Bildband "Architecture Fin-de-Siecle" Schicke Altbauten

Die schönsten Beispiele für Jugendstilarchitektur hat der Architekturfotograf Keiichi Tahara spektakulär in Szene gesetzt. Fünf Jahre reiste er dafür durch Europa. Hier eine Auswahl der besten Bilder.

Keiichi Tahara/ Taschen

Keiichi Tahara hat viele Jahre seines Lebens damit verbracht, die Geheimnisse und Feinheiten der Architektur rund um die vorletzte Jahrhundertwende zu ergründen und in Bildern festzuhalten. Fünf Jahre reiste der japanische Fotograf durch Europa und Russland auf der Suche nach den schönsten Beispielen für die Baukunst im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert, als innovative Baumaterialien und -techniken der architektonischen Fantasie von Meistern wie Gaudi, Horta, Hoffmann, Loos und Mackintosh neue Grenzen setzten.

Das Besondere an ihren Gebäuden wird häufig erst auf den zweiten Blick deutlich. Das Wohnhaus mit Atelier, das Victor Horta 1898 für sich und seine Familie in dem Brüsseler Vorort Saint-Gilles baute, unterscheidet sich beispielsweise nach außen kaum von den Nachbarhäusern. Doch im Inneren offenbart sich das Kunstwerk, zu dem der damals 37-jährige Architekt Marmor, Eisen und Glas verband.

Ein schmales Grundstück nutzte Horta für einen einzigartigen Grundriss, in dessen Zentrum er das Treppenhaus platzierte. Durch eine farbige Glasdecke wird es in buntes Licht getaucht. Bemalte Metalltragewerke bilden einen Kontrast zu glasierten Kacheln, rost- und goldfarbene Handläufe imitieren Pflanzenranken, Glaslampen hängen tulpenförmig von der Decke.

Von der prächtigen Fassade zum kunstvollen Bogen einer Treppe oder der Vollkommenheit eines einzelnen Kronleuchters erfasst Tahara sowohl die feinen Details als auch die räumliche Wirkung dieser ehrgeizigen, wunderbaren Bauwerke. Mit ihren in üppiges Sonnenlicht oder dramatische Schatten getauchten Motiven gelingt es Taharas Bildern, nicht nur die Ausstrahlung dieser Konstruktionen hervorzuheben, sondern auch die besondere Fin-de-Siècle-Stimmung, gekennzeichnet durch esoterische Schwärmerei, Okkultismus und eine unbestimmte Sehnsucht.

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17  Bilder
Fotostrecke: Europas schönste Jugendstilarchitektur

Mehr als 500 dieser Fotos hat der Taschen Verlag nun in einer limitierten dreibändigen Edition auf dem Markt gebracht. Es werden die letzten von Tahara sein, er ist im Juni 2017 im Alter von 65 Jahren gestorben. Seine Bilder liefern in "Architecture Fin-de-Siecle" den Rahmen für Texte von Riichi Miyake, der die Bauwerke kultur- und kunstgeschichtlich einordnet und Wissenswertes über ihre Entstehung zu erzählen weiß.

"Die Architektur der Jahrhundertwende zeigt eine enge Verbundenheit mit organischen Formen - eine kreative Affinität, die heutzutage vernachlässigt wird", schwärmt Tahara in seinem Vorwort. Wer wissen will, wie das aussieht, muss sich auf seine Spuren durch ein Europa der Jahrhundertwende machen - oder sich eine von 10.000 Ausgaben dieses opulenten Architekturbuchs sichern.

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Keiichi Tahara mit Riichi Miyake:
Architecture Fin-de-Siecle

Taschen Verlag; 966 Seiten; 250 Euro

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