Besondere Sorten Wein für Biertrinker

Es gibt nicht nur weiß und fruchtig oder rot und schwer. Gerade auch für Nichtweintrinker gibt es Nischenprodukte, die ganz anders schmecken. Häufig sind sie hervorragende Speisenbegleiter.

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Von Gerald Franz


Deutschland ist bekannt für seine trockenen Weiß- und Rotweine, insbesondere Riesling und Spätburgunder. Übersehen werden dagegen häufig die Süßweine, die vor allem aus Riesling gekeltert werden. Die Edelfäule verleiht ihnen einen Geschmack, der häufig an Honig und getrocknete Aprikosen erinnert. Bei der Prädikatsstufe Auslese geht es mit solchen Weinen los. Danach kommen Beerenauslese und Trockenbeerenauslese, bis zum Eiswein wird es dann noch intensiver.

Ein Trank nur für Weinnarren? Mitnichten, selbst eingefleischte Biertrinker dürften sich für die süße Spezialität erwärmen können. Denn mehr als um das Was geht es hierbei um das Wann: Zu einem süßen Dessert oder einem salzigen Käse passen diese Weine hervorragend und sind allemal eine spannende Alternative zu Schlagsahne beziehungsweise Feigensenf.

Noch mehr Tradition und Vielfalt bieten einige der südeuropäischen Länder, wenn es um besondere Weintypen geht.

Die Franzosen haben einiges zu bieten: Ihr Vin Jaune, der "gelbe Wein" aus dem Jura ist so eine Besonderheit. Er reift über

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Fotostrecke: Weinspezialitäten und wozu man sie trinkt

sechs Jahre, bis er in den Handel kommt, und bezieht durch einen bestimmten Pilz, der sich im Fass über den Wein legt, sein nussiges, hefiges Aroma. Auch dieser besondere und absolut trockene Wein ist weit entfernt von frisch und fruchtig und nicht dazu geeignet, auf der Terrasse weggeschlürft zu werden. Besser man trinkt ihn zu einem würzigen Hartkäse, etwa einem gereiften Comté aus derselben Region. Perfekt sind auch Nüsse.

Abgestoppte Weine

Ist der Vin Jaune trotz aller seiner Besonderheiten noch ein klassisch vergorener Wein, gibt es in Frankreich aber auch einige sogenannte aufgespritete Varianten. Bei diesen wird hochprozentiger Alkohol in den Most gegeben, sodass die Gärung abgestoppt wird. "Vin doux naturel" sagen die Franzosen dazu. Die damit gemeinte natürliche Süße resultiert aus dem erhaltenen, nicht vergorenen Zucker der Weintrauben.

Muscat de Rivesaltes ist ein solcher Süßwein, der gut gekühlt in Frankreich als Apéritif sehr geschätzt wird. Es gibt ihn in weiß und rot, die Aromen gehen meist in Richtung vollreife, zitrische Früchte bis Trockenobst, auch nussige Noten sind dabei. Ein Wein, der viel Spaß macht, kein bisschen schwierig ist und durch seine Süße eben auch zugänglich und appetitanregend wirkt. Mit 15 bis 18 Volumenprozent Alkohol fällt er auch nicht viel stärker aus als mancher konventionelle Wein. Trinken Sie ihn in kleinen Portionen.

Hierzulande noch weniger bekannt als der Muscat de Rivesaltes dürfte der Pineau des Charentes sein. Die Herstellungsweise ist ähnlich, der Most wird allerdings direkt bei Beginn der Gärung und mit Cognac abgestoppt, sodass in seinem Fall zwei Aromenträger zusammentreffen. Noten von kandierten Früchten bestechen häufig bei dieser Spezialität. Sowohl der Most als auch der mindestens einjährige Weinbrand kommen aus dem Cognac-Gebiet im Westen Frankreichs. Auch diese Spezialität ist sehr gut zugänglich und macht gut gekühlt sogleich Lust auf den nächsten Schluck.

Bitter und süß

In Spanien sehr populär ist der Wermut- oder Vermouth-Wein, auch wenn er ursprünglich aus Italien stammt. Hier werden dem aufgespriteten Wein tatsächlich Kräuter - und auch Zucker - beigefügt. Dient dem Gin der Wacholder als Basis-"Botanical", so ist es hier Artemisia absinthium, Wermutkraut, das auch für Absinth verwendet wird. Es hat eine deutlich bittere Note und wird je nach Hersteller mit einer Vielzahl anderer Kräuter und Gewürze kombiniert. Wermut eignet sich aber längst nicht nur für Mixgetränke wie den Martini. Servieren Sie ihn sehr kalt, am besten auf Eis.

Nicht aromatisiert und auch nicht aufgespritet wird dagegen der italienische Vinsanto, der somit zu den Süßweinen zählt. Der etwas erhöhte Alkoholgehalt und die Restsüße kommen daher, dass die Trauben zunächst Wochen bis mitunter Monate getrocknet werden. Der Saft, der dann aus der Kelter fließt und schließlich vergoren wird, hat viel Wasser verloren und ist hochkonzentriert. Meist wird der Vinsanto aus den weißen Rebsorten Trebbiano und Malvasia gewonnen, aber auch die in der Toskana weitverbreitete rote Sangiovese-Traube eignet sich.

Da der Wein in kleinen Holzfässern und häufig unterm Dach gelagert wird, damit er durch die Temperaturschwankungen schneller altert, färbt er sich bräunlich: Rebhuhnauge, Occhio di pernice, wird er daher auch genannt. Aromen von Nüssen und Trockenfrüchten sind in dieser oxidativen Spezialität häufig anzutreffen, der Sangiovese bringt einen puffernden Anteil Säure in den öligen Wein. Wer die doppelt gebackenen Cantuccini schon immer zu hart und trocken fand, sollte es den Italienern gleich tun und das toskanische Mandelgebäck in den Vinsanto tunken. Eine tolle Kombination und einfache Dessertidee.


Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech.

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