Jahrzehntelang wurden die Arbeitszeiten in Deutschland immer kürzer, im gleichen Zeitraum stieg die Arbeitslosigkeit nahezu unaufhaltsam. Jetzt setzt sich die Erkenntnis durch: Die Deutschen müssen wieder länger arbeiten, um ihren Wohlstand, und womöglich auch ihre Arbeitsplätze, zu sichern.
Die 35-Stunden-Woche, von der IG Metall einst als historische Errungenschaft gefeiert, hat sich als Irrtum erwiesen. 40 Stunden werden deshalb wohl bald wieder die Regel sein. Urlaubs- und Weihnachtsgeld stehen auf der Kippe. Siemens gilt dabei als Präzedenzfall. Betriebe wie MAN wollen dem Beispiel folgen.
Die Gewerkschaften laufen indes Sturm. Ver.di-Chef Bsirske sammelt seine Truppen zum Abwehrkampf. Ob er den Trend zur längeren Beschäftigungszeit stoppen kann, ist allerdings fraglich. Schon jetzt gliedern viele öffentliche Arbeitgeber ihre Kliniken, Verkehrsbetriebe oder Entsorgungsunternehmen in private Gesellschaften aus, die nicht mehr dem öffentlichen Tarifrecht unterliegen.
Im XXP-Studio diskutiert Moderator Matthias Ziemann mit Armin Mahler, DER SPIEGEL, sowie Jutta Allmendinger, Direktorin des IAB, und Hilmar Schneider, Arbeitsmarktexperte am IZA, über die neuen Arbeitszeiten in Deutschland.
Sendetermin: Montag, 05. Juli, 23.00 Uhr, XXP
Im Studio
Jutta Allmendinger, Direktorin des IAB
Die 47-Jährige leitet und modernisiert seit Februar 2003 das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Noch bis Februar 2005 ist die Professorin deshalb von ihrem Lehrstuhl für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München beurlaubt. Ihre wissenschaftlichen Vertiefungsgebiete umfassen unter anderem die soziale Ungleichheit und die Soziologie der Sozialpolitik und des Arbeitsmarktes. Über den Arbeitsmarkt der Zukunft prognostiziert die Harvard-Absolventin: "Die meisten heutigen Beschäftigten müssen sich darauf einrichten, dass sie bis ins höhere Alter arbeiten müssen." Das IAB errechnete auch, dass sich die Deutschen schon jetzt im Schnitt 39,9 Wochen dem Job widmen - mehr als ausgemacht.
Hilmar Schneider, Arbeitsmarktexperte am IZA
Als Direktor der Arbeitsmarktpolitik am Forschungsinstitut für die Zukunft der Arbeit forscht Hilmar Schneider vor allem in den folgenden Gebieten: Soziale Sicherung, Lohnpolitik und Demographie. Der studierte Sozialwissenschaftler und Volkswirt fordert im Kontext des Comeback der 40-Stunden-Woche: "So wie Siemens müssen sich auch andere Betriebe im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit den Realitäten stellen." Dadurch möglicherweise entstehenden höheren Fehlzeiten der Arbeitnehmer sieht er gelassen entgegen: "Solange die Einsparungen bei den Lohnkosten wesentlich höher liegen als die eventuell steigenden Krankheitskosten, überwiegen die Vorteile längerer Arbeitszeiten."
Außerdem im Studio:
Armin Mahler,DER SPIEGEL
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