Bungalow in Norwegen Luxus-Dachkammer am Fjord

In diesem Sommerhaus in einer einsamen Bucht in Norwegen sind nur 30 Quadratmeter Platz. Genug für ein Bad, ein Wohnzimmer und einen Schlafbereich mit traumhafter Aussicht auf das Meer.

Kim Müller/ Lund Hagem Arkitekter

Die Himmelsrichtungen und der Lauf der Sonne sind die wichtigsten Faktoren für die Ausrichtung eines Gebäudes. Außerdem kommt es darauf an, wie das Grundstück im Verhältnis zu seiner Umgebung liegt. Der norwegische Architekt Svein Lund hat für sein Sommerhaus eine Position gewählt, die Sonnenstand, Grundstück und Umgebung optimal in Einklang bringt.

Lund überspannte eine Senke an einem Fjord mit einem Dach, das nach Norden von einem Granitfelsen begrenzt wird und nach Süden abfällt. Entlang der Sonnenbahn verbaute er Glaswände. So strahlt das Tageslicht am Morgen zur einen Seite hinein, tagsüber fällt es durch einen Schlitz im Dach ins Haus und abends scheint es so lange in den Wohnraum, bis die Sonne in der Nordsee versinkt.

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Cabin Knapphullet: Klein, aber oho

"Am Anfang des Projekts stand die Idee, diesen natürlich eingefassten Bauplatz zwischen Felsen und Büschen für ein Gebäude zu nutzen", sagt Svein Lund. Das Haus schließt ein von drei Seiten durch Felsen eingefasstes Atrium ab und bildet einen Windschutz zum Meer hin. Das brachte Lund auf die Idee, den Windfang begehbar zu machen und als Aussichtsplattform zu nutzen, weshalb er das Dach als Rampe mit Stufen konstruierte.

Unterhalb der wetterfesten Betonplatte ist ein kleiner 2,7 Meter hoher Wohn-Schlafraum mit nur dreißig Quadratmetern Grundfläche, dank einer optimalen Raumaufteilung genug Platz für ein Badezimmer, einen Schlafbereich für zwei Personen, eine Essecke und zwei gemütliche Sitzbänke. Damit alles in die Dachkammer reinpasst, wurde ein Schlafpodest eingebaut, das gleichzeitig das Bad vom Wohnraum abgrenzt. Ein paar Schränke und die Spüle sind im Keller untergebracht, genauso wie die Haustechnik. Eine richtige Küche gibt es nicht. Zum Kochen reicht ein bewegliches Küchenmodul.

Damit der Ort nicht zu klein wirkt, verwendete Lund denselben Betonboden für den Innenraum, den Hof und die Terrasse. Auch die Sitzbank, die entlang des kompletten Raums verläuft, wurde in den Außenbereich verlängert. Das unterstreicht die optische Verbindung der drei verschiedenen Bereiche. Im Freien erstrecken sich die Sitzplätze neben einer Feuerstelle, die der Mittelpunkt des Atriums ist. Sollte es draußen zu kalt werden, steht drinnen ein kleiner Ofen.

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden oder die einfach nicht von dieser Welt sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: Cabin Knapphullet.

Lage: Sandefjord, Norwegen.

Zimmerzahl: Ein 30-Quadratmeter-Raum mit drei Ebenen: Keller, Wohnraum, Hochbett.

Garten: Einen Garten brauchen Sie hier nicht. Ringsherum ist Natur pur. Das Grundstück liegt in einer Bucht, die nur per Boot oder zu Fuß erreicht werden kann.

Extras: Feuerstelle im Hof, Panoramaterrasse und im Schlafbereich ein unverbaubarer Blick aufs Wasser.

Stilfaktor: Im Prinzip gibt es hier nicht viel: ein Dach und drei Glaswände. Architekt Svein Lund hat aber die Baustoffe Stahlbeton, Glas und Eichenholz zu einem äußerst geschmackvollen Häuschen zusammengefügt.

Neidfaktor: Morgens den Kaffee unter den ersten Sonnenstrahlen genießen und am Ende des Tages der Sonne beim Untergehen zusehen, während im Ofen das Feuerholz knistert. Kann man machen, ja.

Wer fühlt sich hier wohl? Naturliebhaber und Eremiten mit Stil.

Unbedingt mitbringen: Norwegerpulli, Schnapsbrennerei, Mückenspray

Nachbarn: Trolle, Mücken und Hauptstädter mit genug Geld für ein Ferienhaus.

Weitere Infos: gibt es beim Osloer Architekturbüro Lund Hagem.

löw

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Papazaca 24.11.2017
1. Schön, klein, super eingefügt in die Landschaft
Gefällt mir. Nur in Norwegen ist es zu lange saukalt. Das begehbare Dach ist auch schön und praktisch. Nur Schrägen sind besonders bei einem so kleinen Haus/Hütte ein Problem bei der Nutzung. Und was ist mit Abwässer, Strom, Wasser? Kann nicht so einfach sein, oder? Sehr schön, sehr gute Architektur. Auch wenn es hier etwas deplaziert ist. Strand, Wärme und Affen in Westafrika sind mir lieber. Okay, ich nehme es zurück, war unhöflich und wir reden hier ja über Norwegen. Ein Superland. nur leider oft ars..kalt.
a.weishaupt 24.11.2017
2.
Zitat von PapazacaGefällt mir. Nur in Norwegen ist es zu lange saukalt. Das begehbare Dach ist auch schön und praktisch. Nur Schrägen sind besonders bei einem so kleinen Haus/Hütte ein Problem bei der Nutzung. Und was ist mit Abwässer, Strom, Wasser? Kann nicht so einfach sein, oder? Sehr schön, sehr gute Architektur. Auch wenn es hier etwas deplaziert ist. Strand, Wärme und Affen in Westafrika sind mir lieber. Okay, ich nehme es zurück, war unhöflich und wir reden hier ja über Norwegen. Ein Superland. nur leider oft ars..kalt.
Sandefjord liegt im Süden von Norge, am Skagerrak. Da ist es meist nur ein paar Grad kälter als in Norddeutschland.
schnellerfuchs 24.11.2017
3.
Vielleicht nur meine deutsche Macke immer das Negative zu sehen. Aber die ‚in Szene gesetzte Felswand‘ hinter der Glasscheibe ist ja für den Moment ganz schön, nach 2-3 Jahren ist durch den Regen aber die ganze Felswand vermoost und die Scheibe vergilbt.. Putzen ist da ja nicht wirklich.
hegri 25.11.2017
4. Aus etwas Speziellem
wird was ganz Spektakuläres, wenn es in einem ungewöhnlichen Kontext steht. Die Idee hier finde ich insgesamt herausragend. Wirklich toll in der Ausführung. Da gibt es nichts zu bekritteln. Das Haar in der Suppe liegt aber aus meiner Sicht in dieser eskapistischen Attitüde, die eine breite Anwendung ausschließt. Das schmälert nicht den Reiz dieser Wohnstatt an sich aber die wahren Helden sind nun mal Architekten, die in ungünstigen Umgebungen erschwinglichen Wohnraum mit Lebensqualität schaffen.
milub 26.11.2017
5. Liebe Redaktion
Liebe Redaktion, mir fehlt bei diesem Artikel über dieses reizvolle norwegische Haus der Bezug zur Villa Malaparte auf Capri. Bei dem Adalberto Libera zugeschriebenen Gebäude aus dem Jahr 1937 gibt es viel Verbindendes: die Lage in der Natur, die Grundform und vor allem den als Treppe ausgebildeten Teil des Daches. Die italienische Villa kann zur Zeit nur aus der Ferne betrachtet werden, sie ist jedoch in verschiedenen Filmen zu sehen, beispielsweise in „Der Verrat“ von J.-L. Godard (1962).
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