"Schindlerjüdin" Helen Jonas-Rosenzweig Sklavendienst für den "Herrenmenschen"

23 Monate lang war Helen Jonas-Rosenzweig, geborene Sternlicht, das Hausmädchen des KZ-Kommandanten Amon Göth. Der Alltag in der Villa des gefürchteten Massenmörders war von Misshandlungen und permanenter Todesangst geprägt.


Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Krakau wurde Helens Familie zunächst in das mit Mauer- und Stacheldrahtsperren abgeriegelte Ghettos gesperrt. Im September 1942 wurde ihr Vater nach Belzec deportiert und umgebracht. Bei der Auflösung des Krakauer Ghettos im Februar 1943 gelang es ihr gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Schwestern, der Deportation in die Vernichtungslager zu entgehen. Sie kamen ins neu errichtete Lager Plaszow. Dort wurde sie Hausmädchen des unberechenbaren und sadistischen Kommandanten Göth.

Helen Jonas-Rosenzweig
SPIEGEL TV

Helen Jonas-Rosenzweig

Weil der für seine Grausamkeit gefürchtete Massenmörder bereits eine Bedienstete mit demselben Vornamen hatte - die etwa zehn Jahre ältere Helena Hirsch - nannte er die 17-Jährige "Susanna". "Susanna" trug dem Despoten Mahlzeiten auf, kümmerte sich um seine Garderobe und putzte das Haus. Sie fütterte jene beiden dänischen Doggen mit den Namen "Ralf" und "Alf", die der Hausherr zur persönlichen Belustigung auf seine Häftlinge hetzten ließ - viele Opfer wurden auf grausamste Art in Stücke gerissen.

Nach der Verhaftung von Göth im Herbst 1944 ließ Schindler Helen und ihre beiden Schwestern auf seine Liste setzen. Der Transport zu Schindlers Fabrik im tschechischen Brünnlitz begann zunächst mit einem Quarantäne-Aufenthalt in Auschwitz. Nachdem Schindler mit großzügigen Bestechungen etwas nachgeholfen hatte, die insgesamt 300 Schindler-Frauen schließlich ihr Ziel, wo sie die restlichen Monate des Krieges in relativer Sicherheit verbrachten.

Nach Kriegsende wanderte Helen in die USA aus. Josef Jonas, Helens erster Ehemann, war ebenfalls "Schindlerjude" und spielte eine wesentliche Rolle in der Widerstandsbewegung von Brünnlitz. Nach der deutschen Kapitulation half er Oskar Schindler bei der Flucht aus Brünnlitz. Er verstarb im Jahre 1980. Das Ehepaar hatte drei gemeinsame Kinder, zwei Zwillingstöchter und einen Sohn. Ihren zweiten Ehemann, den Bauingenieur Henry Rosenzweig aus New Jersey, heiratete Helen 1990.

Für Steven Spielbergs Verfilmung des Romans "Schindlers Liste" von Thomas Keneally ist sie voll des Lobes. Die Darstellung ist so nah an der Realität, dass es ihr beim Betrachten des Kinofilms immer wieder kalt den Rücken herunterläuft. Eine bestimmte Szene muss sie allerdings korrigieren: "In dem Film wird angedeutet, dass er sein Dienstmädchen sexuell belästigt hat. Dieses Dienstmädchen bin ich! Und es stimmt nicht, ganz und gar nicht. Dafür hasste er uns viel zu sehr."



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.