Neues Apple-Hauptquartier Das Ufo ist gelandet

Die Firmenzentrale Apple Park mit dem riesigen kreisrunden Hauptgebäude ist fast fertig. Laut dem verstorbenen Firmenchef ist es das "beste Bürogebäude" der Welt. Teile davon sind made in Germany.

AFP

Endlich ist es so weit. Apple öffnet seinen neuen Campus in Cupertino erstmals für die Öffentlichkeit. Zumindest einen Teil davon dürfen Journalisten und Blogger am Dienstag betreten, wenn das neue iPhone vorgestellt wird. Die Präsentation wird im "Steve Jobs Theater" stattfinden, ein unterirdischer Vortragssaal etwas abseits des riesigen Bürogebäudes, das schon bald für mehr als 12.000 Menschen Arbeitsplatz sein wird.

Abgeschirmt wird das Theater von einem sieben Meter hohen Glaszylinder mit Karbondach. Das weltweit größte Karbondach, um genau zu sein. Drunter machen sie es bei Apple nicht. Um das 65 Tonnen schwere Dach zu halten, wurden 44 gebogene Scheiben eingebaut. Dass die Fassade diese Last ohne zusätzliche Stützen tragen kann, liegt an der Technik des Südtiroler Fassadenspezialisten Frener und Reifer.

Für das Design war Pritzker-Preisträger Norman Foster verantwortlich. Er hat auch das eigentliche Hauptquartier in Form eines Rings gebaut, nach ganz konkreten Vorstellungen von Steve Jobs. Der Apple-Guru wollte einen Ort, an dem er alle seine Mitarbeiter versammeln kann. Ein Gebäude, das zu Begegnungen zwingt, in dem Menschen sich über den Weg laufen, sich gegenseitig inspirieren. Allein das Hauptgebäude ist mehr als 260.000 Quadratmeter groß und bietet Platz für mehr als 12.000 Mitarbeiter.

Steve Jobs lieferte die Vision. Um die Feinheiten kümmerte sich ein Team aus zeitweise 250 Architekten. Denn der Apple-Gründer wollte nicht irgendein Bürogebäude, genauso wenig wie er zeitlebens irgendein Design wollte. Bei der Vorstellung des Projekts im Stadtrat von Cupertino, Jobs letzter öffentlicher Auftritt vor seinem Krebstod im Oktober 2011, kündigte er nicht einfach einen Neubau für seine Mitarbeiter an. Nein, er versprach "das beste Bürogebäude der Welt". Bevor es also nur noch um die neuen Apple-Produkte geht, noch ein kurzer Blick auf das futuristische Gebäude mit seinen vielen Superlativen.

Made in Germany

Zunächst wären da die 13,7 Meter hohen Glasfenster, die den gesamten Ring verkleiden - auf der Innen- und auf der Außenseite. Es handelt sich laut "Wired" um das stärkste und größte Glas der Welt. Made in Germany. Der schwäbische Mittelständler Seele war als einziger Glas- und Fassadenspezialist in der Lage, die 800 benötigten Bauteile zu produzieren - und entwickelte dafür gleich mal einen neuen Ofen.

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Neue Zentrale: So sieht das Apple-Ufo aus

Ebenfalls ihresgleichen suchen die Türen der Cafeteria. Wobei sowohl Türen als auch Cafeteria vielleicht nicht unbedingt die richtigen Begriffe sind. Vierstöckiger Gourmettempel mit Platz und Nahrungsangebot für 4000 Menschen trifft es besser. Bei den Türen handelt es sich eher um Tore, flugzeughangargroße Tore. 25 Meter hoch, knapp 16 Meter breit und jede zwei Tonnen schwer. Natürlich ebenfalls komplett aus Glas. Denn Steve Jobs liebte Glas. Glas und Hightech. Aus diesem Grund lassen sich die Tore automatisch zur Seite schieben. Vollkommen geräuschlos soll sich Kantine dann zu den Gärten öffnen.

Neben Glas hatte der Apple-Gründer außerdem eine Vorliebe für Holz, Stein und Stahl. Natürlich nicht für jedes Holz, irgendeinen Stein oder x-beliebigen Stahl. Die beteiligten Architekten erinnerten sich im Gespräch mit dem "Wired"-Autor Steven Levy daran, dass es für die Büros unbedingt speziell gesägtes - wagenschott geschnitten - Holz von im Winter gefällten Bäumen sein musste, weil es dann am wenigsten im Saft steht. Der Stein für das Yoga-Center musste dem ähneln, der in Jobs Lieblingshotel verbaut ist.

Sonderwünsche wie diese waren es, die auch Apple-Chefdesigner Jonathan Ive eng an das Projekt banden. Er entwarf gemeinsam mit den Architekten zahlreiche Details des Gebäudes. Zum Beispiel die Überdachung am Ende eines jeden Stockwerkes. Jobs wollte die eigentlich gar nicht haben, aber ein Glasgebäude komplett ohne Sonnenschutz an den Außenwänden ist dann doch keine so geniale Idee. Also entwarf Ive schicke Schattenspender. Um die Produktion musste sich dann wieder Seele kümmern.

Garten mit Jobs Lieblingspflanzen

Neben der Gebäudearchitektur hatte sich der Auftraggeber auch über die Landschaftsplanung Gedanken gemacht. Die Apple-Mitarbeiter sollten gefühlt im Freien arbeiten und wenn sie Inspiration oder Ruhe brauchen, schnell in der Natur sein können. Deswegen werden bis zur Fertigstellung des Gebäudes rund 9000 Bäume gepflanzt worden sein, innerhalb des Rings und davor. Hauptsächlich solche, die Jobs aus den Obstgärten seiner nordkalifornischen Heimat in Erinnerung hatte.

Auch wenn noch nicht alles fertig ist, Steve Jobs und Norman Foster haben mit diesem Gebäude Maßstäbe gesetzt. Es ist mit kolportierten fünf Milliarden Dollar nicht nur teurer als das neue World Trade Center und gehört zu den größten der Welt, es ist quasi das letzte Produkt, das der Fantasie des Apple-Gründers entstammt. Bleibt abzuwarten, ob sein Nachfolger Tim Cook später auf der Bühne auch so etwas Wunderbares präsentieren kann. Mein Kollege Matthias Kremp berichtet für Sie ab 19 Uhr live aus dem brandneuen Steve Jobs Theater direkt am Apple Park. Was an Neuheiten zu erwarten ist, lesen Sie hier.

löw

insgesamt 2 Beiträge
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tommirf 14.09.2017
1. Ist das schon der Circle
von dem Dave Eggers in seinem Roman schreibt? Die Ansätze in der Denkweise sind durchaus erkennbar... Nach dem Roman bin ich gespannt auf den film, der in ein paar Wochen rauskommt.
Papazaca 15.09.2017
2. Warum denke ich ans Pentagon und Menschen, die auf Displays starren?
Norman Foster ist sicher einer der großen Architekten und kein Dekorateur. Und Ive ein großer Designer. Und die Gebäude sind visuell und konzeptuell beeindruckend. Trotzdem denke ich ans Pentagon. Ist das hier nur ein subtileres Machtsymbol? Wenn man weltweit Menschen durch die Gegend stolpern sieht, mit festem Blick aufs Smartphone, muß was bahnbrechendes passiert sein. Wenn Absurdität zum Alltag wird, erinnert so ein Bau daran, wo das alles herkommt. Sieht richtig aus, wie die I phones. Übrigens, ich hab auch eines ....
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