Sonderzölle Whiskys, die den Bourbon vergessen lassen

Die EU belegt amerikanische Whiskey-Erzeugnisse mit erhöhtem Zoll, die Preise dürften steigen. Bitter für Bourbon-Fans - aber auch eine Gelegenheit, Alternativen zu probieren.

Whisk(e)y on the Rocks: Wenn Eis drin schwimmt, ist es meistens Bourbon
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Amerika sagt A wie Aluminium, die EU antwortet B wie Bourbon: Unter den US-Gütern, welche die EU ab 1. Juli mit Strafzöllen belegen will, findet sich auch Amerikas populärste Whiskey-Variante. Im letzten Jahr exportierten die Amerikaner Bourbon für rund 790 Millionen Euro in die EU. Der im Schnitt zu den eher jungen, preiswerten Whiskeys zählende Bourbon dürfte teurer werden.

Das ist schlecht für seine Fans (und die Bourbon-Branche in Kentucky), denn tatsächlich ist das amerikanische Destillat ein ganz eigenes Getränk - viele Bourbon-Liebhaber trinken keinen Whisky, und umgekehrt ist das nicht anders.

Zwar ähneln sich die Herstellungsverfahren, die Unterschiede beginnen aber schon beim Ausgangsmaterial. Europäische Malt-Whiskys werden ausschließlich aus Gerste gewonnen, nur bei sogenannten Grain, Rye sowie Blended Whiskys kommen auch andere Getreidesorten zum Einsatz. Bourbon hingegen wird immer zu mindestens 51 Prozent aus Mais gewonnen - das macht ihn süß, Roggen und Gerste sind Zutaten, die das nuancieren sollen.

Das gibt Whisky und Bourbon einen deutlichen Charakterunterschied - sie sind so verwandt wie Wodka und Weizenkorn. Grundsätzlich typisch für den Bourbon ist ein süßes, oft an Honig, Karamell oder Vanille erinnerndes Aroma. Vom Charakter ist das oft näher am fruchtigen Rum als am rauchigen Malt.

Trotzdem: Unter dem Strich ist natürlich auch der Bourbon ein Whiskey (den schreibt man in Irland und Amerika mit dem "e" vor dem "y"). Da wäre es doch gelacht, wenn sich im unüberschaubar großen Whisky-Angebot nicht auch Alternativen für Bourbon-Fans fänden.

Die auch geografisch nächstliegende Alternative fällt leider meist aus, denn kanadische Bourbons sind hierzulande nur sehr selten zu haben. Dafür gibt es Whiskys, die dem Bourbon recht nah kommen.

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Erste Alternative: Whisky mit Bourbon-Charakteristik

Zu einem Bourbon-haften Whisky kommt man auf zwei Wegen: Über die Zutaten - hier vor allem Mais - oder in Form "geliehenen" Geschmacks. Whiskys werden normalerweise in gebrauchten Fässern gelagert, die eine große Rolle dabei spielen, wie das Produkt am Ende schmeckt. Nimmt man dafür Bourbon-Fässer, "färbt" deren Geschmack oft deutlich genug ab.

Tropfen mit ausgeprägter Bourbon-Charakteristik:

  • Black Velvet Reserve (Kanada). 40%-Abfüllung, Preis um 20 Euro: Ein Blended Whisky mit Mais und Roggen, wird gern als "Shot" für Longdrinks genommen, ersetzt hier den Bourbon gut.
  • Canadian Club 12 Year Old (Kanada). 40%, um 25 Euro. Kein Bourbon, aber nah dran: Mais und Roggen sind drin, das Lagerfass enthielt mal richtigen Bourbon.
  • Crown Royal Northern Harvest Rye (Kanada). Abgefüllt mit 45%, Preis knapp unter 50 Euro: ein als hochklassig geltender Roggen-Whisky mit deutlichen Bourbon-Anklängen. Den kann man auch pur trinken.
  • Bushmills Steamship Bourbon Cask (Nordirland). 40%-Abfüllung, unter 50 Euro: wie alle Bushmills-Whiskeys Bourbonfass-gelagert, hier besonders ausgeprägte Süße - eine Produktion für den US-Markt. Wer mit etwas weniger Bourbon-Süße auskommt, bekommt aus gleicher Destillerie einen besseren Whiskey für weniger Geld (siehe unten).
  • Macallan Select Oak (Schottland). 40%, um 60 Euro: Macallans Single Malts gelten als sanfte, oft ausgeprägt süß-fruchtige Tropfen - meist leihen sie sich das von Sherry-Fässern. Diese Edition kombiniert das spürbar mit Bourbonfass-Lagerung.
  • Knappogue Castle 12 Years Bourbon Cask (Irland). 40%, unter 40 Euro. Noch ein Ire, und nicht zufällig: Die meisten Irish Whiskeys sind Bourbonfass-gelagert und tendieren zur Süße. Sie sind damit Whiskeys, die auch Bourbon-Trinkern nicht wehtun. Für diesen "Na-Pohk" - so spricht man das - gilt das in besonderem Maße.
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Zweite Alternative: Die geschmackliche Nachbarschaft

Wenn es Süße, Sanftheit, Honig-, Karamell- oder Vanillenoten sind, die Bourbon-Trinker in ihrem Whiskey schätzen, dann bieten sich zahlreiche Alternativen mit erheblicher Preis- und Geschmacksspanne an.

Die folgende Liste steigt sanft ein - und endet mit Exoten, die die Honig-Karamell-Süße des Bourbons durch die Frucht-Karamell-Süße des Rums ersetzen.

  • Bushmills Malt 10 Jahre (Nordirland). 40%, um 25 Euro: Einer der im Wortsinn preiswertesten Single Malts auf dem Markt - nicht exklusiv, aber sehr sanft, mit deutlicher Sherry-Süße. Ein Whiskey für Einsteiger und vielleicht auch Bourbon-Liebhaber?
  • Yellow Spot 12 Jahre (Irland). 46%, um 60 Euro: Honig, Karamell und Toffee sind die Eigenschaften, die einem bei diesem Tropfen einfallen - die milde Süße ist deutlich ausgeprägt. Gelagert wird der gelbe Fleck in Bourbon-, Sherry- und Malaga-Fässern.
  • Auchentoshan Three Wood (Schottland). 43%, um 45 Euro: Ein Single Malt, der mal ein Bourbon werden wollte. Lagerung über zehn Jahre im Eichen-Bourbonfass, dann Finish für zweieinhalb Jahre im Sherryfass. Eher fruchtig als süß, aber mit einer Würze, aus der die Tannine grüßen. Holz heiratet Honig: Könnte Bourbon-Schwenkern gefallen.
  • Teeling Small Batch Rum Finish (Irland). 46%, um 30 Euro. Die Teelings sind etwas harscher, als man das von Irish Whiskeys kennt. Dieser hier leiht sich die Süße der Melasse - und auch wenn das anders ist, bedient es doch ähnliche Geschmackspräferenzen wie Bourbon. Nur halt mit Frucht statt Honig.
  • Balvenie Caribbean Cask 14 Jahre (Schottland). 43%, um 60 Euro: Ein ausgesprochen cremig-süßer Single Malt, dem man sowohl die Rumfass- wie die Bourbonfass-Lagerung anmerkt.
  • Pike Creek (Kanada) 10 Jahre. 42%, um 30 Euro: Eigentlich beginnt der Pike seine "Karriere" als eine Art Über-Bourbon - abgefüllt wird ein "Corn-Whisky", also ein hundertprozentiges Mais-Destillat. Noch mehr Süße bringt dann die Rumfass-Lagerung, woran sich die Geister durchaus scheiden.
  • Nikka Coffey Grain (Japan). 45%, um 50 Euro: Japanischer Whisky gilt als Prestigeträchtig, ist aber meist total überbewertet. Dieser hier ist sogar unter den Exoten ein Exot: Ein vor allem aus Maiswhisky produzierter Blend von ausgesprochener Süße. Wie das so ankommt? Siehe oben.

Als pur genossenes Getränk lässt sich Bourbon leichter ersetzen als in seiner Rolle als Bestandteil von Longdrinks. Da sind Single Malts in der Regel weniger geeignet: Was da ganz gut funktioniert, sind preiswerte Blended Irish Whiskeys, die niemandem wehtun (z.B. Tullamore Dew).

Gut möglich, dass wir so Amerikas Bourbon weit weniger vermissen werden, als die unser Aluminium.



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