Die abgelegensten Hotels der Welt Allein ganz fein

Nichts hören, niemanden sehen, in großartiger Natur entspannen: In diesen fünf Luxushotels ist völlige Abgeschiedenheit garantiert.

Fabian von Poser

Einmal allein auf einer einsamen Insel wohnen, für ein paar Tage völlig isoliert am Rande der Welt leben oder sein Bett mitten in der Wüste aufschlagen: für viele ein Traum. Gerade wenn es im Job noch eine Umdrehung stressiger geworden ist und der Großstadtlärm an den Nerven zehrt.

Wirklich einsame Orte mitten in der Natur sind vielleicht rar geworden - immer weiter rückt die Zivilisation in die Natur vor -, aber es gibt sie noch. Und an einigen wurden Hotels gebaut, bei denen der Luxus nicht der vergoldete Wasserhahn, sondern die einmalige Lage ist. Hochpreisig sind sie dennoch.

Wir stellen fünf der abgelegensten Hotels der Welt vor.

Allein im Pazifik: Explora-Hotel, Osterinsel, Chile

Hotel Explora

Völlig ab vom Schuss - das gilt für das Explora-Hotel auf Rapa Nui wie für kaum ein anderes Hotel auf diesem Erdball. Die nur 12 mal 24 Kilometer große Osterinsel ist einer der abgelegensten Orte der Erde. Bis zum chilenischen Festland sind es 3500 Kilometer, nach Tahiti 4200. Die nächstgelegene Insel, Pitcairn, liegt mehr als 2000 Kilometer entfernt. Nur etwa 6000 Menschen leben hier.

Auf der politisch zu Chile gehörenden Insel finden sich nicht nur die Überreste einer rätselhaften Kultur: rund 900 Steinfiguren, die sogenannten Moais; bis heute ist nicht ganz klar, wann sie errichtet wurden und zu welchem Zweck. Auch sonst gleicht die Osterinsel, die eigentlich ein Vulkangipfel ist und seit 1995 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, mit ihren Höhlen und Fossilien einem Freilichtmuseum.

2007 eröffnete die Explora-Gruppe rund acht Kilometer vom einzigen Ort der Insel, Hanga Roa, entfernt das Hotel Posada de Mike Rapu. Architektur und Interieur der 26 Zimmer, der vier Suiten und des Restaurants nehmen Bezug auf die einheimische Kultur. Die Räume sind so konzipiert, dass von allen aus der Blick auf den Pazifik großartig ist. Um davon nicht abzulenken, gibt es W-Lan und Fernseher nur in den öffentlichen Räumen.

Eisberge vor dem Schlafzimmerfenster: Fogo Island Inn, Neufundland, Kanada

Fogo Island Inn Resort

Die Szene scheint fast unwirklich: In einem weiß getünchten Speisesaal mit riesigen Panoramafenstern sitzen die Gäste beim Mittagessen - und draußen ziehen Eisberge in Hochhausgröße vorbei. Was aussieht wie im Film, ist Wirklichkeit. Denn die nur 254 Quadratkilometer große Insel Fogo, 15 Kilometer vor der Nordküste Neufundlands, liegt direkt an der Iceberg Alley, der Straße der Eisberge. Jedes Jahr von Frühjahr bis Frühsommer ziehen viele hundert Eisberge von Norden kommend an Neufundland vorbei.

Nach Fogo gelangt man ausschließlich mit der Fähre oder per Kleinflugzeug. In einer der einsamen Buchten liegt eines der außergewöhnlichsten Hotels der Welt: Die 29 Zimmer des Fogo Island Inn verfügen über Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichen, damit man auch keinen der schwimmenden Giganten aus 10.000 Jahre altem Eis verpasst.

Jedes Bild, jedes Stück Stoff, jedes Möbelstück wurde von lokalen Handwerkern und Künstlern aus einheimischen Materialien hergestellt. Durch das geometrische Design sieht das Hotel beinahe selbst aus wie ein Eisberg - vor allem wenn es im Morgen- oder Abendlicht schimmert.

Ein Bett in der Wüste: Wolwedans Private Camp, Namib Rand Nature Reservat, Namibia

Fabian von Poser

Nichts ist zu hören außer dem Zirpen der Grillen, nichts zu sehen außer ein paar Felsen und den Hunderte Meter hohen Dünen: In einem Tal des privaten Namib-Rand-Naturschutzgebiets liegen die vier Camps der Wolwedans Collection. Brad Pitt, Angelina Jolie und viele andere Prominente waren schon dort - und sie wissen warum. Betrieben werden die Öko-Luxusunterkünfte im Süden Namibias von einem deutschstämmigen Besitzer. Solarzellen sorgen für das warme Wasser zum Duschen.

In der Nacht glitzert der Himmel über dem Abertausend-Sterne-Haus in der Namib-Wüste. Am Morgen wandern die Sonnenstrahlen die Sandberge hinauf und veranstalten für ein Feuerwerk der Farben - und man selbst liegt mittendrin. Ohne Türen, ohne Fenster, nur mit einem dünnen Dach aus Zeltstoff über den Kopf. Zebras, Oryx-Antilopen oder Strauße lassen sich vom Frühstückstisch aus beobachten.

Völlig isoliert in den Dünen liegt das sogenannte Private Camp mit Platz für maximal vier Gäste. Wer dort unterkommt, der sieht oft tagelang niemanden außer den Bediensteten, die versuchen, trotz der Einsamkeit jeden möglichen Wunsch zu erfüllen.

Zwischen Wombats und Teufeln: Saffire Freycinet, Tasmanien, Australien

Stuart Vesty / Saffire Freycinet

Weit, weit weg von allem - das gilt auch für das Saffire Freycinet auf der etwa 240 Kilometer südlich des australischen Festlands gelegenen Insel Tasmanien. Von der Inselhauptstadt Hobart sind es rund zwei Autostunden über wenig befahrene Küstenstraßen an die wilde Ostküste der Insel. Die Sandstrände dort sind so fein wie in der Südsee, gepaart mit immergrünem Regenwald im Hinterland. Zur Fauna gehören verschiedene Känguru-Arten, Wombats, kleine Wallabys und der seltene Tasmanische Teufel.

Mitten in dieser Landschaft liegt die Luxuslodge Saffire Freycinet, deren Haupthaus wie ein Stachelrochen geformt ist. Von den 20 Suiten in den Pavillons davor können die Gäste über die Great Oyster Bay und die bewaldeten Kuppen der Hazard Range blicken. Auf den Tisch kommen frischer Fisch aus dem Indischen Ozean und einheimische Weine, denen das mediterrane Klima der Insel gut bekommen hat.

Am Rande des Ewigen Eises: Hotel Arctic, Ilulissat, Grönland

Hotel Arctic

Geologisch gehört Grönland zu Nordamerika, politisch jedoch zu Dänemark - und liegt per se schon recht isoliert. Noch weiter abseits befindet sich das Hotel Arctic bei Ilulissat im Westen der größten Insel der Erde. Von der grönländischen Hauptstadt Nuuk fliegt man etwa eine Stunde bis nach Kangerlussuaq. Von dort sind es weitere 45 Minuten im Minijet bis nach Ilulissat.

Das Hotel mit seinen 87 Zimmern liegt direkt am Ilulissat-Eisfjord in der Disko-Bucht, der seit 2004 zum Welterbe der Unesco gehört. Der 3000 Quadratkilometer große Jakobshavn-Gletscher, der das Eis in den Ilulissat-Eisfjord schiebt, ist mit mehr als 20 Metern am Tag einer der am schnellsten wachsenden Gletscher der Erde - und das meistbesuchte Tourismusziel der Insel. Oft steuern Kreuzfahrtschiffe die Bucht an.

Der Blick von den Zimmern des Arctic ist unvergesslich: Vor den Eisbergen leuchten in Rot, Gelb, Grün und Blau die bunten Fassaden der 4600-Einwohner-Stadt. Vor vielen Häusern stehen Hundeschlitten, das meistgenutzte Verkehrsmittel der Insel. Sogar Hotelchef Erik Bjerregaard hält stets zwölf der Tiere für Besorgungen und die Ausflüge seiner Gäste bereit. Von Mai bis Oktober vermietet das Hotel fünf Zwei-Personen-Iglus - zwar aus Aluminium und nicht aus Eis, dafür aber mit Fenstern und Dachluke.

Fabian von Poser/srt/abl

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000084939 28.10.2014
1.
Toll immer diese Reisetips für OttoNormalverdiener. Entweder Luxushotel in totaler Abschiedenheit, oder mal eben nen Sabbatjahr nehmen und etliche Monate um die Welt reisen. Weiter so! Aber Spiegel Redakteure setzen sowas ja als Spesen ab ...
Grafsteiner 28.10.2014
2. Was? Ohne Strunzfaktor
Was soll denn das? Für Abgeschiedenheit reicht auch ein Wohnklo. Ach so. Um h i n t e r h e r zu strunzen. Um "Freude", die man nicht mag, mit Erlebnissen zu beeindrucken, die man nicht hatte. Wenn ich hingegen ein Wildschwein in meiner heimischen Jagd nur mit der Jagdplaute erledige, guckt keine Sau. Ohne vorherige Hatz wie im Mittelalter, sondern nur durch Auflauern und blitzschnelles Zustossen. Mein Hobby. Unangenehm nur, dass ich mich vorher immer in der Suhle von meinen Körpergerüchen befreien muss. Sonst stinke ich für ein Wildschwein wie ein Ziegenbock. Was hinterher dann für 14 Tage verhindert, dass ich mein Jägerlatein in Gesellschaft erzählen kann.
criticalsitizen 28.10.2014
3. Klimawandel? ie gehört, deshalb muss ja jeder nochsodamliche Mensch billig verreisen
und weiss dann am Ende gar nicht mehr, wo es hinging, aber wie BILLIG es war... Luxusresorts sind daher immer klimafreundlicher als austauschbare Massentouismiusziele.
claus_debold 28.10.2014
4. Ja was denn nu?
Also ich geniesse die Kenntnis von besonderen Orten mehr als dass sich die Redaktion entscheidet, mir einen Bericht über Zweisternehotels in Rimini zu präsentieren. Ich muss mir ja nicht alles leisten können, was ich schön finde.
misericordia 28.10.2014
5. [Traeume]
Tolle Plaetze von Traeumern fuer Traeumer erdacht und gebaut. Wäre toll zu wissen wer diese Menschen sind die sowas realisieren.
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