Küchentipp Diese vier Trends bestimmen unser Essen 2018

Was erwartet modebewusste Esser in diesem Jahr? Von Frühstück bis Fleischbeilage - das sollten Sie wissen. Plus: ein Fake-Food-Rezept für zuckersüße Cloud Eggs.

Peter Wagner / Foodbild

Von Hobbykoch


Die Ernährungstrends, die von der österreichischen Ökotrophologin Hanni Rützler seit 2014 jährlich ausgerufen werden, sind für enge Beobachter der Szene zwar selten eine große Überraschung, fassen aber zuverlässig die meisten Strömungen auf, die in der Lebensmittelindustrie, im Handel, in der Gastronomie und Massenverpflegung in den jeweiligen Jahren zumindest zu vieldiskutierten Themen geworden sind.

Deshalb werden sich auch die Trends aus Rützlers "Food Report 2018" ihrer Verifikation im Frühjahr 2019 stellen können. Hier sind ein paar von ihnen kurz zusammengefasst:

Meet your Food
Das gewachsene Interesse vieler Konsumenten an der tatsächlichen Herkunft und Beschaffenheit ihrer Lebensmittel führt zu einer Abkehr von den Handelsgeneralisten und einem Comeback der kleineren Fachhändler wie Bäcker, Metzger oder Wochenmarktbauern.

The New Breakfast
Das Frühstück als wichtigste Mahlzeit des Tages - noch dazu mit dem ebenfalls ausgerufenen Levante-Trend - haben wir bereits mit unserem Shakshuka-Beitrag an dieser Stelle erläutert.

Fleischbeilage
Während Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte auf dem Speiseplan immer wichtiger werden, schrumpft das Fleisch von dem dominierenden Essenszentrum früherer Zeiten zu einer von vielen Tellerkomponenten, die aber dieselben Qualitätsstandards und ethischen Kriterien wie der Rest erfüllen muss.

De-Prozessing
Der Gegentrend zur ewigen Speisen-Gleichmacherei der Industrie. Im Kommen sind Nahrungsmittel, die - durchaus im Supermarkt erhältlich - von regional verarbeitenden und liefernden Manufakturen ohne künstliche Zusatzstoffe hergestellt werden. Das können dann auch Fertiggerichte sein, oder Convenience-Produkte wie die Bone Brox - das Knochensuppenprodukt eines Berliner Start-ups, das damit in die Endausscheidung des "Gastro Wettbewerbs" der diesjährigen Internoga-Messe gekommen ist.

Das bedeutet natürlich nicht das Ende des falschen Essens, denn nach wie vor ist es der überwältigenden Mehrheit der Verbraucher weltweit ziemlich egal, worauf genau sie gerade herumkauen. Gute Gelegenheit für Guerilla-Gastro-Aktionen, ab und zu mal eine völlig natürlich erzeugte, aber gefälschte Speise unter die Millionen von Fake Foods des kulinarisch-industriellen Komplexes der globalen Nahrungsmultis zu mogeln - und sei es pferdefreie Tiefkühl-Lasagne.

Wenn Fälschungen in der Cloud auf die Eier gehen

Wie einfach und doch verblüffend effizient wir uns beim Essen täuschen lassen, zeigt das heutige Experiment in unserer kleinen Hobbyküche. Wer in diesen Wochen von fleißigen Handykamera-Bienchen fotografierte und auf Instagram hochgeladene Bildchen von Frühstückseiern sucht, stößt in Sekundenschnelle auf Tausende von Abbildungen sogenannter Cloud Eggs. Dahinter steckt eine die Kulinarikgeschichte der Menschheit nicht unbedingt in neue Schöpfungshöhen treibende, aber doch recht witzige Idee, das fade Spiegelei aufzuporschen.

Hierfür werden einfach die Eier sorgfältig getrennt, das Eiklar zu festem Schnee geschlagen und als kleine Häufchen im Backofen ein paar Minuten zu Gebilden geronnen, die tatsächlich ein bisschen wie Wölkchen aussehen. In eine vor Backbeginn mit einem Teelöffel gedrückte Mulde gibt man die Dotter und lässt sie zur gewünschten Viskosität mitbacken. Das Ganze schmeckt zum Beispiel auf einem Butterbrot mit krossen Baconscheiben darunter und mit Schnittlauch und Fleur de Sel bestreut am Ende wirklich ein wenig besser als ein normales, flaches Spiegelei.

Nebenbei eignet sich diese Methode wegen des Wegfalls von Bratfett in der Pfanne auch zum Kaloriensparen. Wer damit nichts am Hut hat, kann unter das Eiweiß nach dem Schlagen und vor dem Backen auch geriebenen Käse und winzige Speckwürfelchen mischen. Auf jeden Fall lässt sich trotz der steilen Karriere in einigen sozialen Medien, die längst auch in die meisten Frauenmagazinredaktionen gestrahlt hat, der eine oder andere Lieblingsmensch mit einem sonntäglichen Cloud Egg ans Bett überraschen.

Fotostrecke

6  Bilder
Fotostrecke: Cloud Eggs mal anders

Weitaus größer ist der Aha-Effekt natürlich, wenn man seinen Gästen unsere Fake Cloud Eggs als Nachtisch mit dem Kommentar "jetzt gibt's noch ein paar Spiegeleier zum Dessert" serviert. Die können sich durch ihre erst am Gaumen entschlüsselbare aromatische Imitation sogar zu echten Menü-Höhepunkten entwickeln: Die "Cloud" ist süß abgeschmeckt, das "Dotter" entpuppt sich als selbst gemachtes Mangoeis - und aus den echten Eigelben schlagen wir mit haufenweise mürbsüßem, edlem PX-Sherry eine herrlich alkoholische Sabayon-Sauce auf.

Nur schade, dass wir damit einen möglichen globalen Anführer unserer brandneuen Fake-Food-Bewegung vergrätzen: Donald Trump hasst leider jede Form von Hochprozentigem.



insgesamt 19 Beiträge
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skeptikerin007 24.03.2018
1. Gibt es...
....keine deutsche, französische oder weißichwas Küche mehr? Muss ich mit Wörterbuch lesen, wenn ich zufällig nicht Denglish kann?
freddygrant 24.03.2018
2. Die Esskultur ...
... und besonders die Kochkultur in Deutschland ist im professionellen Bereich und Fersehen beachtlich entwickelt und forgeschritten. Allerdings im privaten und familiären Bereich aber in einem desaströsen Zustand - sogar noch hinter den Briten und Amerikanern zurück. Faktisch futtern und trinken wir dort und sogar schon auf de Straße deren fast ungenießbaren industriellen Foods & Drinks (z.B. Coffee, Cola & Frites) gierig auf! Die Folgen für Körper und Konturen sind entsprechend detlich sichtbar.
Profdoc1 24.03.2018
3. Doch...
Zitat von skeptikerin007....keine deutsche, französische oder weißichwas Küche mehr? Muss ich mit Wörterbuch lesen, wenn ich zufällig nicht Denglish kann?
gibt es noch! Still alive. Aber im Ernst, es hat noch nie eine deutsche, französische oder z. B. italienische Küche gegeben. Küche/Rezepte/Gerichte sind doch immer regional zu interpretieren. Sicherlich gbt es eine pfälzeriscge, eher norddeutsche, etc. Küche, genauso wie ich die Regionalküche im Piemont nicht mit der in der Toscana vergleichen kann. Selbst in den Regionen gibt es noch Unterschiede. Zur denglische Metroküche: Diese hat auch 'nur' einen spezifischen Charakter und ist für mich einfach eine potentielle Rezeptbereicherung, aber eben nicht mehr.....
panzerknacker 51 24.03.2018
4. Also,
ich habe gerade mal wieder den guten, alten Erbseneintopf für mich entdeckt - nein, nicht den aus der Dose.
joG 24.03.2018
5. Im Laufe der Zeit...
...habe ich viele Trends begeister mitgemacht anfänglich. In etlichen der besten Restaurants in NYC, London, Paris oder Bologna, Berlin, Los Angelos oder Budapest habe ich den Geschmack du Jour probiert. Und es freut mich, dass Sie diese Trends nun so klasse finden. Aber es geht halt wirklich vom Geschmack her nichts über die traditiinelle Küche mit viel Fleisch und und Sahne und Gänsestopfleber mit Tokai und Hummer und noch mehr Butter mit Sashimi, hohe chinesisch oder vietnamesisch oder begrenzt Fusion im Wechsel. Die Reichen Weltweit haben früher gute Köche gehabt, die kulturelle Hochleistung gezwungen waren zu bringen. Wenn wir heute gezwungen sind Fleisch oder wild lebende Fischarten vom Menue zu nehmen, weil sie ausgestorben sind oder weil wir Klimagase beschränken wollen oder man dick ist, ist das eine Sache. Aber schmackhaftes Essen kenne ich. Und es geht anders.
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