Bräuche in Europa Andere Länder, andere Weihnachtssitten

Die Finnen schwitzen in der Sauna, die Briten shoppen im Baumarkt - und in spanischen Krippen verrichtet eine Figur ihr Geschäft: Die Weihnachtsbräuche in Europa sind sehr verschieden. Der Überblick. Stil-Klassiker

Superfast Ferries/ SRT

Essen Sie an Heiligabend vor oder nach der Bescherung? Wenn die Deutschen über ihre Weihnachtsbräuche sprechen, scheint das die einzig relevante Frage zu sein, an der sich die Geister scheiden. Ansonsten herrscht in den meisten Familien ein ziemliches Standardprogramm. Ein paar besinnliche Lieder über Schneeflocken, Servietten mit Goldrand und dann der Zoff um die Gänsekeulen.

Anderswo in Europa gehen die Menschen an den Feiertagen Traditionen nach, die kreativer wirken. Eine festliche Reise durch Europa.

  • Finnland: Saunabesuch und Himmeli

Um Punkt 12 Uhr am 24. Dezember beginnen die Feierlichkeiten mit der Verkündung des Weihnachtsfriedens in der ehemaligen finnischen Hauptstadt Turku. Wer nicht vor Ort ist, kann über sämtliche Medien teilhaben. Dann geht die ganze Familie erst einmal gemeinsam auf den Friedhof und schließlich in die Sauna. Beides dient dazu, die Verstorbenen am Fest teilhaben zu lassen. Denn, so der Glaube, diese zeigen sich zu Weihnachten auch in der Sauna.

Bei der Weihnachtsdekoration geht es sehr traditionell zu: Über den Esstisch kommt ein pyramidenförmiges Mobile aus Strohhalmen, der Himmeli. Zum Essen gehört neben dem Joulukinkku, dem Weihnachtsschinken mit Steckrüben, ein süßer Reisbrei, in den eine einzige Mandel gerührt wird. Wer sie findet, dem ist das Glück im nächsten Jahr hold.

  • Ungarn: Luca-Stuhl und Salonzucker

In Ungarn beginnt die Weihnachtszeit mit dem St.-Luzien-Tag, dem Luca Napja, am 13. Dezember. Für unverheiratete Ungarinnen ist dieser Tag ein besonderer: Sie sollen nicht arbeiten, damit die Hühner im Stall mehr Eier legen. Stattdessen treffen sie sich zum Bleigießen und beschriften 13 Zettel mit 13 Männernamen, von denen sie jeden Tag bis Weihnachten einen wegwerfen. Auf dem letzten Zettel steht der Name des künftigen Gemahls.

Die Männer hingegen haben zu tun: Sie müssen bis Weihnachten aus sieben Holzsorten den Luca-Stuhl bauen. Wer zur Mitternachtsmesse auf diesem Stuhl steht, kann erkennen, wer unter den Anwesenden eine Hexe ist. Ist das alles unbeschadet überstanden, können sich vorzugsweise Kinder, aber auch Erwachsene an den Szaloncukor, die am Weihnachtsbaum hängen, erfreuen. Es handelt sich um gefüllte, mit glitzerndem Papier umhüllte Schokoladenbonbons.

  • England: Truthahn Gregor und Mistelzweige

Im traditionsreichen England kommt der Adventszeit eine wichtige Bedeutung zu. Kinder ziehen von Haus zu Haus, um sogenannte Carols, alte Weihnachtslieder, darzubringen. Es werden Stechpalmen und Mistelzweige als Zeichen von Frieden und Versöhnung aufgehängt - und natürlich, um sich unter dem Mistelzweig küssen zu können. Überhaupt ist die Dekoration in England zur Weihnachtszeit farbenfroh und üppig.

England ist auch Weltmeister im Verschicken von Weihnachtskarten. Jahr für Jahr entbrennt ein Wettstreit in der Familie oder unter Freunden, wer die meisten Karten auf dem Kamin aufgereiht hat. Nur einer ist an Weihnachten nicht froh: Gregor, der Weihnachtstruthahn. Er zählt mit Plumpudding und Eierspeise zum typischen Weihnachtsessen. Sehr besinnlich muss es dabei nicht zugehen. Papphütchen und Knallbonbons gehören in jedem Fall dazu.

Die Geschenke bringt Father Christmas durch den Kamin, sofern er ihn noch trifft. Denn in jedem Haus werden ihm ein Mince Pie und ein Gläschen Sherry hingestellt. Und was in Italien die Papstansprache ist, muss in England natürlich die Weihnachtsansprache der Queen sein. Sie wird im Kreise der Familie verfolgt. Erstaunlich ist, dass der Boxing Day, der 26. Dezember, dem Heimwerken gewidmet ist. Viele Baumärkte haben geöffnet.

  • Polen: Zwölf Gerichte und Heubüschel unter dem Tisch

Im katholischen Polen ist Weihnachten das wichtigste Fest des Jahres. Auf Ablauf, Dekoration und Harmonie wird größter Wert gelegt, da der Tag wegweisend für den Verlauf des folgenden Jahres ist. Neben einem reichhaltigen Essen und dem zusätzlichen Gedeck für Verstorbene oder Bedürftige auf dem Tisch liegt darunter stets ein kleines Heubüschel für den Esel, mit dem das Jesuskind in die Welt gekommen ist.

Der Weihnachtsabend beginnt, sobald der erste Stern am Himmel steht. Zunächst wird das Weihnachtsevangelium verlesen und dann eine Oblate mit allen Anwesenden geteilt. Da man in Polen glaubt, dass in der Heiligen Nacht auch die Tiere sprechen können, bekommen auch sie eine Oblate, allerdings eine farbige.

Das Essen selbst ist fleischlos. Karpfen, Piroggen und Hering werden manchmal auf zwölf Gerichte in Anlehnung an die zwölf Apostel verteilt. Auch sie symbolisieren in ihrer Vielfalt Wohlstand für das kommende Jahr. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, steckt sich eine Gräte vom Weihnachtskarpfen ins Portemonnaie.

  • Frankreich: 13 Desserts und Holzscheite

Im Land der Haute Cuisine nimmt auch an Weihnachten das Essen eine besondere Rolle ein. Es geht weniger besinnlich als fröhlich zu. Zum Réveillon, dem Weihnachtsessen am 24. Dezember, zählen typisch französische Spezialitäten wie Foie gras, Austern, Hummer und Schnecken. Dazu wird natürlich Champagner getrunken.

In besonders religiösen Haushalten werden sieben Gerichte und 13 Desserts für die zwölf Apostel und Jesus Christus serviert. In fast allen Familien gehört der Buche de Noël, ein aus Biskuitteig und Creme nachgebildeter Baumstamm, zu Weihnachten. Er symbolisiert die Wärme im Kamin, mit der man das Christkind willkommen heißt. Außerdem soll die Asche, die am Tag darauf auf den Feldern verstreut wird, Glück und eine reiche Ernte für das nächste Jahr bringen. Geschenke, die Père Noël, der Weihnachtsmann, gebracht hat, gibt es erst am 25. Dezember. Am 26. Dezember geht's für die Franzosen bereits zurück zur Arbeit.

Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz: Kanonenschuss zum Start
Turismo Rom/ SRT

Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz: Kanonenschuss zum Start

  • Italien: Panettone und Befana

In Italien kommt man im Dezember aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Nach dem Nikolaustag wird am 8. Dezember, Mariä Empfängnis, der Weihnachtsbaum mit Wurzeln gekauft oder von draußen hereingeholt. Auch die Krippen werden dann aufgebaut. Sie spielen in Italien eine wichtige Rolle und lösen zum Teil regelrechte Wettkämpfe zwischen benachbarten Gemeinden aus.

Am 24. Dezember wird - zumindest in Rom - das Weihnachtsfest mit einem Kanonenschuss vom Castel Sant'Angelo eingeleitet. Den ganzen Tag über wird gefastet, doch am Abend bei der Cena della Vigilia di Natale, der Wache vor dem Weihnachtsfest, wird nach Leibeskräften alles außer Fleisch aufgetischt. Meeresfrüchte und Fisch in allen Variationen, mit Pasta oder Reis - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Eines darf nicht fehlen: der Panettone. Dieser reichhaltige Kuchen mit kandierten Früchten und Rosinen schmeckt besonders gut zu süßem Wein oder Spumante.

Die Weihnachtsmesse auf dem Petersplatz ist fester Bestandteil des Heiligen Abends. Wer nicht direkt dabei sein kann, verfolgt sie im Fernsehen. Am 25. Dezember gibt es ausschließlich Gerichte dalla terra, also Fleisch, Wurst und Salami. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet La Befana am 6. Januar. Die Hexe dieses Namens fliegt auf der Suche nach dem Bambino Gésu, dem Christkind, von Haus zu Haus. Braven Kindern bringt sie Geschenke, weniger braven Kohlen.

  • Spanien: Weihnachtslotterie und Hosen runter

Bereits in der Adventszeit, wenn die Krippen aufgestellt werden, könnte einem eine Figur darin spanisch vorkommen: der Caganer. Diese Figur zeigt sich eindeutig mit heruntergelassener Hose beim Verrichten ihres Geschäfts. Symbolisieren soll sie den gesunden Lauf der Natur und die Düngung der Erde. Die fragwürdige Ehre, hierfür als Vorlage zu dienen, haben jedes Jahr viele prominente Spanier, aber auch Nicht-Spanier.

Den Startschuss für die Weihnachtstage gibt am 22. Dezember die Weihnachtslotterie Sorteo de Navidad mit der live übertragenen Ziehung der Gewinnzahlen im Fernsehen. Der Heilige Abend, die Noche Buena, und Weihnachten selbst werden fröhlich im großen Familienkreis und mit vielen Leckereien begangen. Unbedingt dazu gehört das Turrón, ein Riegel, der aus Mandeln, Nüssen, Honig und Eiern hergestellt wird.

Nach dem Essen wird es ernst: Die Urne des Schicksals kommt auf den Tisch. In ihr befinden sich kleine Geschenke, aber auch Nieten. Um Mitternacht geht's dann in die Hahnenmesse. Warum sie so heißt? Weil ein Hahn als Erster die Geburt Christi verkündet hat.

Sandra Ehegartner/srt/jus

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
agua 24.12.2015
1.
In Portugal ist der Weihnachtsabend das Fest für die Familie und den engen Freundeskreis.Auch hier ist die Krippe wichtig,und es gibt wahre Kunstwerke,alles Handarbeit,in denen ganze Dörfer in Miniatur aufgebaut werden.Traditionelles Weihnachtsessen ist der Stockfisch.Viele Vorspeisen und sehr viel traditionelles Weihnachtsgebäck. Ich werde mich gleich auf den Weg machen,um meinen Nachbarn ,wie jedes Jahr,die Weihnachtstüte zu bringen. Ich wünsche allen,die bei spon arbeiten ein frohes Fest.Den gleichen Wunsch an die Foristen,aus Portugal.
einzigerwolpertinger 24.12.2015
2. Schade,
daß der Verfasserin zu deutschen Weihnachtsbräuchen nur ihre beschränkte Erfahrung zur Verfügung steht. Daß bißchen hätte die besser wegegelassen.
micromiller 24.12.2015
3. Einfach wunderbar was die Maria
und der Josef und der liebe Gott uns da geschenkt haben. Nicht zu vergessen die heiligen Eminenzen mit ihren Edelschlitten, Rotweinen, Zigarren und den Knabenchören, einfach eine Wonne.
zoonix 24.12.2015
4.
Zitat von einzigerwolpertingerdaß der Verfasserin zu deutschen Weihnachtsbräuchen nur ihre beschränkte Erfahrung zur Verfügung steht. Daß bißchen hätte die besser wegegelassen.
Wir treffen uns zu einer Wanderung im *Schnee, dann kommt die Bescherung mit Liedern und beleuchtetem Tannenbaum, danach wird gegessen und danach endet der heilige Abend mit einem Besuch im Speyerer Dom zur Christmette. Wir hatten noch nie Zoff um eine Gänsekeule, die Autorin hat da wohl ihre eigenen Erlebnisse verallgemeinert, tja äh....! *heute nicht :(
ackermart 24.12.2015
5. Ho Ho Ho...
ist offensichtlich die wohl nicht nur dem Konsumismus geschuldete Abkehr vom Oh Oh Oh, das die längste Zeit auch nicht nur dem zur Besinnung bringen von Kindern nur galt. Sehr neu ist - altem Sinn von Besinnung nach - nun der Euphemismus Besinnlichkeit, der nur mehr an Sinnlichkeit denkt selbst wenn er von feiertäglicher Liebe spricht. Im Sinne der Bescherung scheren, bzw. Scheiden sich die Geister immerhin noch an dem.
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