Fußballerfrisuren "In zwei Jahren sehen alle Spieler aus wie Elvis"

Der Bremer Farshad Morilotfi frisiert viele Werder-Fußballer, in seinem Salon steht extra für die Kicker eine Playstation. Im Interview erklärt er die Trends der EM - und wünscht sich einen neuen Schnitt für Thomas Müller.

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  • Farshad Lotfi
    Farshad Morilotfi (hier im Bild mit Tim Wiese) hat sich in Bremen in den vergangenen zehn Jahren einen Ruf als Lieblingsfriseur der Werder-Profis erarbeitet. Er selbst trägt derzeit einen Sidecut und spielt hobbymäßig Fußball. Demnächst möchte er Wiese für dessen anstehende Wrestling-Karriere in den USA frisieren - Morilotfi ist mit dem Ex-Fußballer gut befreundet.

SPIEGEL ONLINE: Herr Morilotfi, Sie schneiden vielen Profis von Werder Bremen das Haar. Wie wird man zum Friseur, dem die Fußballer vertrauen?

Morilotfi: Ich bin einfach ein guter Friseur, das hat sich rumgesprochen. Ich bin die Nummer eins. Fragen Sie die Spieler - die mögen mich, wir sind Freunde. Ich habe in meinem Salon einen VIP-Bereich mit Playstation, nur für die Profis von Werder Bremen. Ich treffe mich auch privat mit vielen. Es geht eben nicht nur um Haareschneiden, sondern auch um Persönlichkeit.

SPIEGEL ONLINE: Sie klingen so selbstbewusst wie Zlatan Ibrahimovic.

Morilotfi: Mag sein. Aber ich mag seine Frisur nicht.

SPIEGEL ONLINE: Den Hipsterknoten? Warum nicht?

Morilotfi: Weil lange Haare nicht mehr trendy sind und schnell ungepflegt aussehen, wenig sexy. Außerdem ist langes Haar sehr unpraktisch beim Fußball: Ständig muss man mit den Händen in die Haare, den Zopf mit einem Haargummi neu richten. Man muss sich auf dem Platz doch auf den Sport konzentrieren! Ähnlich störend ist auch der lange Pony: Der fällt einem schnell ins Gesicht und der Schweiß fließt in die Augen. Meine Kunden tragen fast alle kurz. Sie kommen alle acht, neun Tage, damit die Frisur auch in Form bleibt. Spätestens am Tag vor einem wichtigen Spiel stehen sie bei mir im Laden.

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SPIEGEL ONLINE: Sind Fußballer eitler als andere Kunden?

Morilotfi: Meine nicht. Die sind alle bescheiden.

SPIEGEL ONLINE: Wenn es also nicht um Äußerlichkeiten geht - was macht dann eine gute Fußballerfrisur aus?

Morilotfi: Eine gute Frisur motiviert. Wenn ein Fußballer einen besonderen Haarschnitt hat, fühlt er sich besser. Marko Arnautovic zum Beispiel habe ich einen sehr kämpferischen Look verpasst - eine Art Irokesenhaarschnitt: an den Seiten rasiert, in der Mitte viel stehen gelassen. Der hat sich damit immer gut gefühlt.

SPIEGEL ONLINE: Kommen die Spieler mit konkreten Vorstellungen zu Ihnen?

Morilotfi: Manche ja. Sie wollen Muster einrasiert bekommen oder Strähnchen - wie Tim Wiese etwa, als er noch Profifußballer war. Wenn einer zum ersten Mal kommt und keine Idee mitbringt, nehme ich mir auch viel Zeit: Was passt zu Gesicht und Spielstil? Einem Linksverteidiger schneide ich eine klassische, keine auffällige, aggressive Frisur. Auch einem Torwart nicht. Das passt einfach nicht. Das passt nur zu einem Stürmer mit viel Temperament und Durchsetzungsstärke.

SPIEGEL ONLINE: Die Frisuren der deutschen Nationalspieler sehen in diesem Jahr bei der EM fast alle gleich aus.

Morilotfi: Viele tragen Undercut: Die Haare auf dem Kopf bleiben lang, die an der unteren Kopfhälfte werden rasiert. Ich mag den Haarschnitt sehr gerne. Man steht morgens auf und die Haare liegen automatisch richtig, auch einen Föhn braucht man nicht. Aber so ähnlich sehen sich die deutschen Spieler nicht. Undercut ist nicht gleich Undercut! Man kann unterschiedlich viele Übergänge schneiden, man kann den Schnitt mit Seitenscheitel kombinieren. Oder man trägt ihn als Sidecut, wie Bastian Schweinsteiger oder Marco Reus: Dabei sind die Haare auf der einen Kopfseite hochrasiert, auf der anderen frisiert man einen weichen Übergang mit längeren Haaren. Kann aber auch nicht jeder tragen, den Undercut.

SPIEGEL ONLINE: Wer denn nicht?

Morilotfi: Mesut Özil zum Beispiel hat nicht genügend Haare, dem kann man so eine schöne Frisur gar nicht verpassen. Dazu braucht man mehr Volumen, damit in der Mitte schön viel stehen bleiben kann.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange bleibt uns der Fußballer-Undercut noch erhalten?

Morilotfi: Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft. Trends kommen und gehen. Vokuhila trägt ja heute auch keiner mehr. Ich glaube, dass die Sechziger bald wiederkommen. Vielleicht noch nicht nächste Saison. Aber in zwei Jahren werden alle Spieler wie Elvis aussehen.

Christian Kabasele
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Christian Kabasele

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie ein EM-Spiel schauen - fällt Ihnen zuerst die Frisur eines Spielers auf? Oder seine Leistung?

Morilotfi: Als Erstes gucke ich auf die Haare - mein Favorit bei der EM ist Christian Kabasele: Sein Haar ist immer gepflegt, kurz, sexy. Wir haben hier im Salon auch einen Fernseher und schauen da. Manchmal überlegen wir auch, wer mal zum Friseur muss.

SPIEGEL ONLINE: Und?

Morilotfi: Thomas Müller ist ein klasse Spieler. Aber sein Haar ist langweilig. Der braucht einen schönen, auffälligen Schnitt: an der Seite und am Hinterkopf richtig kurz. Aber in der Mitte würde ich viel stehen lassen, Müller hat die Fülle dafür. Dann noch die Haare gut föhnen und ein bisschen Wachs rein. Perfekt.



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
scooby11568 16.06.2016
1. Genau ...
umd dann noch wie Ronaldo in der Halbzeit die Frisur umstylen. Ach ja, und natürlich anschließend schön gestylt ausscheiden. Was für ein Quark!
christherz 16.06.2016
2.
Leute, die "alle acht, neun Tage" zum Friseur gehen, sind laut dem Mann also alle nicht eitel. Was für ein Nonsens. Da lob ich mir den "langweiligen" Thomas Müller.
Buuresau 16.06.2016
3. Nicht meine Welt
Sie gehen alle 8, 9 Tage zum Friseur, sind aber nicht eitler als andere Kunden. Dann passe ich wohl nicht zu seinem Kundenkreis. Finde allerdings auch, dass Müller einer der wenigen Fußballer mit 'ner anständigen Frisur ist.
spitzaufknoof 16.06.2016
4. Wie
wäre es mit Waschen und Föhnen im der Pause? Dann kann man richtig frisch in die 2.Halbzeit starten und vllt sogar noch was reißen.
audioexil 16.06.2016
5. Erzähl das doch deinem Frisör!
Jemanden wie Ibrahimovic zu unterstellen, seine Frisur würde ihn beim spielen behindern ist schon selten dämlich. Und meines erachtens ist Zlatan genau deshalb der coolste, weil er eben nicht aussieht wie 90% seiner Kollegen auf dem Platz. Und vielleicht is er ja auch deswegen einer der besten Spieler der Welt geworden, weil er trainiert hat, während die anderen alle 8 Tage beim Frisör saßen und Playstation gespielt haben.
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