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Interview mit Reinhold Messner "Wir sind ganz arme Hascherl"

2. Teil: Im zweiten Teil des Interviews geht es um Gott im Himmel, den Dalai Lama auf Erden und einen Halbgott im römischen Palazzo Chigi

"Verletzung der demokratischen Grundregeln": EU-Abgeordneter Messner über Berlusconis Machtpolitik
REUTERS

"Verletzung der demokratischen Grundregeln": EU-Abgeordneter Messner über Berlusconis Machtpolitik

SPIEGEL ONLINE: Was sagt Ihr Freund der Dalai Lama über den Yeti - hat die Legende für den Buddhisten irgendeine Relevanz?

Messner: Interessanterweise hat der Dalai Lama mich darauf angesprochen. Ich kenne seine Heiligkeit seit 25 Jahren und inzwischen auch recht gut, weil wir gemeinsam für die Autonomie Tibets arbeiten. Er erkundigte sich, ob ich etwas über den so genannten Chemo wüsste, weil ich doch so oft in Tibet gewesen sei. Er wollte wissen, ob der Chemo nicht identisch sein könnte mit der Figur, die wir im Westen als Yeti bezeichnen. Ich war sehr aufgeregt und erklärte ihm, dass ich davon unbedingt überzeugt sei. Weil er viel Humor hat, begrüßte er mich bei unserem letzten Treffen mit einem schallenden Lachen und nannte mich Yeti.


SPIEGEL ONLINE: An was glauben Sie außer an Yetis?

Messner: Ich kann nur an etwas glauben, was ich real nicht fassen kann. Alles, was sicht- und wahrnehmbar ist, hat mit Glauben nichts zu tun. Dass der Tibetbär die auslösende Figur für die Entstehung der Legende um den Yeti war, ist meine Erkenntnis, aber kein Glaube.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind kein religiöser Mensch?

Messner: Das lasse ich offen. Es ist mir nicht wichtig zu wissen, was nach dem Tod passiert. Wir Menschen haben den großen Fehler begangen, Gott definieren zu wollen, obwohl das jenseits unserer Möglichkeiten liegt.

SPIEGEL ONLINE: Halbgötter wie der im römischen Palazzo Chigi thronende Ministerpräsident Silvio Berlusconi sind da schon konkretere Figuren. Seit Juli 1999 sitzen Sie für die italienischen Grünen im Europaparlament. Wie erleben Sie den politischen Alltag in Italien?

Messner: Da ist jemand Ministerpräsident und damit Inhaber einer der mächtigsten Positionen in einem Nationalstaat geworden. Gleichzeitig hat er mehr als die Hälfte der Medien in seiner Hand. Diese Verquickung von medialer und politischer Macht in einer Person ist eine Verletzung der demokratischen Grundregeln, die weder auf kommunaler noch auf Bundes- oder Landesebene sein darf. Ich glaube immer noch, dass Europa eine Wertegemeinschaft ist, in der so etwas nicht passieren darf.

SPIEGEL ONLINE: Findet in Italien eine öffentliche Diskussion statt?

Messner: Eine Diskussion, wie sie gerade in den deutschen Medien geführt wird, ist in Italien inexistent. Sie kann auch gar nicht stattfinden, denn in vorauseilendem Gehorsam sind die Berlusconi treuen Journalisten schlau genug, das Thema zu vermeiden und sich stattdessen um seichte Unterhaltung zu kümmern. Berlusconi hat in Italien die besten Umfrageergebnisse. Inzwischen kann er sogar Richter auswechseln, wenn es ihm passt - das darf nicht sein. Es ist dringend notwendig, dass wir über Medien und Demokratie nachdenken - und wo soll eine solche Diskussion geführt werden, wenn nicht im Europaparlament?

Das Interview führte Annette Langer

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