Parteiübergreifend nutzen Politiker die Gunst der Stunde im Wahlkampf, um neue Wege in der Bekämpfung von Jugendkriminalität zu fordern. Wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg geht der hessische Ministerpräsident Roland Koch in der Debatte um härtere Strafen für junge Kriminelle in die Offensive: "Gewalttätige Jugendliche gehören nicht in einen Kuschelvollzug" meint Koch und präsentiert einen 6-Punkte-Plan, in dem er u.a. für die Einführung eines sogenannten "Warnschussarrests", eine Anhebung der Höchststrafe für Jugendkriminalität und eine schnellere Abschiebung ausländischer Straftäter in bestimmten Fällen plädiert.
Ein umstrittenes Rezept gegen ein Problem, das Polizei, Sozialarbeiter und Pädagogen seit langem beschäftigt: 2006 wurde fast die Hälfte aller registrierten Fälle von Gewaltkriminalität von unter 21-Jährigen begangen. Darunter immer mehr schwere und gefährliche Körperverletzungen. Und die Täter werden immer jünger. Die zunehmende Brutalität halbwüchsiger Straftäter entsetzt die Experten. Der Staat reagiert mit so genannten "Bootcamps", Auslandaufenthalten oder Kurzarresten. Doch der Versuch, die ansteigende Gewaltbereitschaft in den Griff zu bekommen, bleibt oft ohne nachhaltigen Erfolg: Die Rückfallquote bei männlichen Straftätern, die zu einer Jugendstrafe verurteilt wurden, liegt bei rund 80 Prozent.
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