Airbnb versus Luxushotels in Paris Wie man sich bettet, so zahlt man

Paris ist die Airbnb-Hauptstadt. Auf der Internetplattform bieten Privatleute nicht nur normale Wohnungen, sondern zunehmend auch teure Luxusappartments an. Das bringt die alteingesessenen Nobelhotels in Schwierigkeiten.

AP

Roberts Wohnung kann sich sehen lassen: 75 Quadratmeter, zwei Schlafzimmer, Klimaanlage und ein "super Blick auf Sacré Coeur", wie der Anbieter auf Airbnb wirbt. 3300 Euro will Robert dafür haben - pro Nacht.

Paris ist die Hauptstadt von Airbnb. Nirgendwo auf der Welt bietet die Plattform mehr Wohnungen an als in der französischen Metropole. 50.000 hat die Nachrichtenagentur Reuters gezählt. Während die meisten davon Städtetouristen mit geringem bis durchschnittlichem Reisebudget ansprechen, hat sich mittlerweile auch ein kleiner Markt für Luxusappartments gebildet. Laut Reuters gibt es bis zu 400 Angebote zu einem Preis von mehr als 500 Euro pro Nacht. Selbst bei mehr als 1000 Euro hat man demnach noch rund 40 Wohnungen zur Auswahl.

Sie konkurrieren mit den stolzen Luxushotels der Stadt. Mit Häusern wie dem Bristol Hotel, wo ein normales 45-Quadratmeter-Zimmer für zwei Personen auch schon mal 1300 Euro pro Nacht kostet. "Der Pariser Markt wird sehr schwierig werden", sagt Didier Le Calvez, Direktor des Bristol Hotels. Für ihn und die Chefs der anderen Pariser Nobelhotels ist Airbnb eine Bedrohung, die auch noch unfaire Vorteile genießt.

Erst kürzlich hat ein neues Gesetz in Frankreich die Untervermietung von Wohnungen neu geregelt. Demnach dürfen die Franzosen ihre Hauptwohnung für bis zu vier Monate im Jahr Gästen anbieten. Obwohl sie auf die Einnahmen Einkommensteuer zahlen müssen, bleiben sie von anderen Steuern und Sozialabgaben verschont, die Hotels leisten müssen.

Airbnb ist sich keiner Schuld bewusst

"Es ist ein Steuerangriff", schimpft François Delahaye, Direktor des Plaza Athenee, eines weiteren Nobelhotels. Und auch Jose Silva vom Four Seasons George V ist eher pessimistisch: "Es ist offensichtlich, dass ein großer Teil unserer Kundschaft die Luxushotels verlassen wird - besonders die Familien."

Die besten Adressen der Stadt haben ohnehin zu kämpfen. Seit in Russland und Brasilien die Wirtschaft eingeknickt ist, kommen weniger reiche Besucher aus diesen Ländern. Einige amerikanische Gäste fürchten seit den Anschlägen vom Januar einen zunehmenden Antisemitismus in Frankreich - und reisen lieber woanders hin.

Im Bristol Hotel sind die Einnahmen im ersten Halbjahr um 20 Prozent geschrumpft. Die Auslastung ging von 69,2 auf 61,2 Prozent zurück. Im Four Seasons George V fiel die Belegungsrate um fünf Prozentpunkte auf 66 Prozent. Und das Plaza Athenee musste im vergangenen Winter sogar die Preise um 20 Prozent senken.

Bei Airbnb glaubt man nicht, dass die Vermietungsplattform an den Problemen der Hotels Schuld sein soll. "Das sind zwei völlig verschiedene Dinge", sagt Nicolas Ferrary, Direktor bei Airbnb Frankreich. Eine Sprecherin des Unternehmens schlägt in dieselbe Kerbe: "Diese Wohnungen werden ausgewählt wegen des einzigartigen Erlebnisses, das sie bieten. Aber das unterscheidet sich weiterhin sehr von dem, was ein Luxushotel einbringen kann."

Die Betreiber der Hotels sind sich da nicht so sicher.

stk/Reuters

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Seite 1
MoorGraf 09.08.2015
1. Steuerangriff?
na ja, faktisch glaub ich das nicht; wenn ich meine Wohnung auf AirBnB vermiete und damit 500€ einnehme (für 5 Nächte), zahle ich auf die 500€ eben Einkommenssteuer, je nach Steuerklasse 20-50%, macht also 100-250€ ein Hotel zahlt 20% MWSt (erspart mir die einzelnen Prozente, es geht nur um die Größenordnung), darf dafür aber eigene MWSt absetzen, also z.B. auf Baukosten, Bettwächse etc.; wenn die Hälfte der Kosten beim Hotel auf Lohn gehen, die andere Hälfte auf Personal bleiben effektiv 50€ MWSt von den 500€ übrig. 250 gehen auf´s Personal, dafür zahlt das Hotel 40% SV Beiträge (ja ja, nur die Hälfte, die andere Hälfte wird vom Lohn abgezogen, aber aus Sicht des Staates kommen von den 500€ eben 100€ als SV Beiträge an); macht das Hotel nach Abzug der Kosten für Lohn, Bau und Material Gewinn? vielleicht 100€? davon müsste das Hotel dann Einkommenssteuer (Gewerbesteuer) zahlen, liegt bei 30-50%, kommen also nochmal 30-50€ obendrauf, macht also 180-200€ Abgaben; also im Vergleich zwischen Privatperson schneidet das Hotel bei der Staatsabgabe normalerweise nicht schlechter ab, zumal ich ja auch SV Beiträge entrichte, wenn ich nicht selber die Wohnung sauge etc... Letztlich ist das nur ein weiterer Baustein von Shared Economy, wer seine Wohnung untervermieten möchte, trtitt damit in Konkurrenz zu den Hotels, aber das ist eigentlich ein anderer Markt: Hotels haben gescheites Frühstück, Check-In Schalter, Versicherungen bei Einbruch etc. und es wird maximal im Privatbereich Hotelgäste geben, die über AirBnB nachdenken.
licorne 09.08.2015
2. Die Share Economy
ist nicht mehr aufzuhalten. Mitfahrportale, Uber, Airbnb. Bei den horrenden Preisen in Paris können sich so auch Familien einen Ausflug in die Hauptstadt leisten und Wohnungsinhaber etwas dazuverdienen. Beiden ganz teuren Objekten übernachten Menschen, die sich frei bewegen möchten. Das bringt eher mehr Menschen nach Paris, die, die es sonst nicht bezahlen können oder die, die sich im Hotel unwohl fühlen. Am Ende des Jahres erhält der Vermieter von Airbnb eine Zusammenstellung der Einnahmen für die Steuererklärung. Mieter dürfen ihre Wohnung allerdings nicht ohne Genehmigung des Vermieters untervermieten.
hansdampf01 09.08.2015
3.
Zitat: "Amerikanische Gäste fürchten seit den Anschlägen vom Januar einen zunehmenden Antisemitismus in Frankreich - und reisen lieber woanders hin." Sie meinen sicher jüdische Gäste, oder?
Rotter 09.08.2015
4. Ich vermisse,
wieviel das selbstlose Airbnb damit für praktisch nix verdient.
sigma55 09.08.2015
5. Für mich liest sich das
Wie der Vergleich zwischen Pest und Cholera. Dekadent und ziemlich daneben, allesamt.
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