Shoebox House in Ljubljana Leben in der Schuhschachtel

Wer wenig Platz hat, wohnt in einer Schuhschachtel, heißt es. Wer jedoch drei davon zur Verfügung hat, kann es sich ganz schön gemütlich machen, wie dieses Renovierungsprojekt aus Slowenien zeigt.

Tomaz Gregoric/ OFIS Architects

1934 errichtete der Architekt Emil Navinsek im Stadtteil Trnovo von Ljubljana ein kleines Haus für seine beiden Schwestern. Nichts besonderes, ein unauffälliger, zweckmäßiger Bau: zwei Stockwerke mit jeweils 50 Quadratmetern Grundfläche. 81 Jahre später ist die Wohnfläche um fast das eineinhalbfache gewachsen, aus dem grauen Klotz ist ein Hingucker geworden.

Verantwortlich für diese Verwandlung ist das slowenische Architekturbüro OFIS. Ein Team aus insgesamt 17 Menschen hatte die Idee, das Gebäude zu entkernen und um eine Stahlträgerkonstruktion zu erweitern. Sie bildet das Skelett für drei versetzt gestapelte Quader von derselben Grundform wie das ursprüngliche Haus. Der Stapelaufbau mit um 90 Grad gedrehten Körpern schafft Terrassen und Überhänge.

Die drei namensgebenden "Schuhschachteln" brechen den Bau auf und erweitern den Wohnraum um drei Stockwerke. Im Erdgeschoss befinden sich die Küche sowie ein Wohn- und Essbereich, der die gesamte Fläche des Anbaus einnimmt. Herzstück des neuen Hauses ist eine Harfentreppe, die zwischen den alten und den neuen Gebäudeteil gesetzt wurde.

Im ersten Stock sind zwei Kinder-, ein Gästezimmer und ein Büro, außerdem noch ein großes Bad. Unter dem Dach schlafen die Eltern. Da im zweiten Stock nur noch ein Bad untergebracht werden sollte, blieb viel Platz für Wandschränke und eine Sitzgruppe.

Der Anbau ist innen wie außen mit Holz verkleidet. Auch die Inneneinrichtung ist aus Holz: Podeste, Nischen und Sitzgruppen unterteilen die Flächen und schaffen Stau- und Rückzugsräume.

Die Inspiration für dieses Konzept lieferte der österreichische Architekt Adolf Loos. Der war neben seinen kubusförmigen, teilweise ineinander verschachtelten Räumen bekannt für seine strenge Architekturphilosophie: "Das Haus hat der Bequemlichkeit zu dienen", schrieb er in seinem 1910 veröffentlichten Essay "Architektur". In diesem Fall tut es das.

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden oder die einfach nicht von dieser Welt sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: 3 Shoebox House, Ljubljana, Slowenien.

Fotostrecke

13  Bilder
Glas und ganz viel Holz: Rundgang durch die Schuhschachteln

Lage: Ljubljana, Slowenien

Zimmerzahl: Vier Schlafzimmer, zwei Bäder, Wohn- und Essbereich, Büro, Küche und Abstellkammer

Garten: Zu dem Haus gehört ein kleiner Garten.

Extras: drei Terrassen und zwei Balkone

Stilfaktor: Die dunkle Holzvertäfelung der Außenfassade bildet einen schönen Kontrast zur alten Bausubstanz. Holz im Inneren, kleine Betondetails und viel Tageslicht runden das Designpaket ab.

Neidfaktor: Also, wir würden hier einziehen.

Wer fühlt sich hier wohl? Eine Familie mit zwei Kindern

Unbedingt mitbringen: Glasreiniger und Holzpolitur

Nachbarn: Die werden Sie häufiger zu Gesicht bekommen. Es sei denn, Sie halten die ganze Zeit die Vorhänge geschlossen.

Unterhalt: Nicht mehr als bei anderen Häusern.

Weitere Infos: Gibt es bei den Architekten von OFIS.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
laxness 14.08.2017
1. warum nur....
....muss moderne Architektur immer so Xeixe aussehen? Decke in Sichtbeton? Nogo! Alles kalt bis eisig designed. Pfuideibel
Tiben 14.08.2017
2.
Schönes Projekt. Die „Gelsenkirchener Barock Foristen" werden es hassen. Wie immer ;)
laxness 14.08.2017
3. im Text stand...
Zitat von TibenSchönes Projekt. Die „Gelsenkirchener Barock Foristen" werden es hassen. Wie immer ;)
"schön" und "gemütlich". Die harten Holzbänke in Resopal-Holzimitation-Dekor sind weder schön und auch mit den Sitzkisschen und ohne Lehne ist das sicher alles andere als bequem.
loeweneule 14.08.2017
4.
Zitat von TibenSchönes Projekt. Die „Gelsenkirchener Barock Foristen" werden es hassen. Wie immer ;)
Immer wieder nett zu lesen, daß Kritiker moderner Architektur als Kitschliebhaber denunziert werden. Für manche Leute gibt es anscheinend nur Schwarz und Weiß.
quila 14.08.2017
5.
Warum setzen sich manche Menschen immer nur mit der Meinung anderer auseinander? Weil sie vielleicht keine eigene haben?
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