Billionaires Beach in Malibu Kloake der Superreichen

Am Carbon Beach wohnt die schwerreiche Elite Hollywoods. Ihre Häuser haben keinen Anschluss an die Kanalisation, manchmal läuft das Schmutzwasser ins Meer - so wird eine Lagune zur Kloake de luxe.

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In Malibu untergetaucht sind Brigitte Steinmetz und Christine Kruttschnitt


Im Cafe Habana Malibu feiern Promis wie Sting, Kate Hudson und die Kardashians gern Geburtstage und Familienfeste, aber auch an eher ruhigen Tagen sieht man den Chef des Hauses mit der glamourösen Gattin über Chips und Salsa abhängen: Nightlife-Zampano Rande Gerber, verheiratet mit Amerikas beliebtestem Schönheitsfleck Cindy Crawford. Er hat das mexikanisch-kubanische Restaurant im Einkaufszentrum von Malibu zum "kleinen Klubhaus für die Einheimischen" deklariert, weil es - samt Solardach und Bio-Küche - voll zum Umfeld passt.

Denn wie Malibu selbst, jenem starbestückten Strandstreifen vor Los Angeles, sei seine Surfer-Bar "high profile, but low key", also voller Großverdiener, die auf kleine Leute machen. George Clooney hat hier im Mai 2014 seine Verlobung mit Amal gefeiert: erstens, weil er und Gerber alte Kumpel sind, und zweitens, weil der Tequila aufs Haus ging.

Die Autorinnen
  • Chuck Mason
    Christine Kruttschnitt und Brigitte Steinmetz leben seit vielen Jahren in Los Angeles und berichten für große deutschsprachige Magazine über Hollywood und das Leben in Kalifornien. Die beiden haben noch nie einen Preis gewonnen, aber gehen regelmäßig zu den Oscars. In der "Happy Hour" lassen sie sich über ihren Alltag zwischen Kardashians und Kojoten aus.

Sorry für die Verspätung! Aber natürlich war Stau auf dem Pacific Coast Highway, zum Kotzen. Aber du siehst auch blass aus.

Mir geht's nicht gut.

Ah, das Schnäpschen, das du da süffelst, ist Underberg?

"Casamigo", der Tequila, den George und Rande aus Mexiko importieren. Ich muss meine Eingeweide ausbrennen, hab zu viel Wasser geschluckt beim Surfen.

Andere machen Solekuren um zu entgiften, und du kippst gleich noch Fusel hinterher.

Du verstehst nicht. Es ist nicht das Salzwasser, es sind die Zusatzstoffe. Ich trank aus Barbra Streisands Toilette, ich schluckte Pamela Andersons Pipi.

Verstehe ich tatsächlich nicht. Haben die keinen Pool, in den sie pinkeln können?

Doch, das ist ja das Problem. Sie haben einen cesspool. Zu deutsch auch: Sickergrube. Das Klärsystem aus der Donnerbalken-Ära ist immer noch Standard in den meisten Villen hier. Auch am Billionaire's Beach, wo die richtig Reichen residieren. Wenn es so regnet wie bei uns in den letzten Wochen, laufen die Gruben unter ihren Designerhäusern über, und die ganze Soße ergießt sich in meine Welle.

Oh, shit. Ich dachte, dieses unappetitliche Thema ist schon seit Jahren vom Tisch. Gab es nicht sogar Proteststürme gegen Malibus Kloakenwirtschaft an deinem Surfrider Beach?

Du meinst den "Polio Pond "? So heißt die Lagune bei Kennern. Aber wenn das so weiter geht, wird sie in ein paar Jahren nur noch sepiabraune Erinnerung sein. Malibu, wie wir es kennen und es uns krank macht, wird bald von einer großen Kläranlage saniert.

Na sauber!

Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll.

Bevor du ins Detail gehst, brauche ich eine Unterlage. Kellner, se ñ or, por favor?

(Kellner, kurz, breit, mit Nacken-Tattoos und rasierter Glatze, bringt eine Karaffe Wasser mit zwei Gläsern): ¿Quieres un caballito?

Danke, nein, keinen Kaba, ich dachte eher....

Was, wie lange lebst du in L.A. und hast immer noch keine Grundkenntnisse des Spanischen?! Caballito, einen Kurzen! No, gracias, se ñ or, wir dachten an etwas Gesünderes.

(Kellner, strahlend): Ah, Vitamine! Margaritas, Chips und Guac?

Hervorragende Idee. Muchas gracias !

Olé, olé.

Was? Was guckst du mich so an? Bin ich dir peinlich?

Ich frage mich nur, weshalb du so begierig in seiner Heimatsprache radebrechst.

Weil ich ihm zeigen möchte, dass wir weltoffene Gäste sind, denen es völlig wurscht ist, ob er sich illegal in diesem Land aufhält.

Das ist es, was du glaubst? Dass er ein Illegaler ist?

Ich habe keine Ahnung. Ist ja nicht unwahrscheinlich - mehr als zehn Prozent der gesamten Bevölkerung im Los Angeles County haben keine Papiere.

Die Bar
    Aufgetischt: Tequila aus der Brennerei von Clooney und Gerber, zur Begleitung amerikanisch angehauchter Latino-Küche. Guac mit Chips und Salsa 9 Dollar, Margarita 12 Dollar
    Aufgelaufen: Strandläufer, Surfer, Rich Kids und Bad Boys wie John McEnroe
    Aufgedreht: Gringofreundliche Mariachi-Rhythmen und globale Muzak. Mittwochs Karaoke mit DJ, auf zwei Bildschirmen läuft Sport ohne Ton
    Aufgeschnappt: "Ich versteh gar nicht, wieso die Surfer immer versuchen, mich von meinem Stand-up-Paddel zu schmeißen! Das Meer gehört doch allen."

    Cafe Habana, Malibu Lumber Yard, 3939 Cross Creek Road, Malibu www.habana-malibu.com

Was du alles weißt.

Das ist nicht neu, das ist nur ein Thema, weil Trump die Braunen eifrig zu Sündenböcken für die Unzulänglichkeiten seiner Wähler macht. Drei Viertel aller " Undokumentierten " leben seit mehr als zehn Jahren hier, und keinen juckt ' s. Mein Gärtner …...

...dein Gärtner!

Entschuldige, aber ich kann die Bäume nicht alleine beschneiden, neulich erst wieder bin ich von der Leiter gefallen ….

Schon gut, schon gut, hör auf zu stottern, ich meine ja nur. Also: DEIN Gärtner?

Ich will nur sagen: Seine Kinder sind hier geboren, der Älteste will studieren - und ich habe keine Ahnung, ob Trump die Familie nicht demnächst auseinanderreißt und die Alten über die Grenze abschiebt.

Malibu ist Zufluchtsstadt.

Du meinst: für Barbra und andere Kanalisationsflüchtlinge?

Ja, das auch. Aber kürzlich hat sich Malibu ganz offiziell zur "Sanctuary City" erklärt. Hast du nicht gehört?

Mit halbem Ohr.

Die Sheriffs hier haben beschlossen, die Anweisungen vom Rumpelstilzchen im Weißen Haus zu ignorieren. Der hat bekanntlich die Einwanderungsbehörden dazu verdonnert, "Illegal Aliens" samt und sonders abzuschieben. Die Bürgermeister und Polizeichefs von "Sanctuary Citys" aber sagen: ausweisen nur, wenn ein Haftbefehl vorliegt.

Cops gegen Immigration Officers - oh weia.

Ich hab gerade gehört, in L.A. wäre jeder Dritte von diesen Deportationen betroffen, direkt oder indirekt. Das wäre das Ende von La-La-Land.

(Kellner platziert zwei Brausegläser Margaritas sowie Avocado-Mus im Schälchen): Verzeihung, darf ich gleich abrechnen? Ich muss den Bus kriegen.

Aber ciertamente! Hier, meine tarjeta de crédita. - Hast du gehört, er nimmt den Bus. Malibu ist so grün!

(schnaubt): Das ist der Nanny-Express. Hab' ich mal eine Reportage drüber gemacht.

Klingt schlüpfrig.

Ist dir noch nie die einsame Bushaltestelle oben am Highway 1 aufgefallen?

Ich dachte, die ist ein Relikt von früher.

Richtig, früher, anno L.A. Riots. Als 1992 die Hütten in South L.A. brannten, brachten Expressbusse die Nannys, Butler und Köche aus den Armenvierteln direkt nach Malibu, damit nur ja der Service während der Rassenunruhen nicht abriss.

Was für eine psychologische Talfahrt das sein muss. Schlimmer als Oben und Unten in Downton Abbey. Wenigstens sind die Armen in der Strandenklave sicher!

Glaub' doch nicht, dass die in Malibu sich zum Zufluchtsort erklären, weil sie so immigrantenfreundlich sind. Die haben nur Angst, ihr Personal zu verlieren. In der Zeitung klagte ein Malibunese: "Keines unserer Häuser würde geputzt!"

Apropos schamlose Eliten, kommt dir die Blondine da drüben nicht bekannt vor?

Warte, wenn gleich Paparazzi auftauchen, handelt es sich um Nicolette Sheridan von den "Desperate Housewives". Die ist seit Jahren sehr verzweifelt. Neulich sah ich sie oben ohne aus der Umkleidekabine bei James Perse kommen.

Ist das der T-Shirt-Laden da drüben?

Ja, immer, wenn sie länger nicht in den Klatschspalten auftaucht, macht sie sich dort frei.

Und wird nicht wegen "indecent exposure" verhaftet?

Iwo, Malibu hat seinen Bewohnern schon immer eine Extrawurst gebraten. Entschuldige die Vision.

Wirst du schon wieder unappetitlich?

Naja, der Grund, weshalb sich Malibu 1991 als eigenständige Stadt von Los Angeles absonderte, war nun mal allein die Weigerung ihrer Bewohner, sich modernen Abflussgesetzen zu unterwerfen. Sie wollten ihre Sickergruben behalten.

Aber warum nur?

Die reichsten der Reichen behaupten: um den dörflichen Charakter der Millionärskolonie zu wahren. Wo es keine Kläranlage gibt, ist kein Platz für Hotels und Mega-Shopping-Center.

Das ist doch relativ redlich.

Ich kenne drei Surfer, die dank langjährigen Bakteriengenusses aus den Abwässern der redlichen Dorfgemeinschaft am Surfrider Beach heute Herzschrittmacher tragen. Staphylokokken-Infektion!

Dörflich kann ich das sowieso nicht nennen, wenn ich wegen riesiger Baustellen stundenlang im Stau sehe.

Das ist leider der Preis für die Sauberkeit: In spätestens zwei Jahren muss sogar Barbra ihre Sickergrube zuschütten. Seit 2015 der Kloaken-Krieg beendet wurde, darf schamlos gebaut werden. Nobu, der Promi-Japaner hier, hat gerade ein Ryokan auf jungfräulichem Sand errichtet, und unser abgeschrabbeltes Surfer-Klubhaus wird auch zum Boutique-Hotel umgemodelt. Überall Klos!

Gut für Touris, kann ich nur sagen.

Du träumst. Billionaire's-Beach-Bewohner sind doch nicht wild darauf, Touristen in ihr ganz persönliches "Sanctuary" zu lassen. 19 der 29 sogenannten öffentlichen Zugänge zum Strand sind verbaut und unpassierbar. Dieser Oracle-Boss Larry Ellison zum Beispiel hat den halben Strand aufgekauft und dabei gleich die Treppen fürs Fußvolk abreißen lassen, angeblich, um sie zu renovieren. Seitdem traut sich keiner mehr ans Wasser.

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Fotostrecke: Die Großverdiener aus Malibu

Ich bin mal vom Strand einfach durch den Sand hochmarschiert zur Villa von Bruce Willis.

Teufelin. Da hast du das Gesetz gebrochen: Die Hochwasserlinie markiert nämlich die Grenze zum Privatgrundstück. David Geffen stellt gern Wachmänner vor seine Sandburg, die aufpassen, dass die verhassten Strandläufer immer nasse Füße behalten.

Bruce war gar nicht zu Hause.

Die meiste Zeit ist keiner zu Haus. Das sind ja nur Zweit- oder Drittvillen.

Ach. Und worauf trinken wir jetzt?

Auf die Große Freiheit!



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