Fashion Week Berlin Weniger ist mehr

Mit Shows von Bogner und Odeeh hat am Montagabend die Modewoche in der Hauptstadt begonnen. Ganz große Namen sind in diesem Jahr nicht dabei, aber das macht nichts. So bleibt mehr Aufmerksamkeit für junge Talente.

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Mit Schauen des Modelabels Bogner und des Designerduos Odeeh hat am Montagabend in Berlin die Fashion Week begonnen. Gezeigt werden die Kollektionen für den kommenden Herbst.

Bei Bogner trugen die Models große Fellmützen, kniehohe Boots und die typischen gesteppten Daunenjacken - in knalligem Gelb oder mit Camouflageprint. Manche der Models trugen die Jacken auch mit Schulterriemen am Rücken. Das ist praktisch, wenn einem in den Bergen mal heiß werden sollte, getragen über einen eleganten Blouson wie in Berlin, sieht das aber eher komisch aus. Für den schicken Après-Ski gedacht sind auch bauchfreie Tops und Fellstiefel. Bogner wolle die Verbindung von Sport und Mode neu interpretieren, sagte der neue Chef des Labels, Andreas Baumgärtner, über seine "Alpine Clubbing" betitelte Show.

Sehr viel luftiger ging es bei Otto Drögsler und Jörg Ehrlich zu. Die beiden Designer hinter dem Label Odeeh präsentierten ihre aktuellen Entwürfe auf der Bühne der Berliner Festspiele, wobei die Models zu Beginn im Zuschauerraum aufgestellt waren. So gab es gleich zu Beginn ein schönes Gruppenbild, das die Kollektion in all ihren Farben zeigte: Gelb, Grün, Blau, Violett, Ocker, hier und da ein bisschen Denim, vor allem aber wunderschöne grafische Textildesigns - eine Spezialität der beiden Designer, die seit Jahren Tücher mit alten Mustern sammeln.

Der Eröffnungslook, ein violettes, weit geschnittenes Kleid mit halblangen Ärmeln unter denen gemusterte Kimonoärmel hervorschauten, zeigte gleich, wo die Reise hingeht: Im Herbst trägt die Odeeh-Frau den angesagten Layeringlook, also mehrere Schichten übereinander. Kleid über Bluse, Rock über Hose - Zwiebeltechnik mal anders. Die Schnittführung ist mal wieder tadellos, hier zeigen sich Ehrlichs Wurzeln in der Herrenschneiderei. Jacken, Mäntel, Hosen, es passt einfach alles. Sehr schön waren auch die dekorativen Schleifen, ob groß, vorne am Kragen oder eher filigran am Rücken gebunden. Eine rundum gelungene Kollektion.

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Fast schon einen modischen Overkill gab es dann am späteren Montagabend im Umspannwerk. Hierhin hatten die Modestudiengänge der Hochschulen FH Bielefeld, HAW Hamburg, HFK Bremen und HTW Berlin geladen, um die Abschlusskollektionen ihrer besten Studenten vorzuführen. Vier Hochschulen, 45 Absolventen - macht fast zwei Stunden Modenschau "Neo.Fashion". Doch das Warten hat sich gelohnt. Gezeigt wurde Modedesign auf hohem Niveau - facettenreich und innovativ. Manches war zwar sehr experimentell und keinesfalls alltagstauglich, aber darum geht es ja auch nicht unbedingt.

Besonders viel Beifall für ihre Ideen bekam Atafeh Farzandi von der HTW Berlin. Inspiration für ihre Bachelorkollektion mit dem Titel "Paradox" lieferte ihr die Kultur ihres Heimatlandes Iran. Als Muster dienen ihr persische Schriftzeichen, Blumenranken und astronomische Symbole. Aus alten Stoffen und modernen Material-Techniken schaffte sie eine sehenswerte Verbindung zwischen Tradition und Moderne. Highlight war ein Kleid mit Cape, das sich zu einer Schleppe ausklappen lässt. Diese Frau muss sich hoffentlich keine Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen.

So geht es weiter

Das neue Konzept der Berliner Modewoche sieht ja mehr Mode und weniger Promiauflauf vor. Ganz ohne bekannte Gesichter geht es aber dann doch nicht. Ein Promi aus Amerika wird am Dienstag bei Marc Cain erwartet. Sarah Rafferty, die in der US-Serie "Suits" die Donna spielt, soll in der ersten Reihe sitzen, wenn einer der großen deutschen Anbieter von Damenmode am Abend seine neuesten Entwürfe zeigt.

Interessant dürfte auch die Show von Kilian Kerner werden, der nach drei Jahren Pause eine neue Kollektion gemacht hat und auf die Fashion Week zurückkehrt. Unter dem Motto "Großstadtleben" zeigt Kerner neues seiner Linie KXXK. Angekündigt sind rund 30 Ready-to-wear-Teile für Frauen und Männer.

mit Material von dpa



insgesamt 3 Beiträge
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dasfred 15.01.2019
1. Sofort eine Idee abgekupfert
Diese Schulterriemen für die dicke Jacke sind endlich mal was für mich. Raus aus der Kälte, rein ins Warme und nirgends die Möglichkeit, die Jacke unterzubringen. Statt über den Arm einfach über die Schulter.
Papazaca 15.01.2019
2. Und was ist mit dem Trump-Mantel?
Zitat von dasfredDiese Schulterriemen für die dicke Jacke sind endlich mal was für mich. Raus aus der Kälte, rein ins Warme und nirgends die Möglichkeit, die Jacke unterzubringen. Statt über den Arm einfach über die Schulter.
Gut, dann werde ich Dich unweigerlich an diesen Schulterriemen erkennen, wenn ich mal irgendwann nach Hamburg kommen sollte ... der Stadt meiner früheren Untaten .... Aber der Trump- Mantel war Dir keine Erwähnung wert? Auffallen? Provokation? Schlechter Geschmack? Oder erneuert Höcke seine Garderobe?
dasfred 16.01.2019
3. Zu Nr.2 Papazaca
Der Trump Mantel geht nun gar nicht. Der ist Kategorie: Wenn nix mehr geht, geht Provokation. Vielleicht kann der Designer das Modell an die US Grenztruppen verkaufen. Zur Abschreckung.
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