasse aufgenommen, einzig Kapitän Theodor Dreyer konnte sich nicht mehr retten. Der Offizier aus Hamburg-Blankenese wollte sich dem Kodex gemäß als Letzter vom Schiff zurückziehen, als das Schiff in Bewegung geriet. Zeugen sagten 1930 vor dem Seeamt Hamburg: "Kapitän Dreyer versuchte, mit einem Rettungsgürtel versehen, auf der schräg liegenden Schiffsseite hinunterzuklettern. Bei diesem Versuch muss er infolge des schnellen Kenterns des Schiffes abgeglitten und in das Promenadendeck gestürzt sein, worauf er dann mit dem sinkenden Schiff in die Tiefe gerissen wurde."

Fundstücke, die Geschichte erzählen: Matthias Kopfmueller am Wrack der "Monte Cervantes"
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Fundstücke, die Geschichte erzählen: Matthias Kopfmueller am Wrack der "Monte Cervantes"

1951 unternahm die italienische Firma "Salvamar" eine erste Bergungsaktion. Drei Jahre später wurde das Wrack der "Monte Cervantes", deren Heck lange Zeit noch aus dem Wasser ragte, endgültig geborgen, versank allerdings, als die Bergungsleute es nach Ushuaia schleppen wollten, im tiefen Wasser des Beaglekanals.

Der Hamburger Naturfilmer und Taucher Matthias Kopfmüller war der erste Mensch, dem es gelang, zu dem in 115 Metern Tiefe liegenden Wrack vorzudringen. Der Abstieg zur "Cervantes" ist ebenso Kraft zehrend wie lebensgefährlich. Über die Wasseroberfläche peitschen Stürme, unter Wasser sind die Strömungen extrem stark. Wassertemperaturen um ein Grad erlauben es den Tauchern auch im speziellen Tauch-Outfit nicht, länger als fünf Minuten in der Tiefe zu bleiben.

Doch die Strapazen lohnten sich, denn das Team brachte einmalige Aufnahmen und kleine Kostbarkeiten wie Rotweinflaschen, Gläser oder wertvolle Kronleuchter mit nach oben. Auf Aschenbechern war noch die Aufschrift der Reederei Hamburg-Süd sichtbar.




MENSCHHEITSGESCHICHTE UNTER WASSER


Tauchgang in die Vergangenheit


Extremtaucher und Naturfilmer mit Hang zum Ungewöhnlichen: Matthias Kopfmüller
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Extremtaucher und Naturfilmer mit Hang zum Ungewöhnlichen: Matthias Kopfmüller

Matthias Kopfmüller wurde am 20. März 1962 in Baden-Baden geboren. Auf seinen frühen Reisen nach Griechenland und in die Türkei entdeckte der begeisterte Taucher seine Liebe zum Meer. In München studierte er zunächst Schauspiel, bevor er sich autodidaktisch der Kameraführung, Fotographie und Regie näherte. Direkt nach der Wende fuhr der inzwischen geübte Filmemacher mit Kameraleuten des NDR in die ehemalige DDR, um nach dem sagenhaften Vineta, dem "Atlantis der Ostsee" zu tauchen - aus dem spontanen Jungenstreich entstand eine Unterwasser-Dokumentation, die Kopfmüller erfolgreich verkaufen konnte. Seitdem hat der in Hamburg lebende Abenteurer insgesamt neun Naturfilme gedreht und seine eigene Filmproduktionsfirma "GreenScreen" gegründet.

Ob versunkene Piratenstädte, gestrandete Galeeren oder sagenhafte Unterwasserbewohner - Kopfmüller gräbt die Menschheitsgeschichte unter Wasser aus. "Ich sehe mich in erster Linie als Geschichtenerzähler", betont der 40-Jährige, der auf schnelle Schnitte und komplizierte Computeranimationen verzichtet. "Ich brauche immer eine Vision, wenn ich Filme drehe." Mit touristischen Korallenriff-Locations ist er dabei nicht zu locken - der Mann aus Hamburg St. Pauli liebt die Extreme. Und so sucht er im eiskalten Wasser der norwegischen Fjorde nach Königskrabben, um kurz darauf in den seichten Wogen des Orinoco den Piranhas und Kaimanen davonzuschwimmen. Weil Kopfmüller großen Wert auf kompetente wissenschaftliche Unterstützung legt, konnte er für seine letzten Expeditionen Mitarbeiter des Münchener Max-Planck-Instituts und der renommierten Harvard-Universität gewinnen.





WEITERE EXPEDITIONEN VON MATTHIAS KOPFMÜLLER


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Im ersten Teil der fünfteiligen Reihe "Geheimnisse der Tiefe" unternahm Matthias Kopfmüller mit seinem Team eine Reise in die norwegischen Fjorde, wo er nach den legendären Königskrabben tauchte, die eine Beinspannweite von bis zu zwei Metern erreichen.
  • Geheimnisse der Tiefe: Der Fjord der Riesenkrebse


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Im zweiten und dritten Teil begab sich Matthias Kopfmüller auf die Suche nach der Sagen umwobenen Quelle des Orinoco im südamerikansichen Regenwald. An den Ufern und in der Strömung des "Vaters aller Flüsse" stieß er auf atemberaubende Landschaften, Überreste der Inka-Kultur und und eine überwältigende Vielfalt von Lebensformen.
  • Geheimnisse der Tiefe: Die Farben des Orinoco


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Im vierten Teil erkundete Matthias Kopfmüller ein Unterwasserreich aus schillernden Farben, verblüffenden Strukturen und faszinierenden Strukturen, das allerdings durch Umweltgifte und Treibhauseffekt akut gefährdet ist: Korallenriffe vor der Küste Jamaikas. Er besuchte Wissenschaftler, die versuchen, das bedrohte Paradies zu retten.
  • Geheimnisse der Tiefe: Weiße Schatten - das Sterben der Korallenriffe




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