Fotokunst Star-Verschnitt

Sieht aus wie Angelina Jolie, sind aber mehrere Chinesen. Der Künstler Zhang Wei montiert aus den Gesichtern seiner Mitmenschen täuschend echte Porträts von Stars. Doch etwas fehlt den Kopien.

Zhang Wei

Sexueller Frust und viel Zeit vor dem Computer lieferten dem chinesischen Künstler Zhang Wei die Anregung für sein Projekt "Artificial Theater". Ab 2008, so schreibt Zhang auf seiner Website, habe er das Erotikspiel "Artificial Girl 3" gespielt. Teil des Gameplays ist die Erschaffung eigener Spielfiguren.

Inspiriert von der Erschaffung künstlicher Wesen am Monitor beginnt er, aus Bildausschnitten unterschiedlicher Fotografien Gesichter zu montieren: "Die Erfahrung aus diesen zwei Jahren brachte mich auf die Idee, eine künstliche Person oder gar eine virtuelle Welt zu kreieren."

Das Rohmaterial dafür lieferte ihm eine seiner vorherigen Arbeiten, für das Projekt "Temporary Performers" fotografierte Zhang mehr als 300 Chinesen, vor allem Wanderarbeiter aus der Provinz. In deren Physiognomie suchte er nun die Bauteile für seine Porträts. Aus den Bildschnipseln lässt er später am Rechner die Gesichter bekannter Persönlichkeiten rendern.

Zhang, der im Hinterhof eines Kinos in Peking lebt, beobachtet mit Unbehagen, wie sich westliche Einflüsse und die Kultur seiner Heimat vermischen. Viele Chinesen eiferten einem Schönheitsideal nach, das in Hollywood erschaffen wurde, kritisiert er. Zhang nennt es "Fast-Food-Ästhetik".

Auf den ersten Blick sehen Zhangs Fotos ihren realen Vorbildern zum Verwechseln ähnlich. Doch ein wichtiges Detail fehlt: die menschliche Ausstrahlung. Zhang möchte die Menschen "durch diese kalten, manipulierten Bilder warnen, dass jeder in unserer Gesellschaft nur eine Rolle spielt".

löw

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