SPIEGEL TV Themenabend Schiffe in Not und die Sicherheit auf hoher See

Immer wieder bringen Sturm und Riesenwellen Schiffe in Not. Die Fähren "Estonia" und "Jan Heweliusz" rissen hunderte Menschen in den Tod.

Sendetermin: Freitag, 28.03.2003, 22.35 - 00.45 Uhr, VOX



Untergang in stürmischer See: Der Tanker "Erika" sank 1999 vor der französischen Atlantikküste
DPA

Untergang in stürmischer See: Der Tanker "Erika" sank 1999 vor der französischen Atlantikküste

Passagiere und Besatzung der "Bremen" hatten mehr Glück, als eine 30 Meter hohe Monsterwelle den Luxusliner im Südatlantik unter sich begräbt. Seewasser dringt in die Schiffselektronik ein, die Motoren fallen aus, der Kreuzfahrer treibt eine Dreiviertelstunde in tosender See. Doch das Schiff hält den Naturgewalten stand. Alle 135 Passagiere überleben die Beinahekatastrophe. Diese Beispiele machen deutlich, wie wichtig Festigkeit und Stabilität sind, wenn es um die Sicherheit auf See geht. Aus diesem Grund müssen Schiffe sich alle fünf Jahre einer Art TÜV unterziehen, bei dem sämtliche Systeme überprüft und Rumpf und Anlagen auf etwaige Mängel untersucht werden.

Neubauten und reparierte Schiffe benötigen eine Klassifizierung bevor sie auf Fahrt gehen, denn ohne die Papiere gibt es keine Versicherung. Schon auf der Werft überwachen die Ingenieure, die häufig selbst mehrere Jahre zur See gefahren sind, die einzelnen Bauabschnitte der Stahlarbeiter und Maschinenbauer. Bewaffnet mit Taschenlampen und Messgeräten inspizieren sie Beulen, Leckagen, Schweißnähte, Dichtungen etc.

Der Tag der Entscheidung ist jedoch die so genannte Probefahrt. Jede Stunde dieser "Freischwimmer-Prüfung" kostet rund 7000 Euro - bezahlt vom Reeder. Zum ersten Mal laufen jetzt alle Systeme zusammen. Bis zu 120 Mann tummeln sich dann auf den schwimmenden Riesen, vorwiegend unter Deck, ausgerüstet mit Mikrometer-Messuhren und Laptops. Rund um die Uhr beobachten die Techniker Daten, nehmen Maße im Tausendstel-Millimeter-Bereich, kontrollieren Abstände und ziehen Verbindungen nach. Die wichtigsten Menschen an Bord sind die Surveyor der Klassifizierungsgesellschaft, denn sie entscheiden, ob ein Schiff ausgeliefert werden darf oder nicht.

Der SPIEGEL TV Themenabend berichtet über die umfangreichen Anstrengungen, die Werften und Reeder unternehmen, um die Sicherheit auf hoher See zu gewährleisten.


Die geborgene Bugklappe der Unglücksfähre
DPA

Die geborgene Bugklappe der Unglücksfähre

DER UNTERGANG DER "ESTONIA"

Löcher im Stahl

Am 28. September 1994 sank die Fähre "Estonia" auf dem Weg von Estland nach Schweden in stürmischer See. Das 55 Tonnen schwere Bugvisier war abgerissen, der Rumpf wurde überflutet, das Schiff kenterte und sank. mehr...

DER SPIEGEL


Grafik: Wie die Riesenwellen entstehen
DER SPIEGEL

Grafik: Wie die Riesenwellen entstehen

KATASTROPHEN

"Ich spürte den Atem Gottes"


Im Südatlantik traf eine 35 Meter hohe Riesenwelle die MS "Bremen". Nur knapp entging das Kreuzfahrtschiff dem Untergang. Der Horrortörn Ende Februar bestätigt alarmierende Befunde von Marineforschern: Der Ozean gebiert Berge aus Wasser mit gewaltiger Zerstörungskraft. mehr...





80 Tote aus Nachlässigkeit? Die "Express Samina" sank vor der griechischen Insel Paros
REUTERS

80 Tote aus Nachlässigkeit? Die "Express Samina" sank vor der griechischen Insel Paros

SCHIFFSKATASTROPHEN

Die folgenschwersten Fährunglücke in Europa

Schlechte Sichtverhältnisse, Naturkatastrophen, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen oder gar Brandstiftung - die Liste der auslösenden Faktoren für Havarien ist lang. Besonders Fährschiffunglücke wie das der "Estonia" fordern immer wieder zahlreiche Opfer. mehr...





Mit 600.000 Liter Dieselöl an Bord vor der Galapagos-Insel San Cristobal gestrandet: Tanker "Jessica"
REUTERS

Mit 600.000 Liter Dieselöl an Bord vor der Galapagos-Insel San Cristobal gestrandet: Tanker "Jessica"

SEEFAHRT

Tankerunglücke und ihre katastrophalen Folgen

Die Folgen der weltweit immer wieder zu beklagenden Tankerunglücke sind verheerend: Knapp 300.000 Liter Öl traten allein bei der Kollision der Supertanker "Atlantic Empress" und "Aegean Captain" im Jahre 1979 aus. mehr...





Kavitation: Energieverlust und Verschleiß
SPIEGEL TV

Kavitation: Energieverlust und Verschleiß

ANTRIEBSTECHNIK

Risikofaktor Kavitation

Bewegt sich eine Schiffsschraube mit hoher Geschwindigkeit, kommt es zur so genannten Kavitation: Hinter dem Propeller bildet sich ein Hohlsog, in dem der Druck so niedrig wird, dass das umgebende Wasser verdampft, wobei kleine Gasbläschen entstehen. Kommen diese dann in Regionen niederer Drücke, implodieren sie. Durch den Zusammenfall der Kavitationsblasen entstehen Verwirbelungen, die zur starken Vibrationen an der Schiffsschraube führen, das Fortkommen hemmen und unkontrollierte Richtungsänderungen herbeiführen. Der Effekt verursacht einen erhöhten Treibstoffverbrauch und kann zu erheblichen Materialschäden führen. Im schlimmsten Fall platzt der Propeller.








Bei näherer Betrachtung weniger romantisch: Viele Schiffe im Hamburger Hafen weisen Sicherheitsmängel auf
DPA

Bei näherer Betrachtung weniger romantisch: Viele Schiffe im Hamburger Hafen weisen Sicherheitsmängel auf

INTERVIEW

"Ich hol' jetzt meine Knarre"

Kapitän Peter Erichsen ist Sicherheitsprüfer bei der Port State Control (PSC) im Hamburger Hafen. Mit seinem Kollegen Bernd Seifert untersucht er Schiffe auf gravierende Sicherheitsmängel im nautischen und technischen Bereich. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er über Schrottkähne, Kakerlaken und Amok laufende Kapitäne. mehr...


Das stolze Wappen der Seeberufsgenossenschaft

Das stolze Wappen der Seeberufsgenossenschaft

Die "Port State Control" im Hamburger Hafen

Die Hafenstaatkontrolle, auch Port State Control (PSC) genannt, kontrolliert mindestens ein Viertel aller in den Hamburger Hafen einlaufenden Schiffe auf nautische und technische Mängel. Kapitän Peter Erichsen und sein Kollege Bernd Seifert sorgen dafür, dass alle vorgeschriebenen Sicherheitsstandards bis ins letzte Detail eingehalten werden.

Die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums agierenden Inspektoren sind autorisiert, Verstöße mit Geldstrafen und Auslaufverboten zu ahnden - und das nicht ohne Grund: Viel zu oft sind Wartungsdefizite, illegale Ölentsorgung oder mangelnde Brandschutzvorrichtungen die Ursache für tragische Unglücksfälle und Umweltkatastrophen.

Unvollständige Schiffsdokumente oder nicht aktualisierte Seekarten sind dabei ebenso Risikofaktor wie schlampig geführte Öltagebücher oder unsachgemäß ausgeführte Reparaturen. Diplomingenieur Seifert checkt den Notdieselstart und prüft alle übrigen technischen Anlagen auf mögliche Fehler. Von der defekten Licht- oder Feuerlöschanlage bis zu den Kakerlaken in der Kombüse - den geschulten Augen der Kontrolleure entgeht nichts.






Das so genannte "Automatische Identifizierungssystem" (AIS) soll demnächst das Kollisionsrisiko in der Schifffahrt erheblich senken
AFP

Das so genannte "Automatische Identifizierungssystem" (AIS) soll demnächst das Kollisionsrisiko in der Schifffahrt erheblich senken

SCHIFFAHRT

Neue Technik zur Vermeidung von Kollisionen kommt erst 2003

Seit Jahren gilt die Kadetrinne als gefährliches Fahrwasser. Entschärft wurde die unfallträchtige Wasserstraße nicht. Erst ab 2003 dürfte der Seeverkehr sicherer werden.mehr...


AIS steht für "Automatic Identification System" und ist ein automatisches Schiffsidentifizierungssystem. Per AIS geben Schiffe ihre Position, den Kurs und die Geschwindigkeit an andere Schiffe, Landstationen und Verkehrszentralen an der Küste weiter. Der automatische Datenaustausch soll Kollisionen vermeiden und maßgeblich zur Verbesserung der Verkehrs- und Schiffssicherheit beitragen. Verantwortlich für die Sicherheit auf den Bundeswasserstraßen ist die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die dem Ressort des Bundesministeriums für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen angehört. Die WSV baut die erforderliche Infrastruktur für AIS und wird das AIS-Küstennetz betreiben. Seit Juli 2002 gilt für die internationalen Schifffahrt die so genannte Ausrüstungspflicht mit dem neuen System. Bis 2008 soll der größte Teil der Weltflotte mit AIS-Geräten ausgestattet sein.






Real-Time-Wellenmessungen machen präzise Vorhersagen über zerstörerische Kaventsmänner wahrscheinlicher

Real-Time-Wellenmessungen machen präzise Vorhersagen über zerstörerische Kaventsmänner wahrscheinlicher

GEFÄHRLICHER SEEGANG

Wellenmessen in der zweiten Generation


"WaMoS" klingt wie der spanische Schlachtruf zum Aufbruch ans Meer - und das hat seinen Grund. Mit dem "Wave Monitoring System II" hat die Firma Oceanwaves ein Instrument entworfen, das bei der Erforschung von gefährlichen Riesenwogen und ihrer Entstehung hervorragende Dienste leisten kann. Betreiber von Ölplattformen hoffen schon jetzt auf mehr Sicherheit im Offshore-Bereich. mehr...





Auf der norwegischen Ölplattform "Ekofisk" werden Seegangsdaten gesammelt, um langfristig Riesenwellen vorhersagen zu können
SPIEGEL TV

Auf der norwegischen Ölplattform "Ekofisk" werden Seegangsdaten gesammelt, um langfristig Riesenwellen vorhersagen zu können

WELLENFORSCHUNG

Eine von Zehntausend ist ein "Freak"

Im GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht studieren Forscher Ozeanwellen und ihre Dynamik, um der Entstehung von Riesenwellen auf die Spur zu kommen. Trotz neuer Messverfahren und alltagstauglicher Technologien gehört die Warnung vor gigantisch hohen Einzelwellen jedoch noch lange nicht zum Vorhersage-Standard. mehr...

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