Fashion Week Berlin Klassische Schönheit

An Tag zwei der Fashion Week lud der Berliner Salon in die Kirche, William Fan in die Kneipe und Marc Cain zum ganz großen Bahnhof. Den meisten Applaus  bekam eine 73-Jährige.

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Die Gruppenausstellung des Berliner Salons ist in diesem Jahr umgezogen. Die große Produktschau mit Designerware aus den Bereichen Mode, Einrichtung und Accessoires fand diesmal in der St. Elisabeth-Kirche und der angrenzenden Villa Elisabeth statt. Der Ortswechsel war nötig, weil im Kronprinzenpalais derzeit umgebaut wird. Neu war auch das Präsentationsformat. Erstmals wurden die Entwürfe der teilnehmenden Modedesigner frei miteinander kombiniert und quasi als große Installation im Mittelschiff der Kirche gezeigt. Die Seitenschiffe durften die teilnehmenden Labels selbst bespielen. Produkte und Interior-Design-Stücke wurden in die Präsentation in der angrenzenden Villa Elisabeth integriert.

Der Berliner Salon ist eines der zentralen Formate der Berliner Fashion Week. Zum einen als Kontaktbörse, und weil die Besucher nirgends einen besseren Überblick über Mode und Design made in Germany bekommen. Mehr als 40 deutsche Kreative und Marken stellen hier ihre Arbeit aus, Veteranen wie Unützer, Talbot Runhof, Lala Berlin oder Dawid Tomaszewski, Tradititionsmarken wie der Handschuhhersteller Roeckl, aber auch junge Talente wie Anna Heinrich (Horror Vacui) oder William Fan.

William Fan war in diesem Jahr aber nicht nur in der Kirche vertreten, sondern auch im Knutschfleck. So heißt die Kneipe, die sich der Designer für seine Modenschau ausgesucht hat. Liefen seine Models bei der vergangenen Fashion Week noch zwischen den Tischen eines China-Restaurants, stiegen sie diesmal auf die Theke. Gezeigt wurden typische William-Fan-Elemente wie Oversized-Looks, Materialmixe - etwa in Form eines Trenchcoats, der vorne klassisch aus Stoff und hinten mit Pailletten besetzt ist - oder aufgeschnittene Ärmel.

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Eine Bar wäre definitiv zu klein gewesen für das, was Marc Cain vorhatte: den ganz großen Bahnhof. Das Damenmodelabel mit Sitz im schwäbischen Bodelshausen zeigte seine Kollektion unter dem Namen "Meet me at the train station" allerdings nicht in einem der vielen Berliner Bahnhöfe. Das wäre langweilig gewesen, wurde doch vergangenes Jahr schon in einer U-Bahnstation präsentiert, und vermutlich auch zu teuer. Stattdessen fuhr der Cain-Train bei der Telekom ein. Deren Hauptstadtrepräsentanz ist groß genug für eine Modenschau mit mehreren Hundert Gästen und bietet auch sonst ein passendes Ambiente für die Mode aus Baden-Württemberg: modern, aber nicht zu modern.

Großer Bahnhof bei Marc Cain

Die Kollektion deckt die meisten aktuellen Trends ab, setzt aber keine neuen: es gab Lagenlooks, Leoparden- und Schlangenprints, Schlauchbootjacken, ein paar Tupfer Neon, Metallicstoffe und Karos. Alles ohne Gefahr tragbar. Zu den besten Looks gehörten die gleich am Anfang der Show, zum Beispiel ein kamelfarbener Mantel mit einer Hose aus falschem Pythonleder, dazu ein neongelber Pullover und Pumps in derselben Farbe. Hiermit fällt man auf der Straße auf, ohne unangenehm aufzufallen. Das gilt sicher nicht für weiße Strickpullover mit schwarz-rosa Applikationen.

Das dachte sich vermutlich auch der Stargast von Firmenchef Helmut Schlotterer. Die amerikanische Schauspielerin Sarah Gray Rafferty erschien in einem kamelfarbenen Mantel (zu Rollkragen und Faltenrock). Den besten Auftritt hatte allerdings Eveline Hall, die mit ihren 73 Jahren immer noch unfassbar gut aussieht - und leider trotzdem eine Ausnahme auf den Laufstegen ist. Vielleicht gab es auch deshalb spontanen Applaus noch während der Modenschau. Auch das ist ungewöhnlich. Fast alles richtig gemacht also.



insgesamt 3 Beiträge
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upalatus 16.01.2019
1.
Ob mit 15 oder 75 bleiben die Models trickreich und mit dem Alter mit steigendem Aufwand bearbeitete Kunstprodukte. Und man will damit natürlich auch die sehr älteren Kundenschichten erreichen. Legitim.
dasfred 17.01.2019
2. Zu Nr.1 uplatus
Ich finde, Eveline Hall hat auf dem Catwalk eine ganz andere Präsenz, als all die jungen Modells. Während die Jungen eher gecastet sind um die Klamotten in den Vordergrund zu stellen, wirkt Eveline als Persönlichkeit. Einige Schnitte fand ich sehr interessant, besonders diese Schulterpasse in Dreieckform. Nur die Stoffe, Pailletten und Animalplüsch sehen mir zu sehr nach Fachgeschäft für Karnevalszubehör aus.
mussich 17.01.2019
3. ob jung oder alt ..
.. ist doch egal. Alt und dünn ist genauso asozial wie jung und dünn, wenn es nicht natürlich ist. Die Dame auf dem Foto ist hoffentlich kein Schönheitsideal.
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