60 Jahre Modefotos Er hatte sie alle vor der Linse

Der Fotograf Chris Moore erlebte die ersten Prêt-à-porters. Er war dabei, als Versace die Supermodels erfand. Und er sah die wilden Shows von Galliano und McQueen. Eine Ausstellung zeigt seine Bilderschätze.

Chris Moore/ Catwalking/ The Bowes Museum

Bei Modenschauen steht Chris Moore in der Regel immer vorne, in der Mitte des Fotograbens. Sein bärtiges Gesicht ist ein bekannter Anblick für Modemacher in Paris, London, Mailand und New York. Das heißt aber nicht, dass sie sich immer gefreut haben, den Modefotografen zu sehen.

"Bei Armani habe ich einmal die ganze Zeit mein Gesicht hinter der Kamera versteckt", sagte Moore 2017 der "Financial Times", die den britischen Modefotografen zum Ende seiner 60-jährigen Karriere interviewte. Das italienische Label habe ihn verdächtigt, Bilder an die Konkurrenz zu verkaufen und wollte ihn nicht dabei haben.

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Fotostrecke: Mode durch die Augen von Chris Moore

Die Angst vor Imitaten rührte noch aus der Zeit vor den Laufstegen, als Mode hauptsächlich in Paris gemacht und in Salons vorgeführt wurde. Außer einem kleinen Kreis betuchter Kundinnen war damals eigentlich niemand willkommen. Die Fotografen wurden als störend empfunden. Häuser wie Chanel oder Dior verlangten damals sogar Geld für Aufnahmen von ihren Hausmodels.

Das habe sich erst mit dem Aufkommen der Prêt-à-porters geändert, so Moore: "Leute wie Cacharel haben Schauen veranstaltet und Fotografen eingeladen. Die Fotos durften vervielfältigt und überall gezeigt werden."

Neben dem Beginn der Ready-to-wear-Kollektionen in den Sechzigern erlebte Moore auch alle anderen großen Umbrüche der Branche. Durch seinen Sucher sah er die Regentschaft der Supermodels und die wilden Shows von John Galliano und Alexander McQueen. Seine persönlichen Favoriten waren aber immer die Japaner. In Erinnerung geblieben sind ihm besonders die Präsentationen von Issey Miyake - der schon früh alte neben jungen Models laufen ließ - und "alles von Comme des Garçons aus den vergangenen zwanzig Jahren".

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Catwalking

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Heute fotografiert Moore nicht mehr ganz so viel wie früher. Nach dieser Saison möchte er ganz aufhören. Die Zeit will er stattdessen nutzen, um sein 60 Jahre Modegeschichte umspannendes Archiv komplett zu digitalisieren.

Einen Teil davon veröffentlichte er vor Kurzem in einem Bildband. 200 Originale gibt es dann ab Juli im Bowes Museum in Nordengland zu sehen. Gezeigt werden unter anderem Aufnahmen von Modenschauen von Balenciaga, Yves Saint Laurent, Chanel, Dior, John Galliano, Alexander McQueen und natürlich von seinem Favoriten, Comme des Garçons. Neben den Fotos werden die echten Entwürfe ausgestellt.

Lebendiger sehen die Kleider aber auf Moores Bildern aus.

löw



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