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Nobi Talai auf der Berliner Fashion Week: Die Großstadtnomadin

Von Stephanie Beckmann

Designerin Nobieh Talaei: Reduktion des Ethno-Chics Fotos
Stefan Kraul

Das Modelabel Nobi Talai wird als neues Aushängeschild für Mode "Made in Germany" gefeiert. In ihrer Mode mischt die Chefdesignerin persische Tradition mit Berliner Schlichtheit.

In einem Berliner Hinterhof in der Auguststraße herrscht Bienenstockatmosphäre. Das Fitting für die Show des Labels Nobi Talai ist in vollem Gang. Models schreiten durch den Raum, kritische Blicke begleiten sie, letzte Handgriffe sorgen für den perfekten Sitz der Kleider am Körper. Die Running Order wird festgelegt: Wer läuft als erstes, wer schließt die Show?

Am Dienstag muss alles perfekt sein. Dann wird die Designerin ihre Herbst/Winter-Kollektion 2016/17 dem Fachpublikum bei der Berliner Fashion Week präsentieren. Die Modewoche startet an diesem Montag, bis zum 22. Januar sind über 70 Modenschauen, Präsentationen und Defilees zu sehen, 200.000 Besucher werden in der Hauptstadt erwartet.

Und längst konzentriert sich nicht mehr alles im Fashion Zelt am Brandenburger Tor oder auf den Messegeländen der "Premium" und Co. Ein weiterer Standort rückt ins Zentrum des Spektakels: das Kronprinzenpalais Unter den Linden. Der spätklassizistische Bau beherbergt seit 2014 den Berliner Modesalon, eine kuratierte Plattform für herausragende junge sowie etablierte Designer.

Hier zeigt auch Nobieh Talaei, die ihren Namen für ihr Label typografisch ein wenig vereinfachte, zum zweiten Mal ihre Entwürfe. Doch im Vergleich zu ihrem Debüt vor einem halben Jahr ist nun alles anders: Nobieh Talaei, 37, wird als neues Designtalent gefeiert und startet international durch.

Allein mit ihrem Web-Auftritt und ein paar Test-Looks machte sie "Vogue"-Chefin Christiane Arp im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam. Die lud Talaei umgehend zur Präsentation in den Berliner Modesalon während der Fashion Week im Sommer ein. "Wir mussten die Frühjahr/Sommer-Kollektion quasi innerhalb von drei Wochen fertig stellen", sagt die Jungdesignerin.

Der Stress sollte sich lohnen. Zusammen mit Designerin Marina Hoermanseder wurde Nobieh Talaei als erster Mentee in das 2015 lancierte Förderprogramm des Fashion Council Germany aufgenommen. Es folgte eine Präsentation zur Fashion Week in Paris, ein Treffen mit Karl Lagerfeld - jetzt ist die Aufmerksamkeit des gesamten deutschen Modepublikums auf sie gerichtet.

Kein Grund zur Panik. Talaei wirkt bodenständig, aber sie ist sich ihrer Sache sicher. In ihrem Refugium in der Auguststraße befinden sich Atelier, Werkstatt, Büro und Showroom auf zwei Etagen. Hier arbeitet Talaei in einem Team von mittlerweile sechs Mitarbeitern: Schneider, Näher, Pressearbeit, Assistenz.

Urban und nicht unbedingt sesshaft

Unaufdringlich, aber prägnant fügen sich antike Fundstücke wie eine Holzbank und ein textiles Wandgemälde in die puristische Atmosphäre der Räumlichkeiten. In einem Pariser Auktionshaus fand sie außerdem persische Nomadengewänder - die fortwährende Inspirationsquelle ihrer Arbeit.

Doch statt folkloristischem Ethno-Chic strahlen ihre Entwürfe einen ultramodernen Minimalismus aus. Das Prinzip der Vereinfachung und Reduktion, dem die Designerin schon bei der Namensgebung ihres Labels folgte, gilt auch im weitesten Sinne für ihr Schaffen. Talaei entwirft Mode für Großstadtfrauen, inspiriert von persischen Nomaden und deren traditioneller Handwerkskunst.

Die Einfachheit ihrer Entwürfe besteht in der archetypischen Linienführung, den fließenden Stoffen und den für Nomaden typischen Wickeltechniken und Knotenbindungen, die sich der individuellen Körperform und den übereinander getragenen Lagen anpassen. Statt bunt gemustert sind die einzelnen Teile auf monochrome Erdfarben reduziert. Hochwertige Stoffe wie Veloursleder lassen Röcke und Jacken weich fallen; an anderer Stelle sorgt fester Leinen für den nötigen Stand und eine architektonische Silhouette. So entsteht ein völlig neuer Look - urban und immer noch dazu bereit, einer nicht unbedingt sesshaften Lebensweise zu folgen.

Die ersten Entwürfe waren gleich ein Volltreffer

Talaei kam mit elf Jahren von Teheran nach Berlin. Das handwerkliche Geschick erbte sie von ihrer Großmutter, die früher die Hochzeitskleider für die gesamte Nachbarschaft schneiderte. Auch Nobieh Talaei - ihr Vorname bedeutet übrigens soviel wie Neuheit - entschied sich für die Handwerkskunst, beließ es aber nicht beim Schneidern. Nach ihrem Abschluss an der Berliner Modeuniversität Esmod 2003 sammelte sie Erfahrungen bei diversen Luxusbrands und im Interieurbereich, wo sie sich von der Bauhaus-Ära, der Neuen Sachlichkeit und den skandinavischen Designern der Fünfzigerjahre inspiriert sah.

Ein paar Jahre tüftelte sie an der Verbindung all dieser Einflüsse, um mit ihren ersten Entwürfen gleich die deutsche Modegröße Christiane Arp zu begeistern. Die Mitbegründerin des Berliner Modesalons rief gemeinsam mit Branchenexperten im vergangenen Jahr außerdem den Fashion Council Germany ins Leben. "Durch die Berufung in das Förderprogramm haben wir wertvolle Kontakte geknüpft", sagt Talaei. Im Mentorenkreis sitzen Experten aus Wirtschaft, Medien und Handel. "In Workshops können wir unter anderem unternehmerische Fragen und Strategien mit unseren Mentoren besprechen und erfahren direktes Feedback."

Wie sich Talaeis aktuelle Entwürfe vor großem Publikum machen, wird sich am Dienstagvormittag zeigen: Dann zeigt sie ihre Runway Show.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Berliner Schlichtheit
mupark 18.01.2016
was issn das ?
2. Nicht vertretbar
Malshandir 18.01.2016
Die Mode mag gut sein, aber es ist nicht vertretbar, dass SPON diese hier praesentiert, wenn dafuer Hungermodels verwendet werden. Sonst regt sich ja SPON ueber alles politisch inkorekte auf, aber hier versagt SPON.
3. Magersucht
habo10 19.01.2016
Die Mädels gehören in ein Krankenhaus, nicht auf den Laufsteg. Verwerflich das ihr für sowas auch noch Werbung macht.
4. Hm
troy_mcclure 19.01.2016
Ich kenne einige schlichte Berliner, die Berliner Schlichtheit selber habe ich noch nirgendwo erkannt.
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