Rassismusvorwürfe Dolce & Gabbana sagt Schau in China ab

An Stäbchen sind schon viele gescheitert. Dolce & Gabbana wird für eine Werbekampagne kritisiert, die Models mit dem Essbesteck zeigt. Das schmeckt der Zielgruppe nicht. Sie fühlt sich veräppelt.

Laden von Dolce & Gabbana in Beijing
AP

Laden von Dolce & Gabbana in Beijing


Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist China ist ein wichtiger Markt für Luxusmarken. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Bain kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass ein Drittel aller Einkäufe in dem Segment von Chinesen getätigt werden. Insofern ist es wohl mindestens eine mittelschwere Katastrophe, in der das Modelabel Dolce & Gabbana gerade steckt. Am Mittwoch, wenige Stunden vor Showbeginn, haben die Italiener ihre große Modenschau in Shanghai abgesagt. Angeblich auf Druck der chinesischen Behörden. Statt über das geplante Spektakel mit 300 Models und 1000 Gästen wird nun vor allem über Stefano Gabbana geredet.

Was war passiert? Irgendjemand bei Dolce & Gabbana dachte, es sei eine gute Idee, im Vorfeld der Modenschau mit drei Videos zu werben, in denen eine Chinesin versucht, mit Stäbchen italienische Spezialitäten zu essen. Die Zielgruppe fand die am Montag bei dem Twitter-Klon Weibo veröffentlichten Videoclips aber klischeehaft, rassistisch und kein bisschen witzig. Auch Kommentare aus dem Off, die erklären, wie mit Stäbchen gegessen wird, kamen nicht gut an. Die Videos wurden nach nicht einmal 24 Stunden auf dem Weibo-Kanal der Marke gelöscht (bei Instagram sind sie weiterhin zu sehen).

Geholfen hat es nichts. Das chinesische Internet mag ein zensierter Raum sein, aber hier geht nichts verloren, was nicht verloren gehen soll. Die Einminüter werden weiterverbreitet und kontrovers diskutiert, jedoch nicht so, wie Marketingmenschen hoffen. Es gibt Boykott-Aufrufe, Meinungsführer wie Zhang Ziyi, eine der bekanntesten Schauspielerinnen des Landes, kritisierten Dolce & Gabbana. Die Stäbchen-Filme waren am Mittwoch das Thema bei Weibo. Laut der Nachrichtenagentur Reuters kam es bislang auf mehr als Einhundertmillionen Aufrufe.

Verschlimmert wurde das PR-Desaster noch durch Screenshots, die der in Modekreisen gefürchtete Instagram-Account "Diet Prada" veröffentlichte. Darauf soll ein Dialog zwischen Stefano Gabbana und einer Instagram-Userin zu sehen sein. In der Unterhaltung verteidigt der Modemacher die umstrittene Kampagne und bedauert die Löschung der Clips. Als seine Argumentation nicht verfängt, wird der Ton beleidigend: China sei ein Scheißland, bevölkert von einer ignoranten stinkenden Mafia.

Sowohl Stefano Gabbana als auch seine Firma behaupten allerdings, er sei Opfer eines Hackers geworden. "Wir entschuldigen uns für den Eindruck und den Schaden, den diese unwahren Behauptungen in China und bei den Chinesen hinterlassen haben", heißt es weiter in einer Stellungnahme der Firma, die ebenfalls auf der Kurznachrichtenplattform Weibo gepostet wurde. Die Show sei aus diesem Grund auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die aktuelle Werbekampagne ist nicht die erste, für die Dolce & Gabbana in China kritisiert wurde. Bereits im vergangenen Jahr gab es Vorwürfe, in Anzeigemotiven würde das Land als rückständig. Auch mit Boykottaufrufen haben Stefano Gabbana und Domenico Dolce Erfahrung. 2007 hatten Äußerungen des Designerduos über Retortenbabys homosexueller Paare ("synthetische Babys") zu dem Hashtag #BoycottDolceGabbana geführt.. Auch mit Boykottaufrufen haben Stefano Gabbana und Domenico Dolce Erfahrung. 2007 hatten Äußerungen des Designerduos über Retortenbabys homosexueller Paare ("synthetische Babys") zu dem Hashtag #BoycottDolceGabbana geführt.

löw / Reuters / dpa



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