Modefotograf Erik Madigan Heck Wie gemalt

Wenn Erik Madigan Heck durch seine Linse blickt, sieht er eine surreale Welt voller Blumen, leuchtender Farben und schöner Frauen. 100 der besten Bilder des Modefotografen sind nun in einem Bildband erschienen.

Erik Madigan Heck/ Thames & Hudson

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Blumen, immer wieder Blumen. Mit seiner Vorliebe für florale Ornamentik hat es Erik Madigan Heck zu einem der gefragtesten Modefotografen unserer Zeit geschafft. Mit gerade einmal 28 wird er 2012 für die "Art of Fashion"-Kampagne des amerikanischen Luxuskaufhauses Neiman Marcus gebucht. Als bislang jüngster Fotograf steht er damit in einer Reihe mit Größen wie Richard Avedon, Helmut Newton, Annie Leibovitz oder Lillian Bassman.

"Erik Madigan Hecks Arbeit verwischt die Grenzen zwischen Fotografie und Kunst", sagte der Vizekreativdirektor damals bei der Vorstellung der Bilder. Was wie typischer Marketingsprech klingt, stimmt in diesem Fall wirklich. Hecks Aufnahmen zitieren zahlreiche Künstler: Der Bildaufbau erinnert an Jan Vermeer oder Édouard Vuillard, die Farben strahlen wie bei Matisse.

Wie sehr die Malerei Fotografen und Modedesigner beeinflusst - siehe Yves Saint Laurents Mondrian-Kleider, ist auch Thema auf den 160 Seiten von "Erik Madigan Heck: Old Future". Die Kuratorin Susan Bright und die Chefredakteurin der britischen Ausgabe von "Harpers Bazaar", Justine Picardie, ergänzen die mehr als hundert Motive des Bildbands um kluge Gedanken.

Bei Fotografie-Genie Heck war es vor allem eine Malerin, die ihn und sein Werk prägte: seine Mutter. Die Hobbymalerin lehrte ihn Farben und Bildkomposition. Früh pinselte er eigene Aquarelle. Weil er aber, wie er sagt, zu ungeduldig für das Medium Leinwand war, schenkte sie ihm, als er 14 war, eine Kamera.

Heck zeichnet mit Licht

Mit dieser analogen Canon arbeitet er noch, als er bereits an der New Yorker Parsons School Fotografie studiert, der ältesten Designschule in den Vereinigten Staaten, gegründet 1896 von einem Maler. Hier lernt Heck mit Licht zu zeichnen. Der Rest ist Talent und Mut, gepaart mit der digitalen Magie der Postproduktion.

Dass er neben dem Sinn für Ästhetik auch den fürs Geschäft hat, zeigt Hecks Kunstprojekt "Nomenus Quarterly". Das Konvolut veröffentlicht er von 2007 bis 2011 alle drei Monate in einer Kleinstauflage von jeweils zehn Exemplaren. Preis pro Stück: 6500 Dollar. Später folgt das selbst verlegte Buch "January to August: Photographs, Paintings and Words" Es ist Hecks Antwort auf konventionelle Modefotografie, die ihm künstlerisch zu anspruchslos ist - und wird ein voller Erfolg.

Eine Ausgabe landet auf dem Schreibtisch von Georgia Christensen. "Es hat mich umgehauen", wird die Kreativchefin von Marcus Neimann in der "Vanity Fair" in einem Stück über die besten Modefotografen zitiert. Besonders ein Bild hat es ihr angetan: roter Hintergrund, davor ein Modell - in Alexander McQueen - und ein Kamin, aus dem rote Rosen quellen.

Christensen weiß sofort, sie will mehr davon. Wer nicht?

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Erik Madigan Heck:
Old Future

(Englische Ausgabe)

Thames & Hudson, 160 Seiten; ca. 27 Euro

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
uwegerig 20.03.2017
1.
Durch eine Linse kann man nicht blicken, nur durch einen Sucher!!! Das sollte geändert werden
streifenpuppe 20.03.2017
2. Geht schon...
Zitat von uwegerigDurch eine Linse kann man nicht blicken, nur durch einen Sucher!!! Das sollte geändert werden
Wenn es eine SLR ist, schaut man durch den Sucher und damit durch das Objektiv, das ja ein Linsensystem ("lens") ist
luigi.torinese 20.03.2017
3. Es lebe Adobe's Photoshop...
...ohne den dieser Große Meister anscheinend nichts kann. Nein, diese totgebügelten Gesichter und perspektivlosen Darstellungen sind nichts für meinen Geschmack. Toulouse-Lautrec läßt grüßen, gerade seine Lithografien winken hier herein. Aber ansonten sind diese Platthaftigkeiten eine Zumutung. Brauche ich nicht, also weißte.
DonCarlos 20.03.2017
4. Ich habe gerade gegessen aber musste an Hunger denken?
Kann man eigentlich Mode auch schöne fotografieren, ohne dass die verwendeten Modells nur ein Striche in der Landschaft sind?
hegri 20.03.2017
5. Reale Irrealität
Im Gegensatz zur analogen Fotografie ermöglicht die digitale bekanntermassen unerschöpfliche Möglichkeiten. D.h. , die hier gezeigten Aufnahmen sind ganz sicher nicht so geblieben, wie sie ursprünglich aufgenommen wurden. Das ist dann halt Kunst. Auch ein Gemälde bildet selten die Realität ab. So gesehen, sind diese Mode-"Fotografien" echt Klasse!
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