Nachtische Freches Früchtchen

Zwischen Aschermittwoch und Karfreitag ist es wohltuend reinigend, auf ein paar lieb gewonnene, aber ungesunde Dinge zu verzichten. Hier dennoch ein paar schöne Desserts - aus neuen Süßkramkochbüchern.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Obst ist in der Fastenzeit ein Thema, für so manchen Ungläubigen allerdings am liebsten als frisches Topping auf dem Kuchen. Da kommt "Das Apfelsorten-Backbuch"* der in Paris lebenden Autorin Keda Black gerade recht. Zumal Äpfel am Ende des Winters ja zu den wenigen noch genießbaren Früchten der Vorjahresernte gehören. Neben der ausführlichen Vorstellung der zehn beliebtesten Apfelsorten, wie Jonagold, Renette (in mehreren Ausprägungen) oder Granny Smith, sind in den Theoriekapiteln aufschlussreiche Stammbäume der Sorten ausgearbeitet.

Das Hauptaugenmerk liegt freilich auf der Praxis. Apfel als Protagonist in allen möglichen Kuchenformen von Strudel über Tarte Tatin bis zum Crumble sind in so einem Buch erwartbar, aber die Breite der Süßbäckerei überrascht dann doch. Nicht minder interessant sind die Fruchtverwendungen im herzhaften Bereich.

Genau dies will auch der britische Mega-Erfolgsautor Hugh Fearnley-Whittingstall, indem er Willhem-Tell-mäßig mit einem roten Apfel auf dem Kopf für das Cover seines neuesten Werkes "Täglich Früchte"* posiert. Natürlich geht es ihm weniger darum, durch täglichen Apfelkonsum die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu lindern. Der TV-Star und Betreiber des legendären "River Cottage" in Devon präsentiert auch in diesem Buch wieder auf vielen Seiten seine sehr britischen und zugleich modern abgespeckten Kochvisionen - diesmal eben aus dem Reich der Früchte.

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Erwachsenendessert-Rezept: Mirto-Baba mit Feigen und Pinienkernen

Und das reicht bei ihm von Rhabarber über Sommerbeeren, Kernobst, Tropenfrüchte, Feigen, Melonen und Trauben bis zu den Trockenfrüchten - allesamt interessant eingesetzt in primär herzhaften Rezepten. Die sind selten albern (Bratwurst mit gedünstetem Rhabarber), meist aber so überraschend und genussversprechend wie die Austern mit Apfel-Brunoise und -Essig, die Bruschetta mit Feigen, Käse und Sellerie, das Schweinefilet mit Kochbanane und Szechuanpfeffer, oder der winterliche Linseneintopf mit Würstchen und Dörrpflaumen.

Japanischer Naschkatzen-Vierer: Mochi, Dango, Daifuku & Nerikiri

Ein auf dem deutschen Buchmarkt bislang völlig unbestelltes Gebiet sind dagegen japanische Desserts und Süßspeisen. Immerhin der Konfekt-Bereich hat jetzt ein deutschsprachiges Anleitungsbuch gefunden - in Form der Übersetzung von "Mochi"*, einem kleinen Büchlein der französischen Foodbloggerin Mathilda Motte. Japans derzeit weltweit angesagte Cremekunst Namelaka ist hier zwar nicht zu finden, aber endlich einmal brauchbare und auch hierzulande mithilfe eines gut sortierten Asiasupermarkts nachkochbare kleine Mochi (aromatisierte, supersüße Kugeln), Dango (Mochi auf Spießen), Daifuku (Moshis mit Cremefüllung) und die kunstvoll zu Blüten geformten Nerikiri.

Eine nicht minder exotische Zutat spielt auch eine Rolle in unserem heutigen Erwachsenen-Dessertrezept "Mirto-Baba mit Feigen und Pinienkernen": Myrtenbeeren aus Sardinien. Allerdings nicht frisch oder getrocknet, sondern hochprozentig konzentriert in dem nur wenig süßen, dafür enorm ausdruckstiefen Likör "Mirto di Sardegna". Myrtenbeeren sind lose Verwandte unserer Blaubeere und gelten als eine der wichtigsten Wildpflanzen rings um das Mittelmeer. Seit Jahrtausenden werden die kleinen blauen Beeren als Heilmittel, für Tees und als Kochzutat benutzt - auch in der Bibel finden sie Erwähnung.

Pur genossen, entfalten die Myrtenbeeren mit ihrem einzigartigen Antioxidanz Myricetin (zusammen mit Quercetin und Rutin) eine seit jeher geschätzte entzündungshemmende Wirkung durch die Unterdrückung von Histamin und Lipoxygenase. Das Myricetin, ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Flavonoide, wirkt angeblich sogar ähnlich wie Insulin, soll die Blutkonzentration des "bösen" LDL-Cholesterins senken und die Entstehung von Prostatakrebs hemmen.

Wenn da mal nicht nach Goji, Chia und Acai ein neues "Superfood" am Wegesrand lauert...


*Buchhinweise
"Das Apfelsorten-Backbuch"; ISBN-13: 978-3799510288
"Täglich Früchte: 160 Rezepte, pikant und süss"; ISBN-13: 978-3038009269
"Mochi - Japanisches Konfekt: Mochi, Dango, Daifuku und Nerikiri einfach selbstgemacht"; ISBN-13: 978-3775007535



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
taglöhner 18.03.2017
1.
Man ist vom guten Peter Wagner ja schon einigen Kummer gewohnt, was die Einkaufsliste angeht, aber dieses Rezept ist doch wohl völlig an der Jahreszeit vorbei.
newline 18.03.2017
2. Ein typischer Wagner
Erst wird ein Loblied auf die einheimischen Äpfel gesungen. Damit zu kochen ist dann aber zu trivial, es muss etwas Exotisches sein. Ich habe nichts gegen Exotik, aber einen guten Koch erkennt man an seinen Bratkartoffeln und in der Beschränktheit zeigt sich erst der Meister. Warum nicht ein komplettes Menü mit Äpfeln? Wer sich mal richtig gruseln will, sollte sich die Beiträge "Jugend kann nicht kochen" auf Kabel1 ansehen. An den einfachsten Standards wird gescheitert.
112211 18.03.2017
3. Weichspülfasten
Bei der christlichen Form des Fastens, dem Weichspülfasten, ist es eigentlich egal, was man ist, lediglich an wenigen Tagen wird etwas genauer hingesehen, Schwerpunkt auf "etwas". Dazu braucht man kein Fastenkochbuch.
soßengott 18.03.2017
4. Typisch Wagner
Schön vorbei an Regional und Saisonal. Zu Jugend kann nicht kochen @newline: leider kann dieser Achim selbst nicht besonders gut kochen. Carbonara falsch, Pulver in die Kartoffelsuppe....
newline 18.03.2017
5. Simmt,
Zitat von soßengottSchön vorbei an Regional und Saisonal. Zu Jugend kann nicht kochen @newline: leider kann dieser Achim selbst nicht besonders gut kochen. Carbonara falsch, Pulver in die Kartoffelsuppe....
von seiner Carbonara war ich auch nicht begeistert. Kartoffelpüreepulver ist auch nicht nötig, einfach eine Kartoffel fein reiben.
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