Expedition Mammut Zeittafel


Vom Menschen eliminiert oder dem Klima erlegen? Mammuts im Eis

Vom Menschen eliminiert oder dem Klima erlegen? Mammuts im Eis

Vor 3 bis 4 Millionen Jahren:

Mammuts treten erstmals in Afrika südlich der Sahara auf.

Vor 1,7 Millionen Jahren: Mammuts überqueren die Landbrücke, die Sibirien mit Alaska verband, und breiten sich in Amerika aus.

13.000 bis 10.000 v. Chr.: Das Erdklima verändert sich, die Gletscher aus der letzten Eiszeit weichen nach und nach zurück.

10.000 bis 9.000 v. Chr.: Die Mammuts stehen einem neuen Feind gegenüber, den Clovis, menschlichen Jägern, die nomadisch leben und auf der Suche nach Beute ganz Sibirien und den amerikanischen Kontinent durchstreifen.

8.000 v. Chr.: Die großen Mammuts, die in Europa und den meisten Gegenden Asiens bereits verschwunden sind, sterben nun auch in Sibirien und auf dem amerikanischen Kontinent aus. Einschneidende Klimaveränderungen, ein rätselhaftes Virus oder die Ausrottung durch Jäger werden von Wissenschaftlern als Ursachen des Aussterbens gehandelt.

Mammutskelett im Museum Bottrop
Foto: Monika Knorr

Mammutskelett im Museum Bottrop

2000 v. Chr.: Die letzten Mammuts, eine zwergenhafte Spezies, die sich auf der Insel Wrangel vor der sibirischen Küste gehalten hatte, sterben aus.

1519: In Mexiko zeigen Azteken den spanischen Eroberern den Oberschenkelknochen eines Mammuts.

1610: In England werden Mammutknochen gefunden. Die weit verbreitete Annahme, sie würden von Riesenmenschen abstammen, gilt der Geistlichkeit als Ketzerei. Ein Bischof versucht zu beweisen, dass die Knochen von einem Elefanten stammen, der im Gefolge Julius Caesars nach England gelangt sei.

1716: Ein Hauptmann der schwedischen Armee, der in Sibirien Gefangener des Zaren Peter des Großen war, verfasst einen Bericht über die riesigen Gerippe, die die Russen im Eis gefunden hätten und die sie für die Leichen unterirdischer Ungeheuer hielten.

Mammutschädel im Museum Bottrop
Foto: Monika Knorr

Mammutschädel im Museum Bottrop

1766: In Kentucky findet ein Einwanderer Knochen eines Mastodons sowie zwei 1,80 Meter lange Stoßzähne und schickt etliche Zähne und die Stoßzähne an Benjamin Franklin. Franklin, der von elefantenartigen Überresten in Sibirien weiß, vermutet, dass in Ohio und in Sibirien einst ein ebenso warmes Klima geherrscht habe wie in Afrika und in Asien, wo Elefanten leben. In Wahrheit erlebten die Mammuts ihre Blüte während der Eiszeit.

1781: Thomas Jefferson behauptet, die nordamerikanischen Mammuts seien fünf bis sechs Mal größer gewesen als der größte lebende Elefant. Unter Berufung auf indianische Legenden vermutet er noch lebende Mammuts in den unerforschten Gegenden des nordamerikanischen Kontinents.

1798: Der französische Naturforscher Georges Cuvier weist nach, dass sich die fossilen Überreste des sibirischen Mammuts von den Knochen der lebenden Spezies, des Afrikanischen und des Indischen Elefanten, unterscheiden.

1806: Michail Iwanowitsch Adams von der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg entdeckt im sibirischen Jakutsk die primitive Zeichnung eines Mammutkadavers, die ein Elfenbeinjäger zwei Jahre früher angefertigt hat. Als der Forscher zu dem Fundort gelangt, ist der Kadaver von Wölfen übel zugerichtet worden, doch die Haut, das Fell, ein Teil des Kopfes sowie das Skelett sind noch vorhanden. Adams lässt die Überreste in die Akademie bringen; bis heute ist das dort errichtete Skelett das größte zur Schau gestellte Kältesteppen-Mammut.

1846: Als ein russischer Landvermesser an der arktischen Küste landet, lässt ein ungewöhnlich warmes Klima das uralte Eis aufbrechen. Plötzlich steht er den Überresten eines Mammuts gegenüber.

Angeblich bis zu fünf Meter lang - Stoßzähne des Mammutbullen
FRANCIS LATREILLE / DISCOVERY

Angeblich bis zu fünf Meter lang - Stoßzähne des Mammutbullen

1900-1901: Im Nordosten Sibiriens zeigt ein Dorfbewohner einem Kosaken einen Stoßzahn, den er einem dieser "großen haarigen Teufel auf der Felsstufe des Beresowka-Flusses" abgehackt hat. Der Wissenschaftler Otto F. Herz und seine Mannschaft lösen sorgfältig den weitgehend intakten Kadaver aus dem Eis. Die Überreste des Mammuts werden ausgestopft, wobei etwa ein Drittel des Körpers einschließlich des Schwanzes aus der Haut bestehen. Das Beresowka-Mammut steht im Zoologischen Museum von St. Petersburg.

1903: Auf den Ljachow-Inseln vor der sibirischen Küste werden Reste eines Mammuts entdeckt. Sie befinden sich heute in Paris, dem einzigen Ort außerhalb Russlands, an dem ein sibirisches Mammut ausgestellt ist.

1948-1949: Auf der sibirischen Halbinsel Taimyr wird ein weibliches Mammut entdeckt und im folgenden Jahr von einem Wissenschaftler des Zoologischen Instituts der UdSSR geborgen. Das Tier gilt als Prototyp der Spezies Mammuthus primigenius.

1974: Von 1974 bis heute ist Dr. Larry Agenbroad in leitender Position mit der Erforschung der Mammoth Site in Hot Springs, South Dakota, befasst, einem Mammutfriedhof aus der Zeit um 26000 v. Chr. Dick Mol ist ebenfalls an der Ausgrabung beteiligt.

1977: Ein Bulldozerfahrer in einer Goldmine im abgelegenen sibirischen Jakutien entdeckt den beinahe unversehrten Kadaver eines sechs Monate alten Mammutkalbs. Das "Baby Dima" wird ins Permafrostinstitut Jakutsk gebracht. Das vor vierzigtausend Jahren gestorbene Kalb ist 100 cm lang und 90 cm groß. Die Stoßzähne haben die Haut noch nicht durchstoßen. 1980 stellen russische Wissenschaftler amerikanischen Forschern eine Gewebeprobe aus Dimas Unterleib zur Verfügung; es erweist sich, dass die roten Blutkörperchen noch immer intakt sind.

Camp bei Chatanga
FRANCIS LATREILLE / DISCOVERY

Camp bei Chatanga

1978: Ein Rentierzüchter entdeckt ein 45.000 Jahre altes Mammut bei Chatanga: Es ist das erste Mammut, dem DNS entnommen werden kann.

1988: Der Kapitän eines Frachters, der vor Westsibirien unterwegs ist, entdeckt an der Küste der Jamal-Halbinsel einen Mammutkadaver. Der gut erhaltene und fast vollständige Körper des Mammutkalbs wird unter dem Namen "Mascha" berühmt.

1997: Zwei Rentierhirten aus dem Volk der Dolganen entdecken einen Mammut-Stoßzahn, der aus dem gefrorenen Boden ragt. Im darauffolgenden Jahr gehen zwei Familienangehörige zum Markt, um die Stoßzähne zu verkaufen, und begegnen dort dem Franzosen Bernard Buigues. Im Jahr darauf organisiert er eine von "Discovery Channel" mitfinanzierte Expedition zu der Fundstätte; es gelingt ihm, den Kopf des Mammuts aus dem Eis zu befreien. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode wird ermittelt, dass der Fund über 20.000 Jahre alt ist.

Mai 1999: Dick Mol vom Naturkundemuseum in Rotterdam organisiert die Zweite Internationale Mammutkonferenz, die von über hundert Wissenschaftlern aus aller Welt besucht wird.

Oktober 1999: Das Jarkow-Mammut wird erfolgreich gehoben und mit dem Hubschrauber in eine Eishöhle bei Chatanga transportiert, wo es von Wissenschaftlern untersucht werden soll.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.