Public Viewing in Paris Einen Gignac-Burger, bitte!

Zum Fußballgucken gehören Bier und Wurst? Zwei Fans in Paris wollen damit brechen: Sie bieten kulinarisch anspruchsvolles Public Viewing. Aber mit den Händen darf trotzdem gegessen werden.

Jeannette Corbeau

Frankreich ist bekannt für seinen Champagner, die Schweiz für ihren Käse - wer sich das EM-Spiel der beiden Länder am Sonntagabend im Point Éphémère in Paris angeschaut hat, bekam beides vorgesetzt. Das Kulturzentrum veranstaltet zur Europameisterschaft eine besondere Form des Public Viewing: Wird eine Partie übertragen, gibt es passend dazu je ein Gericht und einen Cocktail aus den beiden Ländern, die gegeneinander spielen.

Die Idee für das Event stammt von zwei Fußballfans: Guillaume Blot erforscht mit seinem Projekt Buvettes (auf Deutsch: Imbissstuben) die Esskultur rund um Frankreichs Fußballstadien. Nam Kunn hat seinen eigenen Fußballverein gegründet, den Bled FC. Während der Weltmeisterschaft 2014 organisierten die beiden zu vier Spielen kulinarische Public Viewings. Weil das gut funktionierte, beschlossen sie, das Konzept zur EM auszubauen.

Auf dem Plan stehen diesmal neun Spiele - fünf Vorrundenspiele, darunter die drei der französischen Nationalmannschaft sowie jeweils ein Achtel-, Viertel- und Halbfinale. Welches steht noch nicht fest, klar ist nur: Frankreich hat Vorrang. Die letzte Ausgabe wird es dann zum Finale am 10. Juli geben.

Eines der beiden Gerichte kochen jeweils die Betreiber des Restaurants im Point Éphémère, in der Regel ist es das französische. Für das zweite Gericht hat Blot verschiedene Pariser Köche engagiert; während der Vorrunde haben etwa schon ein albanischer und ein rumänischer Koch mitgemacht. "Es ist eine Einladung, Unbekanntes zu entdecken", sagt David Suchestow, der das Projekt von Seiten des Point Éphémère betreut.

Käser beim Spiel gegen die Schweiz

Die Gerichte müssen dabei zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sie mit den Händen essen können, und sie müssen qualitativ hochwertiger sein als das, was man sonst im Fußballstadion oder beim Public Viewing bekommt. "Normalerweise isst man in der Halbzeit oder nach dem Spiel einen Kebab oder Pommes", sagt Organisator Blot. "Wir wollen den Zuschauern die Möglichkeit geben, auch während eines Fußballspiels gut zu essen."

Zum Spiel der Franzosen gegen die Schweiz hat Blot einen Käser eingeladen; er verkauft Teller mit Schweizer Käse, Schinken und Schwarzbrot. Das französische Gericht ist ein Burger in den Nationalfarben: Auf dem Rindfleisch-Patty liegen blauer Schimmelkäse und weiße Zwiebeln, obendrauf ein Klecks roter Soße. Der Name "Gignac Burger" ist eine Anspielung auf den französischen Nationalspieler André-Pierre Gignac. Dazu gibt es einen Champagner-Drink mit dem Titel "Strass & Payet" für Frankreich und einen Cocktail "Grand Suisse" für die Schweiz.

Bislang werde das Event gut angenommen, sagt Suchestow, vor allem wenn die französische Mannschaft spiele, sei der Laden voll. Die Spiele werden in drei Räumen des Kulturzentrums auf großer Leinwand übertragen. Auch am Sonntagabend drängen sich die Besucher davor, ein paar stehen sogar auf der Terrasse und verfolgen das Spiel durch die Fenster. Einige haben Teller mit Käse in der Hand oder beißen in einen Burger.

Was die Getränke betrifft, bleiben die meisten dann aber doch der alten Linie treu: Zum Fußball gehört Bier.

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