Mailänder Modewoche Küren Sie den schönsten Look!

Anders als vor einem halben Jahr ging es bei den Schauen in Mailand diesmal kaum um politische Botschaften - eher um eine Flucht aus der Realität. Das schönste Outfit wählen Sie!

Looks aus Mailand
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Looks aus Mailand


Donatella Versaces hochemotionale Hommage an ihren vor 20 Jahren ermordeten Bruder Gianni war eines der Highlights der Mailänder Modewoche, die viele sehenswerte Kollektionen bot. Politische Botschaften gab es - anders als vor einem halben Jahr - kaum, inhaltlich ging es eher um eine Flucht aus der Realität.

Alessandro Michele schickte seine Gucci-Models im dunklen Nebel über den Laufsteg. In zuckenden Lichtblitzen waren nur Konturen erkennbar. Die Kritiker waren frustriert, die Fotografen erst erleichtert, nachdem sie das Ergebnis auf dem Display sahen. Viele fragten sich: Wie wichtig ist hier eigentlich noch die Mode?

Michele hat erkannt, dass es heute vor allem um das schnellste Posting auf Instagram geht. Botschaft: Ich bin live dabei. Betonung auf dem Ich. Und vor dem Eingang tobt der Blogger-Inszenierungswahnsinn. Der aktuelle Gucci-Hype beruht auch darauf. Michele baut daraus ein Gesamtkunstwerk.

Miuccia Prada ist deshalb nun nicht mehr die alleinige Lichtgestalt der Mailänder Modewoche. Sie will über die Mode immer auch ein Stück die Gesellschaft verändern. Ihre Agenda: die Gleichstellung der Frau. Ihr Konzept für die nächste Saison: Superheldinnen gezeichnet von Frauen.

Wer es ganz böse mit der Mailänder Mode meint, sagt: Prada und Gucci, mehr muss man hier nicht gesehen haben. Galanter formuliert: Es fehlt seit Langem an Dynamik. Viele Labels (Byblos, Genny) zehren allein von den Erfolgen der Vergangenheit. Die neuen Designer wie Fausto Puglisi oder Francesco Scognamiglio erleben kometenhafte Aufstiege - und werden dann doch nicht der nächste Armani.

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Modewoche in Mailand: Stelldichein der Neunziger-Ikonen

Für Giorgio Armani sind Inszenierungen wie bei Gucci undenkbar. Er lebt vor allem für das Produkt. Statt Showeffekte nutzt er lieber große Stars - diesmal waren Charlène von Monaco und Cate Blanchett da. Sie sahen einen Armani, der mit frischen Farben und sommerlichen Drucken in die neue Saison geht. Das Image, dass er nur Grau und Beige kann, hat er schon lange abgelegt. Zu sehen waren etwa kurze, wippende Röcke zu perfekt sitzenden Jacken.

Bei Fendi hat sich die kreative Doppelspitze Silvia Venturini Fendi und Karl Lagerfeld auf sehr geometrische Formen konzentriert, mit Taillenbetonungen, freigelegten Schultern und variantenreichen Ausschnitt-Interpretationen. Muster wechseln von Streifen in eine tropische Flora. Letzteres wird einer der Haupttrends aus Mailand werden.

Bei Roberto Cavalli debütierte der Engländer Paul Surridge als Kreativdirektor. Seine Berufung galt im Vorfeld als Wagnis. Denn Surridge kommt aus der minimalistisch geprägten Männermode. Cavalli hingegen steht für hypersexy Frauen. Und es scheint, als hätte der Neue bereits das richtige Gespür - mit Zebra-Maserungen als Druckmotiv, athletischen Einflüssen, starken Lederakzenten, einer linearen Schnittführung, aber auch kurvigen Silhouetten im Abendthema.

Neue Kreativdirektoren bei Jil Sander

Open-air in Mailands neuem Stadtviertel "CityLife" empfingen Lucie und Luke Meier zu ihrem mit Spannung erwarteten Debüt als Kreativdirektoren von Jil Sander. Sie kombinierten Purismus mit Innovation. Die Silhouette ist lang und weit. Die Farben basieren auf den klassischen Jil-Sander-Codes: weiß, marineblau, schwarz und camel. Experimentell wird es mit geknüpften Elementen, die sich in lange Fransen auflösen.

Auch Salvatore Ferragamo nutzte die Gunst des Spätsommers und empfing die Gäste draußen, auf dem eigens für die Show mit Rasen ausgelegten Platz vor der Börse. Gezeigt wurde eine Kollektion, die auf Vielfalt und Individualität setzt. So gab es unter anderem ausgestanzte Muster und Python-Optiken, Schlaghosen und Röcke mit Zipfelsaum, kräftige Farben und markante Gürtel.

In der Mode von Stella Jean steckt immer auch ein gesellschaftlicher Ansatz. In ihrer Show am Sonntag lenkte sie den Blick auf die "Cholitas Luchadoras". Jene indigenen Frauen aus Bolivien, die in traditioneller Kleidung Wrestling betreiben und damit auch um Gleichberechtigung kämpfen. In die von dieser Szenerie inspirierten Muster, Farben und Formen mischten sich in der Kollektion westliche, sportive Elemente wie bestickte Trainingsjacken und Blousons.

Dolce & Gabbana zeigten fast ganz zum Schluss sinnliche schwarze Kleider und steigerten sich dann in opulente Druckbilder, zum Beispiel Spielkartenmotive oder Blüten, und üppige Stickereien hinein.

Diese Woche geht der Modezirkus dann in Paris weiter, wo unter anderem vier Traditionsmarken - Chloé, Givenchy, Lanvin und Carven - erstmals die Arbeit ihrer neuen Kreativdirektoren präsentieren werden.

löw / dpa

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