Arbeiten im Gotteshaus Hau rein, Kapelle!

Ora et labora, bete und arbeite - in diesem belgischen Architekturbüro ist's möglich. Ursprünglich war das Gebäude ein Gotteshaus. Einen Altar und ein Kreuz gibt es immer noch, mit neuen Funktionen.

Gregory Nijs, Klaarchitectuur/ Foto: Valerie Clarysse

Aus einem verwitterten Bau, der jahrelang leer stand, hat der Architekt Gregory Nijs das Zuhause für seine Firma gemacht. Aus der ehemaligen Kapelle De Waterhond entwickelte er in etwas mehr als zwei Jahren einen modernen Bürokomplex. Komplex in dem Sinne, dass in dem hohen Längsbau der Kapelle mehrere Bürowürfel übereinander gestapelt wurden.

Diese Herangehensweise hatte gleich mehrere Vorteile: Zum einen wollte Nijs eine große Freifläche erhalten, die er unterschiedlich nutzen und auch vermieten kann. Viel wichtiger sind aber die dadurch eingesparten Heizkosten. Die gestapelten Bürocontainer ermöglichen es, die Arbeitsplätze und Konferenzräume warm zu halten, ohne den gesamten Innenraum beheizen zu müssen. Auch eine nachträgliche Isolierung machte die Raum-im-Raum-Konstruktion überflüssig.

Betreten werden die vier übereinanderliegenden Kuben über eine außenherum laufende Treppe oder einen Aufzug. Ganz unten liegen die Toiletten und der Technikraum. Im ersten und zweiten Stock stehen Schreibtische für die zehn Angestellten des Architekturbüros Klaararchitectuur. Unter dem Dach und darüber hinaus wurde ein Empfangs- und Besprechungszimmer hingestellt, es ragt seitlich aus dem Dach heraus.

Fotostrecke

8  Bilder
Ora et labora: Rundgang durch die Architektenkirche

Der Dachdurchbruch war die einzige gestalterische Maßnahme, die der Denkmalschutz für das mehrere Hundert Jahre alte Gebäude in der Breendonkstraat 41 erlaubte. Gregory Nijs war übrigens nicht der Erste, der den Bau umwidmete. Bevor im 16. Jahrhundert die Kapelle eingeweiht wurde, handelte es sich vermutlich um eine Scheune. Der Backsteinchor wurde erst im 19. Jahrhundert errichtet.

In seinem Konzept bezieht sich der Architekt auf die beiden früheren Verwendungszwecke: Die sichtbare Eichendachkonstruktion verweist auf den ehemaligen Heuboden; die Zierpfeiler, die Bögen und das Gewölbe im Chor erinnern an die Nutzung als Sakralbau. Ein goldener Küchenblock ersetzt den Altar, die Küchengeräte sind in einem großen Kreuz untergebracht. Ora et labora waren nie einfacher.

löw



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Alien1503 09.11.2017
1.
Die Kombination von Altem mit Neuem ist immer ein gewagtes Spiel. Sie muss gut ausgeführt werden. Gerade solche Dinge, wie der Dachdurchbruch, geben dem Ganzen die ganz besondere Note, die mir gefällt. Ein auch sehr gelungenes Beispiel ist der Wiederaufbau des Klosters Volkenroda in Thüringen unter Verwendung des Christus - Pavillons der Expo Hannover.
Papazaca 10.11.2017
2. Bei der Nutzung von Kirchen habe ich komische Gefühle
Der Innenausbau sieht ja ganz gut. Der Dachdurchbruch,hmm Die Nutzung des Kreuzes fand ich schon komisch. Rational ist eine eine Kirche natürlich nur ein Gebäude. Emotional stimmt das natürlich nicht. Ich denke dann aber auch an den Niedergang der Kirche. Und obwohl ich Atheist bin ist das auch ein Verlust, so wie der Niedergang von Gewerkschaften, Großfamilien, Vereinen und sonstigen althergebrachten Strukturen. Ich habe keine Probleme mit afrikanischem Voodoo und Juju. In einer Kirche mit anderer Nutzung würde ich mich nicht wohlfühlen. Erinnert mich nachhaltig an die Misere der Kirche.
Q16 10.11.2017
3. Kein Titel
Zitat von PapazacaDer Innenausbau sieht ja ganz gut. Der Dachdurchbruch,hmm Die Nutzung des Kreuzes fand ich schon komisch. Rational ist eine eine Kirche natürlich nur ein Gebäude. Emotional stimmt das natürlich nicht. Ich denke dann aber auch an den Niedergang der Kirche. Und obwohl ich Atheist bin ist das auch ein Verlust, so wie der Niedergang von Gewerkschaften, Großfamilien, Vereinen und sonstigen althergebrachten Strukturen. Ich habe keine Probleme mit afrikanischem Voodoo und Juju. In einer Kirche mit anderer Nutzung würde ich mich nicht wohlfühlen. Erinnert mich nachhaltig an die Misere der Kirche.
Sehe ich ähnlich. Ich bin zwar kein religiöser Mensch, aber ich respektiere alte Kirchen. Unzählige Menschen haben jahrzehnte- oder gar jahrhundertelang an diesen Orten gemeinsam oder allein ihre Andachten abgehalten und ihre Nöte offenbart. Das ist etwas anderes als ein alter Bahnhof etc. Den Ersatz von Altar und Kreuz durch eine ähnlich gestaltete Küchenzeile empfinde ich als absolut geschmacklos. Wenn man die alten stabilen Mauern noch nutzen kann und will, dann soll man das eben tun. Aber dann soll bitte auch alles, was an die religiöse Vergangenheit erinnert, entfernt werden. Und nicht durch profane "boah-bin-ich-hipp"-Elemente in's Lächerliche gezogen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.