Bau-Projekt in russischer Hauptstadt Moskaus schwebende Siedlung

Die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron gestalten eine Industriebrache in Moskau neu. Aus einer ehemaligen Brauerei soll eine schwebende Siedlung werden - mit Blick auf Stalins Kathedralen.

Herzog & de Meuron

Jacques Herzog und Pierre de Meuron haben ihre Entwürfe für die Neugestaltung und Weiterentwicklung der ehemaligen Badaevskiy Brauerei in Moskau veröffentlicht.

Sieben Kilometer vom Kreml entfernt möchte das Architekten-Duo ein "Stück Stadt in die Luft heben". So beschreiben die Schweizer ihre Pläne für einen Stelzenbau auf der rund sechs Hektar großen Industriebrache im Zentrum der russischen Hauptstadt.

Seit der Schließung der Brauerei im Jahr 2000 ist die Anlage mehr und mehr verfallen. Von den zwischen 1875 und 1912 hochgezogenen Hauptgebäuden stehen nur noch zwei: Ein Backsteinbau im Stil des Sozialistischen Klassizismus auf dem östlichen Ende des Areals und eine Reihe kleiner Gebäude mit Getreidesilos im Westen. Diese Teile sind denkmalgeschützt und müssen erhalten bleiben.

Das mittlere Stück der Anlage fehlt und soll mithilfe alter Pläne nachgebaut werden. Auch die alte monumentale Fassade soll wiederhergestellt werden. Gemeinsam werden die drei Bauten das Herzstück der Anlage bilden. Dazwischen soll Platz für eine Parkanlage sein - und für die riesigen Stelzen, auf denen am Ende der Neubau ruhen soll.

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Fotostrecke: Die schwebende Siedlung von Moskau

"Wir haben alle möglichen Gebäudetypen ausprobiert, aber was immer wir auch versuchten, es fühlte sich falsch an", schreiben Herzog & de Meuron in einer Pressemitteilung. Jegliche größere Konstruktion am Boden hätte die Anlage in einen vorderen und einen hinteren Part geteilt und die verfügbare Grünfläche zu sehr verkleinert. Also beschlossen sie, ihr Gebäude in die Luft zu heben.

Allerdings hätten sie anfangs gezögert, ein Haus zu bauen, das dem ikonischen "Wolkenbügel" des Avantgardisten Eliezer "El" Lissitzky zu sehr ähnele. Für Herzog & de Meuron "eines der kühnsten Symbole der russischen Avantgarde". Lissitzky hatte 1924 eine völlig neuartige Form für ein Bürogebäude entworfen: Ein über zwei Pfeilern gelegtes, hufeisenförmiges Bürogebäude als Antithese zum kapitalistischen Wolkenkratzer. Lissitzkys Vision wurde allerdings nie Wirklichkeit.

"Wolkenbügel" von El Lissitzky
Getty Images

"Wolkenbügel" von El Lissitzky

Im Vergleich zu Lissitzkys Monumentalbau wirkt der Entwurf der Schweizer sehr viel leichter und weniger dynamisch: "Das Gebäude fliegt nicht, es sitzt viel mehr auf vielen dünnen Stelzen wie eine Lodge im Wald."

Durch die 35 Meter hohe Stelzenkonstruktion kämen außerdem die Vorteile ihres Entwurfs optimal zum Tragen, so Herzog & de Meuron:

  • eine neue Grünanlage zwischen den alten Gebäuden und unterhalb des Neubaus
  • die historischen Gebäude behalten ihre optische Verbindung zur Moskwa und zum Stadtkern
  • alle Wohnungen im Neubau bekommen einen unverbaubaren Blick über die Sieben Schwestern, Stalins Kathedralen im Zentrum Moskaus.

Die Luxusbuden mit Traumblick nennen Herzog & de Meuron "Sky Villas" wie bei ihrem superschlanken Wolkenkratzer in New York.

Die anderen drei Gebäude am Boden sollen als Gewerbeimmobilien genutzt werden. Das 20.000 Quadratmeter große Ostgebäude ist für eine Foodcorner, Modegeschäfte, ein Konferenzzentrum und ein Fitnessstudio vorgesehen. Am anderen Ende des Areals, wo noch mal 15.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen, sollen sich ebenfalls Betriebe einmieten. Dazwischen, im neuen alten Kernstück, soll eine Brauerei unterkommen, so wie früher.



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