Italienische Rotweine Erstklassige B-Ware

Brunello und Barolo gehören zu den Weinen, die jeder irgendwie kennt, aber nicht jeder genießen kann. Beide Rote eint ihr fordernder Charakter. Freude am Detail ist hier unbedingt vonnöten.

Brunello di Montalcino
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Brunello di Montalcino

Von Gerald Franz


Bella Italia gilt vielen als das Weinland schlechthin. Der italienische Stiefel, der sich über 1200 Kilometer von Nord nach Süd erstreckt, bietet unterschiedlichste Klimata, Böden, Rebsorten und Herstellungsmethoden, kurz Terroirs. In zweitausend Jahren Weinbautradition kelterten die Italiener daraus eine beeindruckende Vielfalt an Weinarten. Es gibt allein rund 400 geschützte Ursprungsbezeichnungen, laut EU-Weinrecht die höchste Qualitätsstufe.

Unter den zahlreichen hervorragenden Tropfen fallen immer wieder einige auf, die zufälligerweise mit dem Buchstaben B beginnen: Barbaresco und Barbera, vor allem aber Brunello und Barolo. Namen, die jeder Weintrinker irgendwie kennt, so wie man mit Bordeaux und Burgunder aus Frankreich etwas verbindet, auch wenn man vielleicht nichts von dort im Keller liegen hat. Der Brunello heißt schlicht nach seiner Rebsorte und der Barolo ist nach dem gleichnamigen kleinen Ort mitten im Anbaugebiet benannt.

Beide Weintypen werden sehr aufwendig hergestellt. Der Brunello di Montalcino, wie er mit vollem Namen heißt, muss mindestens zwei Jahre in Holzfässern lagern, dann geht die Reifung in der Flasche weiter und erst im fünften Jahr nach der Lese darf der Wein verkauft werden.

Der Barolo muss mindestens eineinhalb Jahre im Holzfass liegen und kommt im vierten Jahr auf den Markt. Wird eine etwas höherwertigere Riserva gekeltert, dauert es bei beiden Weinen sechs Jahre, bis man die Flaschen kaufen kann. Das ist eine lange Zeit, in der der Winzer Platz vorhalten muss und keine Einkünfte mit dem Wein erzielt. Doch natürlich honoriert der Weintrinker nicht in erster Linie den Aufwand des Winzers, sondern kauft ein Versprechen an Qualität und Genuss.

Die Nachfrage ist so hoch, dass kaum ein Brunello oder Barolo für weniger als 30 Euro verkauft wird, einige erzielen deutlich höhere Preise. Aber sind diese Roten für jeden Weintrinker ein Genuss? Was beide Weine gemeinsam haben, ist ihr fordernder Charakter.

Eine herbe Schönheit

Wer auf samtig, süffig, säurearm steht, für den ist ein Brunello nichts. Der Wein aus der südlichen Toskana ist ein eleganter Rotwein, der weder mit einem prallen Körper noch einer sanften Fruchtigkeit aufwartet. Die Sangiovese-Traube, die im Anbaugebiet um Montalcino Brunello genannt wird, ist eine herbe Schönheit, die durch Ertragsreduzierung, lange Reife am Stock und aufwendigen Ausbau im Keller ihren etwas ruppigen Charakter ein Stück weit ablegt.

Je nach Lage, Jahrgang und Ausbauart sowie auch abhängig vom Grad der Flaschenreife kann Brunello sehr unterschiedliche Aromen nach vorne stellen: Veilchen, Wildkirsche, Kaffee etwa oder eben auch Unterholz, Tabak, Leder. Die Auseinandersetzung mit diesem Wein erfordert einiges an Aufmerksamkeit, selbst klimatisch ähnliche Jahrgänge können im gereiften Zustand sehr unterschiedlich ausfallen. Freude am Detail ist hier unbedingt vonnöten.

Langlebige Gerbstoff-Granate

Der farblich häufig zurückhaltende Barolo strotzt nur so vor Gerbstoffen. Obwohl er schon jahrelang gereift ist, wenn er in den Handel kommt, wirkt er trotzdem anfangs oft recht jung. Auch das kraftvolle Tannin und seine Säure können noch sehr fordernd ausfallen. Dadurch ist der Barolo aber ebenfalls ein sehr langlebiger Wein.

Liebhaber schätzen die Duftigkeit des aus Nebbiolo-Trauben gekelterten Paradeweins aus dem Piemont, der idealerweise florale Töne von Veilchen und Rosen aufweist. Auch im Mund muss man diesem Wein einiges an Aufmerksamkeit schenken, denn ein Gaumenschmeichler ist der charakterstarke Rote sicherlich nicht. Er ist - wie der Brunello - eher etwas für diejenigen, die schon einige Weine gut kennen und auf der Suche nach etwas anderem sind. Wenn man eine Flasche geschenkt bekommt und sich noch nicht bereit dafür fühlt, ist das aber nicht weiter schlimm: Je nach Jahrgang kann man den Edel-Italiener etliche Jahre im Keller vergessen, bis man bereit ist für einen Wein für Fortgeschrittene.

Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog "Weinsprech".

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000824076 29.04.2018
1. Der gute Wein ...
... ist das Insignium des Bedeutungslosen. Bitte, bitte, keinen Sauf-Blog!
kleinbürger 29.04.2018
2. süditalien
für alle die nicht mit "sauren" weinen herumexperimientiere und dafür auch noch unnötiges geld ausgeben wollen denen empfehle ich süditalienische weine : primitivo, nero d`avola oder negroamaro die schmecken auch ohne nachlesen zu müssen warum der wein jetzt schmecken soll.
Kamillo 29.04.2018
3. Noch einer mit B
Ich hab noch ein paar Flaschen Bolgheri DOC im Keller liegen, auch kein alltäglicher Tropfen. Mancher Winzer dort verlangt gut 150 Euro für die Flasche, unter 20 bekommt ma kaum was. Bolgheri ist ein Ort an der Etruskerküste, unweit von Cecina. Auch der Besuch des Ortes lohnt sich, insbesondere gegen Abend, wenn man über der bekannten 5km langen Zypressenallee den Sonnenuntergang sehen kann, und es gibt ein paar gute Restaurants dort, ideal nach einem Strand-Tag.
Stäffelesrutscher 29.04.2018
4.
»Je nach Lage, Jahrgang und Ausbauart sowie auch abhängig vom Grad der Flaschenreife kann Brunello sehr unterschiedliche Aromen nach vorne stellen: Veilchen, Wildkirsche, Kaffee etwa oder eben auch Unterholz, Tabak, Leder.« Unterholz, Tabak, Leder, ... nein danke, das möchte ich weder riechen noch schmecken.
Danares 29.04.2018
5. Polyhydroxyphenole
Gerbstoffe und "auch" Tannin? Ist das nicht dasselbe?
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