Jahrzehntelang erforschten Soziologen, Psychologen und Ethnologen die Frauen, und fast ausnahmslos kamen sie zum selben Ergebnis: Zeitlebens sei das so genannte schwache Geschlecht durch die Rollenmuster der Gesellschaft benachteiligt, seine Emanzipation müsse Ziel und gesetzlicher Auftrag sein. Auf diesem Weg gibt es Fortschritte - jetzt aber haben die Forscher eine neue Problemgruppe entdeckt: die Jungen.
Immer mehr Männer von morgen verlassen die Schulen mit miserablen Noten. Sie sind tief verunsichert, männliche Vorbilder fehlen. Forscher rufen bereits die "Jungenkatastrophe" aus, die Leistungen der Mädchen werden unterdessen immer besser. Vor allem beim Lesen und beim Textverständnis liegen sie weit vorn, auch in Biologie sind sie längst überlegen.
Im XXP-Studio diskutiert Moderator Matthias Ziemann mit SPIEGEL-Redakteurin Katja Thimm, der Diplompsychologin und Professorin Barbara Koch-Priewe und Autor Uli Boldt ("Ich bin froh, dass ich ein Junge bin") über die unterschiedlichen Schulleistungen von Jungen und Mädchen.
Sendetermin: Montag, 17. Mai, 22.45 Uhr, XXP
Gäste im Studio
Barbara Koch-Priewe, Diplompsychologin Die an der Universität Dortmund im Fachbereich Erziehungswissenschaften und Soziologie tätige Professorin erstellt Schulprogramme zur Mädchen- und Jungenförderung. Zu ihren Hauptforschungsgebieten gehören die wissenspsychologische Professionsforschung am Beispiel des Lehrerberufs, die Schulentwicklungsforschung, die humanistische Pädagogik und die pädagogische Geschlechterforschung. Sie sagt: "Erstaunlich ist, dass sich nämlich in der Regel die Jungen und die Mädchen in Anwesenheit des anderen Geschlechts so verhalten wie es geschlechtsstereotyp ist. Das heißt, die Mädchen sind auf einmal noch mädchenhafter und die Jungen noch jungenhafter."
Uli Boldt, Autor Der Lehrer und Koordinator der Jungenarbeit der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld ist Autor des Buches: "Ich bin froh, dass ich ein Junge bin." Von 1999 bis 2001 wirkte er im Arbeitskreis "Reflexive Koeduktion" mit. Heute steht für ihn fest: "Mit Jungen jeder Altersstufe über die immer wieder von ihnen und ihrer Umgebung hergestellte Geschlechtlichkeit zu reden und die Hierarchisierung in Frage zu stellen verschafft nicht nur den Jungen einen Zugewinn an sozialen Kompetenzen sondern auch den Lehrkräften einen anderen Blick auf das männliche Geschlecht."
Außerdem im Studio:
Katja Thimm, DER SPIEGEL
Moderation
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