"Berry Burger" Kindergeburtstagsdessert für Erwachsene

Der Oktober naht und mit ihm die Backzeit. Doch bevor der große Backwahn beginnt, beenden wir den Sommer und die BBQ-Saison stilgerecht: Mit einem hochprozentigen Beeren-Burger.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


An der kalendarischen Nahtstelle zwischen Grill und Backofen erscheinen bereits die ersten einschlägigen Backbücher der Herbst/Winter-Saison. Zwei davon sind wirklich brauchbar, mit dem dritten Buchtipp soll noch mal kurz zurückgeblickt werden auf die Saison, in der wir unsere Burger auf den glühenden Rost legten.

Nach den Kuchen aus der Pfanne und den Broten, deren Teig so gut wie nicht geknetet werden muss, ist der Kopfstand der neue Mega-Trend in internationalen Backwerkkreisen. Meint zumindest die französische Zuckerbäckerbloggerin Christelle Huet-Gomez und hat mit "Gâteaux renversés" gleich ein Büchlein mit Rezepten, die der Strategie der klassischen Tarte Tatin folgen, geschrieben. Als "Kuchen steht Kopf!: 33 Rezepte für Upside Down Cakes" ist es nun auch in Übersetzung erschienen.

Fotostrecke

6  Bilder
Fotostrecke: Süßer Burger mit Beeren-Patties

Das Prinzip ist bei allen 33 Rezepten identisch: Backform unten mit Karamell oder Vollrohrzucker füllen, Früchte auflegen, mit Teig auffüllen, backen, sofort auf Kuchenplatte stürzen und dann die moralische Reife aufbringen, nicht alles schon zu verputzen, bevor der Kuchen abgekühlt ist. Denn Huet-Gomez Tatin-Varianten brechen sofort den Widerstand auch des hartgesottenen Kuchenfeindes: Ananas/Vanille/Rum nach Antillen-Art, Birne/Honig/Haselnuss, Mirabelle/Zitronenverbene oder Feige/Pekanuss - alles verdammt lecker und auch für notorische Backpflaumen gelingsicher.

ANZEIGE
Christelle Huet-Gomez, Akiko Ida (Fotograf):
Kuchen steht Kopf!

Übersetzung: Karen Gerwig

Jan Thorbecke Verlag, 72 Seiten;

Die "Geling-Garantie" war schon von Beginn an das Markenversprechen von "Dr. Oetker" und der Kochbücher aus diesem Hause. Dies behaupten auch die Rezeptautoren für die altehrwürdige und seit kurzem wieder kundig auf den neuesten Stand gebrachten Reihe der Koch- und Backbücher "Von A-Z" . Wer jetzt also schon mal üben möchte, um im Dezember dann mit "Honigkuchen-Nikoläusen", "Backpflaumenstriezel", "Erdnussschnecken" und "Snow Kisses" bei Schwiegermutter oder Elternabend zu punkten, kann das klassische Plätzchen- und Adventskuchen-Alphabet mit Hilfe von "Weihnachtsbacken von A-Z" runterbacken.

ANZEIGE
Dr. Oetker:
Weihnachtsbacken von A-Z

Dr. Oetker/ZS Verlag, 224 Seiten; 12,99 Euro

Rauchende Laster: US-Esskultur in Paris:

Wer dagegen noch ein wenig den sommerlichen BBQ-Erinnerungen nachhängen möchte, ist mit dem schönster Burger-Buch des Jahres besser aufgehoben. Die in Paris lebende Amerikanerin Kristin Frederick kurvt seit ein paar Jahren mit ihrer Mutter und dem gemeinsam finanzierten Foodtruck "Le camion qui fume" durch Frankreichs Hauptstadt - als selbst ernannte Botschafterin für amerikanische Esskultur. Allein diesem Aberwitz gebührt schon tosender Applaus, zumal der US-Cuisine-Markenkern für Frederick die echten, von Bun über Patty bis zu Belag und, jawoll!, French Fries komplett selbst gemachten Burger sind.

All das, inklusive der im Truck verkauften Brötchensorten und über 40 Burgervarianten von Veggi über "China-" bis "Libanon"-Style sind in dem ausgesprochen speicheltreibend fotografierten Buch "Gourmet Burger" exakt und easy nachkochbar rezeptiert. Spannend auch die Fleischvarianz von Rind über Schwein bis zu Geflügel und sogar Kaninchen, sowie die kreative Belagphantasie von Oliventapenade, Chimichurri, Salbei-Aioli oder Ziegenkäse und Rote Bete. Kein Wunder: 2015 testierte der "Daily Telegraph", bei Frederick gebe es einige der besten Burger der Welt.

ANZEIGE
Kristin Frederick, Bonnier David (Fotograf):
Gourmet Burger

Übersetzung: Julia Paiva Nunes

Gerstenberg Verlag, 160 Seiten; 22 Euro

Obwohl auch wir unsere Buns für die heutigen "Berry Burger" selber backen, hat dieses Naschwerk wenig mit klassischer Hamburgerbraterei zu tun. Und es ist noch nicht einmal kindgerecht. Das liegt an dem in diesem Rezept verwendeten Bresca Dorada Morto verde aus Sardinien. Der ist mit 30 Prozent ja fast schon ein Schnaps. Für Erwachsene wichtiger: er wird im Gegensatz zu den meisten "Mirto"-Likören nicht aus den roten Myrtenbeeren, sondern den jungen Blättern dieses überall auf der Insel gedeihenden Strauches gewonnen und auch nicht wie sonst mit Honig gesüßt.

Mutige essen unsere Berry-Burger, dessen Patties mit den letzten Erdbeeren des Jahres (Spanienimport) hergestellt werden, stilgerecht mit den Händen und geben die Oberbekleidung danach in die Reinigung. Deshalb ist es natürlich aber auch keine Schande, Teller, Servietten und Kuchengabeln zu Hilfe zu nehmen.



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
palef 23.09.2017
1. Schwierigkeitsgrad: Aufwändig...
...Zubereitung ca. 2Stunden, Beschaffungszeit je nach Wohnort...unkalkulierbar...für einen merkwürdigen Nachtisch... Wagner, Sie ham' 'nen Knall!
bismarck_utopia 23.09.2017
2. Aufwand
Also das Foto von dem Dessert ist schon mal klasse :-) . Wäre allerdings nicht schlecht, wenn es eine Alternative zu dem Likör gäbe. Kann da jemand was empfehlen? Andererseits, eine Stunde Vorbereitungszeit und 45 Minuten Zubereitungszeit für ein Dessert, schon aufwändig. Ob sich aufwendige Desserts lohnen, ist immer so eine Frage, hängt auch vom Anlass und von der Art und Zahl der Gäste ab. EInes der aufwändigsten Desserts ist eines von Thomas Yoshida, das gibt optisch auch was her: http://gnm.li/dessert
FrieFie 24.09.2017
3.
Das ist sicher ganz lecker, falls all die Früchte und Creme das ganze Backpulver übertönen, das in dem Teig ist. Rührteigrezepte kommen normalerweise mit einem Päckchen auf 400g Mehl (plus doppelt so vielen Eiern u.s.w.) aus... Was daran noch an einen Hamburger erinnert, ist eine andere Frage. Eher kommen einem Windbeutel in den Sinn, wenn man das Chaos betrachtet, das sich einem da bietet. Der eigentliche Haken an dem Rezept ist aber, dass die Beeren-Saison gerade vorbei ist und man nun nur noch sehr teure und nicht so leckere Beeren aus Spanien bekommt, wie Wagner ja auch ausdrücklich anmerkt. Womit wir bei genau dem Kritikpunkt sind, den ich letzte Woche ansprach: Saisonal ist anders, von regional mal ganz zu schweigen. Passt aber ganz gut zum Wahlausgang: Von allem etwas.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.